IFA Berlin – eine Vorschau auf die Funkausstellung 2011

Trendtalk DAB+ - G. Bachleitner
Trendtalk DAB+ - G. Bachleitner
Auf der IFA-Preview wurden Neuheiten der IFA 2011 in Berlin vorgestellt.

Anfang September findet der alljährliche Branchentreff unter dem Funkturm statt. Auf der IFA-Preview Anfang Juli in München und Mitte Juli in Hamburg konnte die Presse vorab schon einige Neuheiten erfahren und in Augenschein nehmen.

Messeorganisation

An Zulauf mangelt es der IFA nicht, im Gegenteil. Der Platzbedarf wächst immer noch, so daß dieses Mal noch mehr temporäre Hallen zur Verfügung gestellt werden müssen. Dies teilte Jens Heithecker von der Messeleitung mit. Die beiden thematisch neuen Areale, die im Vorjahr eingeführt worden waren, die i-Zone für die Apple-Gemeinde, und e-Library für die elektronischen Lesegeräte, werden beibehalten. Voll integriert hat sich die Weiße Ware auf großen Flächen. Fachbesucher informiert wieder der Kongreß Medienwoche Berlin-Brandenburg über medienpolitische Themen. Im Sommergarten wird dem unterhaltungsbedürftigen Publikum Musik geboten, mit dem zurückgekehrten Roland Kaiser, den Neuen Deutsch-Poeten Clueso & Band, Wir sind Helden, Philipp Poisel, Max Prosa, Bourani und Kraftklub sowie dem Duo Ich + Ich.

Fernsehneuheiten

3D treibt die Branche weiter an. Auf der IFA werden wir alle drei Lösungsansätze ziemlich gleichberechtigt nebeneinander sehen, das brillenlose, autostereoskopische Konzept zumindest als qualifizierte Ankündigung von Toshiba, die (aktive) Verschlußbrillentechnik als Standardverfahren und die (passive) Polarisationstechnik als kostengünstige Alternative.

Von Medion sahen wir einen eleganten LCD-Fernseher, dessen Diagonale von 55 Zoll keineswegs übertrieben wirkt. Loewe verfolgt weiter die Strategie der „kompromißlosen Individualisierbarkeit“, wie Dr. Raithel die Verwandelbarkeit der Geräteoptik nannte. Sharp wird einen batteriebetriebenen Mobilfernseher als Henkelware vorstellen. Von Videoweb kommt ein neues Einsteiger- und ein High-End-Modell.

Mobile Intelligenz

Toshiba zeigte seinen 3-D-Laptop Qosmio F 750, in dem neuere Bilderkennungsalgorithmen implementiert sind. Um Autostereoskopie zu ermöglichen, muß der Blickwinkel des Betrachters erfaßt werden, und davon kann man sich im mitgelieferten 2-D-Kontrollbild überzeugen. Das Raumbild ist vergleichsweise gut, wenngleich von geringerer Auflösung als der Bildschirm in seiner 2-D-Nutzung.

Auch bei den Speichermedien verfolgt Toshiba gewissermaßen eine hybride Konzeption. Für Schnelligkeit sorgt ein SSD-Festspeicher, die übrigen Aufgaben übernimmt eine konventionelle Festplatte. Als optisches Laufwerk wird erstmals ein Bluray-Brenner für mehrschichtig wiederbeschreibbare Scheiben eingesetzt.

Andere Details sind teils pfiffig, teils banal. Daß die eingebaute Kamera zur biometrischen Gesichtserkennung herangezogen werden kann, mag für berufliche Nutzer interessant sein. Daß am USB auch im ausgeschalteten Zustand 5 V zur Aufladung externer Geräte anliegen, ist ein alter Hut, den es bei stationären PCs schon lange gibt. Daß endlich einmal die eingebauten Lautsprecher von außen ohne Stromzufuhr nutzbar sind, beweist die alte Weisheit, daß der Gebrauchsnutzen von Unterhaltungselektronik mit der Anzahl der Schnittstellen steigt. Toshiba hat nicht immer so gedacht, sondern in früheren Modellen durchaus auch Toneingänge nur in Mono vorgesehen – 50 Jahre nach Einführung der Sterophonie.

Rückgrat der Mobilität: Netze

Zur Evolution der Netze gab die Telekom Auskunft, die dort ja auch der größte Investor ist. Vieles folgt langjähriger und wohlbekannter Strategie. Gesetzlich vorgeschrieben ist der Ausbau der UMTS-Nachfolgenetzes LTE, mit dem man bis Jahresende alle „weißen Flecken“ abgedeckt haben will. In diesen ländlichen Gebieten wird die Bitrate bewußt auf 3 Mbit/s gedeckelt. Das Hochgeschwindigkeits-LTE bei 1800 MHz wird mit 100 Mbit vorerst in vier Großstädten ausgerollt.

Die Unterstützung verschiedener Smartphone-Plattformen erfordert auch Maßnahmen zur wechselseitigen Synchronisation und zur Integration mit der Multimedia-Plattform. Wenn ab August 2011 mit einer Musik-App etwa Musiktitel über das Smartphone gekauft und zur weiteren Nutzung ins Media Center hochgeladen werden können, ist das nur eine selbstverständliche Flexibilität. Wenn ein Anbieter im Sinne von Cloud-Computing schon Inhalte zu sich ins Netz zieht, muß er auch den Komfort bieten, den eine lokale Nutzung (ohne Kosten) böte.

Um der wohl nicht rasch genug wachsenden (V)DSL-Infrastruktur Entertain ein wenig auf die Sprünge zu helfen und den möglichen Kundenkreis zu erweitern, will die Telekom nun auch den Satelliten als Zulieferer einsetzen. Die Inhalte kommen über die Schüssel, den Rückkanal bildet der Telefonanschluß. Das ist eine unverkennbar hybride Konzeption. So hat man sich vor 10 Jahren auch schon mal interaktives Fernsehen vorgestellt. An den Abo-Preisen für Entertain ändert der neue Distributionsweg übrigens nichts, obwohl die Telekom für die Satellitendistribution ja viel billiger als der DSL-Netzausbau ist; die Programme sind ja schon in der Luft.

Trend-Talk: Digitalradio? Das Radio der Zukunft?

Der Trend-Talk befaßte sich mit einem aktuellenThema, das freilich nicht im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit steht. Zu Anfang August 2011 startet DAB+, die neuere Variante des Digitalradios, von dessen Einführung die KEF ja seinerzeit die weitere finanzielle Unterstützung abhängig gemacht hatte. Aufgrund des besseren Codecs sind wesentlich mehr Programme möglich, die dem Mauerblümchen DAB zu mehr Attraktivität fürs Publikum verhelfen sollen. Die Liste der bundesweit empfangbaren neuen Programme ist auch interessant, wenngleich über manche Anbieter noch zu wenig bekannt ist.

In der Diskussion erklärte Florian Fritsche, Regiocast Digital, seine Motivation, mit seinem Fußballbegleitprogramm 90elf bei DAB+ einzusteigen. Er sieht den neuen terrestrisch bundesweiten Verbreitungsweg als sinnvolle Ergänzung des bisher nur im Internet verbreiteten Programms. Tatsächlich wird erst mit neuen bundesweiten Programmen die einstmals verpflichtende Altlast der UKW-Abbildung überwunden.

Der heikle Punkt der technischen Inkompatibilität wurde nur ungern angesprochen. Ralf Reynolds, Geschäftsführer des Geräteherstellers Pure, konnte mit Genugtuung feststellen, daß alle seine Geräte seit 2008 DAB+fähig oder aktualisierbar seien. Davon konnten wir uns mittlerweile am eigenen Gerät auch überzeugen. Dort hat man also seine Hausaufgaben gemacht und vorausschauend gedacht – was bei der internationalen Ausrichtung seines Unternehmens und der in anderen Ländern schon früher projektierten DAB+Einführung auch nicht überrascht. Helwin Lesch, BR, sprach von der „Gnade der späten Geburt“ bei jenen Ländern, die keinen nennenswerten Bestand an DAB-alt-Geräten haben. In Bayern gibt es diesen Altbestand an nicht aktualisierbaren Geräten jedoch, und Lesch konnte nicht sagen, wie lange dafür die alte Sendenorm aufrecht erhalten werden könne oder müsse.

Was in diesem Zusammenhang und in dieser Diskussion jedoch unter den Tisch fiel, waren die Fragen nach der soziologischen Verortung von DAB, also die Ermittlung von Nutzergruppen und Nutzungsszenarien, das Verhältnis von Gerätepreis und Haushaltseinkommen, Haushaltsgeräteausstattung usw. Kurz danach wurde bekannt, daß Terratec einen DAB+Empfänger als USB-Modul für den Rechner herausbringen wird – den Noxon DAB für 20 Euro! So etwas könnte die Migration beflügeln – wenn es die richtige Zielgruppe träfe.

Portrait, Autor

Gerhard Bachleitner - Musikkritiken siehe: www.online-musikzeitung.de Fotografien siehe: www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/838794

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