
- Auf dem Ilmtalradweg bei Kleinhettstedt - Judith Weibrecht
Ein Radfahrer vor einer grünen und einer blauen Welle auf weißem Grund und die Aufschrift „Ilmtal“ weisen auf den Schildern den Weg. Außer über die Ilm stolpert man auf diesem Radweg über: Goethe. Kaum ein Ort hier, an dem er sich nicht herumtrieb, weshalb der Ilmtalradweg sich mit Fug und Recht auch Goetheradweg nennen dürfte. In Stützerbach gibt es ein Goethe-Haus. Dreizehnmal soll er dort gewohnt haben im Gundelachschen Haus. Und ein Goethewanderweg führt vom Goethehaus in Stützerbach über Manebach, wo er auf dem Schwalbenstein den vierten Akt von „Iphigenie auf Tauris“ dichtete, bis zum Amtshaus in Ilmenau.
Ilmenau am Ilmtalradweg - Goethe allerorten
Im ehemaligen „Wenzelschen Haus“ in Ilmenau sind heute ein Café und ein Schokoladengeschäft untergebracht mit ungemein stärkenden Angeboten: heißer Schokolade mit Sahne zum Beispiel. Hier gibt es alles, was die Herzen der Kaffee- und Schokoladenfans höher schlagen lässt. Weiter die Lindenstraße entlang treffen Radfahrer auf den Ziegenbrunnen, dessen Aufschrift verspricht: „In Ilmenau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau“. Dies sei so wegen der Kessellage der Stadt, beeilt sich ein Passant zu erklären. Tatsächlich: Was kein Fremder für möglich gehalten hätte, wird wahr. Mitten im Nieselregen reißt der Himmel plötzlich auf und zeigt sich in Ilmenau von seiner schönsten Seite: Himmelblau.
Die größte Sehenswürdigkeit ist aber sicher das GoetheStadtMuseum im Amtshaus im Renaissance-Stil. Noch heute sitzt Goethe als Dauertourist auf einer Bank davor. Der Blick aus seiner Wohnung auf den Marktplatz soll ihn gar zu „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ inspiriert haben. 1776 war er das erste Mal in der Stadt, ganze 28 Mal soll Goethe hier verweilt sein. Er bewohnte die herzöglichen Räume in der ersten Etage. Dort befindet sich heute das Museum, durch das Frau Heymel gut und gerne führt. „Die neuen Leiden des jungen Werther“ liegen im untersten Schubfach unter seiner schneeweißen Büste. „Vielleicht lesen Sie einmal wieder darin“, sagt der Audioguide, der durch die Ausstellung führt. Hier und in der Umgegend ging er oft spazieren und notierte seine Naturerlebnisse: „Natur! Du ewig keimende, Schaffst Jeden zum Genuss des Lebens.“ schrieb er 1772 in seiner Ode „Der Wanderer“.
Abstecher zum Kickelhahn
Auf dem Gipfel des 861 Meter hohen Kickelhahns vor den Toren Ilmenaus ist Wandrers Nachtlied entstanden. Goethe ritzte es am 6.9.1780 mit Bleistift in die Bretterwand einer Schutzhütte:
„Über allen Gipfeln / Ist Ruh / In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch; / Die Vögelein schweigen im Walde. / Warte nur, balde / Ruhest du auch.“
Heutzutage ist am Goethehäuschen auf dem Gipfel eine Tafel angebracht, die das Gedicht in zahlreichen Sprachen zeigt.
Nun folgt man dem Ilmtalradweg weiter bis Weimar und im dritten Abschnitt an die Saale.
