
- Herrad Schenk - Der Altersangst-Komplex - Beck Verlag
Irgendwann ist es so weit - man kann nicht länger verdränger, dass man älter wird. Doch das Altern ist nicht nur ein persönlicher Prozess, von vielen als Problem betrachtet, es ist zunehmend auch ein gesellschaftliches Thema im Umfeld einer alternden Gesellschaft. In ihrem Buch "Der Altersangst-Komplex" stellt die Autorin Herrad Schenk fest, dass das Altwerden für die meisten Menschen mit Angst besetzt. Wenn man erst alt ist, wird dann nicht "überhaupt alles insgesamt ganz furchtbar werden"?
Generation 60 plus und die neuen Chancen im Alter - auch für Hundertjährige
Schenk bricht eine Lanze für das "neue Altern", denn, so schreibt sie, die Generation 60 plus habe heute eine ganz andere Lebensperspektive als noch vor 20 oder 30 Jahren. Um diese Chane nutzen und genießen zu können, muss man zunächst einmal akzeptieren, was ist. Die Alten, das sind immer nur die anderen? Eben nicht.
Herrad Schenk, Jahrgang 1948, verfasst seit 1980 als freie Schriftstellerin Romane und Sachbücher. Sie errang viele Preise und Auszeichnungen und ist seit 1989 P.E.N.-Mitglied.
Im vorliegenden Buch setzt sie sich nicht nur sachlich mit all den Begriffen und Fragen auseinander, die gewöhnlich im Zusammenhang mit dem Alter genannt werden. Sie erzählt auch Geschichten, die von Onkel Peli zum Beispiel, der im Haus ihrer Großmutter zur Miete wohnte und der einzige Neunzigjährige war, den sie in ihrer Kindheit kennen gelernt hatte. Heute hingegen gibt es immer mehr Hundertjährige und sogar Menschen - Johannes Heesters lässt grüßen - die noch um einige Jahre älter werden.
Fragen über das Leben im Alter - keine Angst vor einem Ende mit Schrecken
Es gibt viele Fragen, die mit dem Alter in Verbindung stehen. Die Autorin mit dem so liebevoll wirkenden Schreibstil widmet sich ihnen:
- Was ist der Unterschied zwischen dem tatsächlichen und dem gefühlten Alter?
- Wie gehe ich um mit der Angst vor einem "Ende mit Schrecken"? Ist solch ein Ende wirklich unausweichlich?
- Was unterscheidet die Alten von früher von denen von heute?
- Was tun die müßigen Alten mit ihrer Zeit? Gibt es noch sinnvolle Beschäftigung und Arbeit für sie?
- Ist die Familie längst tot oder haben auch die Alten ihren Platz darin, an dem sie sich wohlfühlen können?
- Welche Chancen haben alte Paare, ihre späte Liebe zu genießen und selbstbewusst zu leben? - Sex im Alter gehört dazu
- Wie wichtig sind Freunde im Alter?
- Wie und wo lässt es sich gut wohnen, wenn man alt ist?
- Wie kann ich als alter Mensch meinen Beitrag für die Gesellschaft leisten?
- Was kann ich im Alter selbst tun für meine Gesundheit, meine Fitness und mein körperliches und seelisches Wohlbefinden?
- Gibt es sie wirklich, die "Weisheit des Alters"?
Zukunft im Alter oder: Älterwerden muss kein Schreckgespenst sein
Das letzte Kapitel des Buches befasst sich mit der Zukunft des Alters, die, so die Autorin, "gar nicht so schlecht aussieht". Dass Älterwerden kein Schreckgespenst sein muss, sollte jedem Leser nach der Lektüre des Buches plausibler geworden sein. Das Alter als Chance auf eine besonders gute Zeit zu begreifen, ist eine erfreuliche Alternative. Die Angst vor dem Altern, so Schenk, steht in einem verblüffenden Widerspruch zur Lebenswirklichkeit. Unn die gilt es, im Alter bewusst wahrzunehmen.
Ach übrigens, Schreiben ist eine wunderbare und sinnvolle Beschäftigung, wenn das Alter uns mehr Zeit als je zuvor schenkt. In ihrem Buch "Die Heilkraft des Schreibens" ebnet Herrad Schenk den Weg dorthin.
Herrad Schenk, Der Altersangst-Komplex - Auf dem Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein, becksche Reihe, Verlag C. H. Beck 2007, Paperback, 240 Seiten, 9,90 Euro.
