
- Die Burg von Güssing - Reinhard Hefele
Die Geschichte Pannoniens, wie das Burgenland auch heißt, ist voll von schlechten Erinnerungen an die immer wieder aus dem Osten kommenden Eroberer, die das Land verwüsteten. Das offen daliegende Land wurde von den Hunnen, den Magyaren, den Panduren und den Türken überrannt. Symbol dafür ist das gewaltige Türkenkreuz, das bei Mogersdorf zum Gedenken an die große Schlacht von 1664 errichtet wurde. Es heißt immer „vor Wien“, als Prinz Eugen die vereinigten Heere von Europa gegen die Türken führte, aber genau besehen fand der Sieg des Abendlandes in diesem burgenländischen Grenzort statt. Eine „Invasion“ dieser Art im Grenzgebiet des südlichen Burgenlandes wird heute übrigens nicht mehr aus dem Osten erwartet, sondern aus dem Westen in Gestalt von Touristen aus Deutschland, Holland und England.
Die Burg von Güssing, einst Sitz räuberischen Grenzadels
In der Nähe liegt Güssing, ein Städtchen, das großen Eindruck hinterlässt. Mitten in der Ebene erhebt sich plötzlich ein Hügel und obendrauf eine eindrucksvolle Burgruine. Von der aus hat man einen fantastischen Rundumblick ins Österreichische wie Ungarische, so dass man sich vorstellen kann, wie heiß umkämpft diese Grenzburg durch mehr als acht Jahrhunderte war. Eine Schlossführung empfiehlt sich. Dabei erfährt man, dass die Güssinger Schlossherren unbändige Gesellen und keine einfachen Untertanen waren. In den Chroniken ist die Rede von „räuberischem Grenzadel, wilden Mordbrennern und wüsten Raubgesellen.“
Kaiserin Maria Theresias Fenstersteuer
Wie die meisten Schlösser in Österreich wurde auch dieses zur verwahrlosten Ruine durch die seltsame Fenster- und Dachsteuer der Maria Theresia. Für ihre Kriege gegen Friedrich den Großen brauchte sie Geld und so führte sie besagte Steuer für die Adeligen ein, die sich nach Anzahl der Fenster und Quadratmetern der Schlossdächer richtete. Die Folge: Da Burgen und Schlösser um diese Zeit nicht mehr die Rolle wie früher spielten, ließ der Adel seine Besitzungen verfallen, ja, baute sogar die Fenster aus und deckte die Dächer ab. Erst heutzutage fängt man wieder an, diese Kleinode mit großem Aufwand zu restaurieren. Gut erhalten ist auf der Burg zu Güssing der sogenannte Witwenturm, der gefährlich über den Felsen aufragt, der Alterssitz für die Witwen der Schlossherren.
Zu den eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten dieser Art gehört auch Burg Forchenstein mit alljährlich stattfindenden Theaterfestspielen. Burg Schlaining wird als schönste mittelalterliche Burg des Burgenlands bezeichnet. Dann gibt es noch Burg Bernstein, die Wasserburgen Kobersdorf und Eberau, die Renaissanceschlösser Lackenbach, Stegersbach, Kohfidisch und Draßburg.
Die pannonische Küche
Grenzgebiete verfügen meist über eine köstliche Küche. Das ist auch der Fall im burgenländischen Dreiländereck, in dem Einflüsse der ungarischen Kücher besonders stark sind. Das zeigen schon die Namen. Da gibt es zum Beispiel den "Hottopaczy-Palatschinken", benannt nach einem ungarischen General, hinter dem sich ein Omelett mit würzigem Hackfleisch und mit Käse überbacken verbirgt. Die Palatschinken der Gegend, ob mit pikanter oder süßer Füllung, sind berühmt. Zur heimischen Spezialität des Apfelschnapses werden gern die Grammelpogatschen gereicht, ein deftiges Schmalzgebäck, das für eine gute Grundlage auch zur Weinverkostung des Burgenländer Weines in den berühmten Kellern der Weinbauern sorgt.
