1982 sorgte der Untergang eines südamerikanischen Kriegsschiffs für Schlagzeilen in der Weltpresse. In einem dreimonatigen Krieg standen sich damals die ehemalige Weltmacht Großbritannien und die zweitrangige Militärdiktatur Argentinien in einem vielen Zeitgenossen als vollkommen anachronistisch erscheinenden bewaffneten Konflikt gegenüber. Vor allem um innenpolitische Schwierigkeiten zu überdecken, hatte die argentinische Militärjunta die Ansprüche ihres Landes auf die vor der südamerikanischen Küste liegenden britischen Falkland-Inseln erneuert und diese Kronkolonie am 2. April 1982 gegen den Widerstand der kleinen britischen Garnison besetzt. Die ebenfalls innenpolitisch in der Defensive stehende Premierministerin des Vereinigten Königreiches Margret Thatcher ergriff die Chance, das Renommee ihrer Regierung zu stärken und erklärte Argentinien den Krieg.
Argentinien zieht mit veralteten Schiffen in den Krieg
Großbritanniens Zeiten als militärische Supermacht waren lange vorbei, aber im Verhältnis zu dem südamerikanischen Andenstaat Argentinien konnte London immer noch mit einer beeindruckenden Militärmaschinerie aufwarten. Neben relativ modernen Flugzeugträgern und Lenkwaffen-Überwasserschiffen verfügte die Royal Navy über einige atomgetriebene U-Boote. Dem setzte die argentinische Marine veraltete Überwassereinheiten wie den 1943 vom Stapel gelaufenen Flugzeugträger VEINTICINO DE MAYO und den Kreuzer GENERAL BELGRANO entgegen.
Schiffs-Veteranin mit glückhafter Pazifikkrieg-Vergangenheit
Waren auf dem Flugzeugträger immerhin Hightech-Flugzeuge stationiert, denen es gelang, einige britische Schiffe zu versenken oder zu beschädigen, so war die GENERAL BELGRANO für eine Beteiligung in einen modernen Seekrieg vollkommen unzureichend ausgerüstet.
Das 12.000-Tonnen - Schiff war 1938 als Schwerer Kreuzer USS PHOENIX in New York vom Stapel gelaufen. Die PHOENIX galt als glückhaftes Schiff, weil sie den japanischen Überfall am 7. Dezember 1941 auf Pearl Harbor unbeschädigt überstanden hatte. Im folgenden Pazifik-Krieg war sie an vielen Operationen beteiligt ohne größere Verluste oder Beschädigungen zu erleiden.1946 wurde der Kreuzer außer Dienst gestellt und eingemottet.
Aus der USS PHOENIX wird die ARA GENERAL BELGRANO
1951 verkauften die USA den Kreuzer an Argentinien. Zunächst auf den Namen 17 DE OCTUBRE umgetauft, erhielt das Schiff 1956 den Namen ARA GENERAL BELGRANO (das Kürzel ARA steht für "Armada República Argentina", der offiziellen Bezeichnung für die argentinische Marine).
Einsatz im Falkland-Krieg
Das Schiff war zwar mehrfach umgebaut worden und verfügte außer über eine konventionelle Artillerie-Bewaffnung von fünfzehn 15,2 cm-Kanonen immerhin über zwei Schiffs-Luft-Raketensysteme. Es war aber dennoch den Lenkwaffen-Fregatten der Briten weit unterlegen. Deshalb beschränkte sich die argentinische Marineführung beim Einsatz des äußerlich durchaus eindrucksvollen Schiffes auf Patrouillenfahrten außerhalb der von den Briten als Kriegsgebiet proklamierten um die Falklands gezogenen 200-Seemeilen-Zone. Die Briten hatte sich allerdings bei der Proklamierung dieser „Total Exclusion Zone“ vorbehalten, argentinische Kriegsschiffe unter Umständen auch außerhalb dieser Zone zu vernichten.
Versenkt durch das mit Weltkrieg II-Torpedos ausgerüsteten Atom-U-Boot HMS CONQUEROR
Das atomgetriebene U-Boot HMS CONQUEROR hatte den Kreuzer am 30. April entdeckt und seitdem beschattet. Am 2. Mai bekam der Kommandant des U-Boots den Befehl, die von zwei Zerstörern begleitete GENERAL BELGRANO zu versenken. Wegen der hohen Störanfälligkeit seiner Tigerfish-Torpedos wählte der Kommandant als Waffe drei Torpedos vom bereits im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Typ Mark VIII. Die GENERAL BELGRANO wurde kurz vor 16 Uhr von zwei dieser Torpedos getroffen. Um 16:24 Uhr wurde das sinkende Schiff, auf dem die Pumpen ausgefallen waren, etwa 230 Seemeilen südlich der Falklands von der Besatzung aufgegeben. Es brannte einige Stunden und sank schließlich in der Nacht. Bei der Torpedierung kamen etwa 330 der 1150 Besatzungsangehörigen ums Leben.
Debatte um Rechtmäßigkeit der Versenkung
Die bisher einzige Versenkung eines Militärschiffs im Kriegseinsatz durch ein Atom-U-Boot führte zu einer heftigen Debatte um die juristische und vor allem um die moralische Rechtmäßigkeit dieser Aktion.
