Im Frühjahr geht's zur Ahornsirup Ernte bei Ottawa in Ontario

So wurde Ahornsirup traditionell gezapft - Monika Fuchs, Ontario Reisen
So wurde Ahornsirup traditionell gezapft - Monika Fuchs, Ontario Reisen
Schon die Indianer zogen im Frühjahr zur Ahornsirup Ernte hinaus in die Wälder Ontarios. Heute kann man den Bauern in der Umgebung von Ottawa dabei zusehen.

Die kanadische Hauptstadt Ottawa ist umgeben von tiefen Wäldern, die jedes Jahr aufs Neue zum Leben erwachen, wenn der Saft in den Bäumen zu steigen beginnt. Dann nämlich ziehen die Farmer ins Umland hinaus, um die süße Flüssigkeit einzusammeln und zu Ahornsirup zu verarbeiten. Gelernt haben die frühen Siedler dies bereits während der ersten Kontakte mit den Indianern, für die der Ahornsirup neben dem Honig die einzige Möglichkeit darstellte, ihre Speisen zu süßen.

Im Frühjahr beginnt der Saft der Ahornbäume zu fließen

Sobald die Fröste nachlassen, steigt der Saft in den Stämmen des Zuckerahorns nach oben. Zwischen Rinde und Holz befindet sich eine dünne Schicht, in der sich die süße Flüssigkeit verteilt. Wie leicht gezuckertes Wasser schmeckt der rohe Baumsaft, der in der Zeit zwischen Februar und April geerntet wird. Er ist es, den die Ahornsirupproduzenten benötigen, um eine der typischen kanadischen Spezialitäten herzustellen: den Ahornsirup.

Vom mühsamen Einsammeln des Ahornsafts zum modernen Schlauchnetz

Früher war das Einsammeln des Ahornsirups äußerst mühsam. Die Bauern fuhren mit Pferd und Schlitten hinaus und leerten Tag für Tag die Eimer, in denen der Saft Tropfen für Tropfen gesammelt wurde. Dazu schleppten sie die vollen Eimer mit einer Art Joch, das sie über der Schulter trugen, bis zum Sammelbecken auf ihrem Schlitten - eine Arbeit, die die Herstellung des Ahornsirups zu einer echten Herausforderung machte.

Heute läuft dieser Prozess sehr viel bequemer ab. Die Farmer ziehen bereits im Februar hinaus in die Wälder, wenn diese noch tief verschneit sind, um die Zapfhähne zu setzen. Dazu wird ein Loch in den Stamm gebohrt - je nach Dicke des Stamms können dies auch mehrere sein - in den ein Metallventil gesteckt wird. Dieses ist verbunden mit einem Gummischlauch, der sich mit anderen vereint und so ein dichtes Netz aus Schläuchen bildet, die den süßen Saft bis zur Zuckerhütte transportieren.

Einkochen des Ahornsafts zu Ahornsirup

In der Zuckerhütte, dem Sugar Shack, wird der Saft zunächst gefiltert und gereinigt, bevor er in Metalltöpfen eingekocht wird. Shirley Fulton-Deugo, deren Familie seit mehreren Generationen Ahornsirup in den eigenen Wäldern nahe Ottawa produziert, sagt: "Entgegen der landläufigen Meinung kann man die Konsistenz des Ahornsirups durch die Dauer des Einkochens nicht beeinflussen. Wenn der Ahornsaft in der Zuckerhütte ankommt, wissen wir nicht, ob wir hellen oder dunklen Ahornsirup erhalten. Dies entscheidet allein die Natur."

Shirleys Sohn Scott übernimmt heute die Aufgabe des Einkochens. Er sagt, "Wir wissen nicht, an welchen Tagen wir Saft einkochen können. Dies hängt von den Temperaturen des jeweiligen Tages ab, und die schwanken im Frühjahr sehr. Wir müssen immer bereit dafür sein, und wenn der Saft läuft, kochen wir ihn ein."

Nebenprodukte aus Ahornsirup

"Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben wir weitere Nebenprodukte aus Ahornsaft entwickelt. Im Sommer kochen wir verschiedene Beerensorten zu Marmeladen ein. Süßigkeiten aus Ahornsirup kannten schon die Indianer. Diese dürfen heute natürlich nicht fehlen. Neu im Angebot ist eine Serie von Wellness Produkten, die wir selbst entwickelt haben und aus dem Abfall der Ahornsirupproduktion erzeugen. Diese werden heute schon in verschiedenen Spas des Landes verwendet und finden immer mehr Anhänger," sagt Shirley Fulton-Deugo.

Fulton's Zuckerhütte ist ein beliebter Treffpunkt für Familien und Hausfrauen

Eine gute Stunde fährt man von der Innenstadt von Ottawa zur Zuckerhütte der Familie Fulton bei Pakenham in Ontario. Sie ist gerade nahe genug an der Hauptstadt, dass man von dort gern einen Tagesausflug mit der Familie oder eine Shoppingtour mit Gleichgesinnten unternimmt, um sich mit frischem Ahornsirup für das nächste Jahr einzudecken.

Familien mit Kindern fühlen sich bei Fulton's besonders wohl, denn hier gibt es neben den köstlichen Süßigkeiten, die die Fultons aus dem Baumsaft herstellen, noch viel mehr zu entdecken: die Hündin der Farm, die gerade Junge bekommen hat, ist für die Kleinen genauso interessant wie ein rekonstruiertes Zuckercamp der Indianer, bei dem Shirley Fulton-Deugo den interessierten Eltern erklärt, wie diese einst den süßen Saft gewannen.

Und zum großen Vergnügen von Alt und Jung kann man im dazugehörigen Restaurant Ahornsirup in allen Variationen und Formen probieren: Pfannkuchen mit Ahornsirup gibt es dort genauso wie verschiedene Kuchen- und Pastetensorten, in denen Ahornsirup verarbeitet wird.

Wer selbst einmal hautnah erleben will, wie Ahornsirup erzeugt wird, kann dies in der Zeit zwischen Februar und April bei Fulton's tun. Fulton's befindet sich in 291 Concession Road 6, in RR#1 Pakenham, Ontario, Kanada K0A 2K0, Tel. (613) 256-3867, Email: info@fultons.ca.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort, mit freundlicher Unterstützung von Ottawa Tourism

Monika Fuchs, Monika Fuchs

Monika Fuchs - Seit 1989 ist Monika Fuchs ganzjährig auf Reisen in den USA, Kanada, Zentralamerika, Australien, Südafrika, Namibia, Zimbabwe, ...

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