
- Mönche bei der Geh-Meditation - Big Mind Zen Center
Viele Menschen beschreiben einen einfachen Spaziergang im Wald als befreiend. Schnell kann sich ein Gefühl der Ruhe einstellen und man kann sich von den Sorgen des Alltags befreien. Ganz ähnlich ist es mit der Geh-Meditation, die bereits von Siddhartha Gautama, dem historischen Buddha, selbst vor und nach seiner Erleuchtung praktiziert worden ist. Ein Unterschied zu einem herkömmlichen Spaziergang besteht trotz allem, denn durch eine Geh-Meditation erhält man sehr viel mehr als bloße, kurzzeitige Entspannung. Genau wie bei der Sitzmeditation ist die gehende Variante Teil der buddhistischen Praxis.
Geh-Meditation im Buddhismus
Zahlreiche Quellen belegen nicht nur die Effektivität der Geh-Meditation, sondern beschreiben sie ebenso als essenzielle Praxis im Buddhismus. Im Pali-Kanon finden sich ebenfalls zahlreiche Verweise darauf, dass nicht nur Siddhartha Gautama selbst, sondern auch Mönche und Nonnen bereits die Geh-Meditation praktizierten. In der Dasanipata, der zehnstrophigen Gruppe in der Theragatha, den sogenannten Versen oder Liedern der Mönche, findet sich unter anderem folgender Texte: „Im Suta-Hain, der reich an Blumenpracht, in kühler Berggrotte werde ich weilen; nachdem ich die Glieder besprengt habe, werde ich einsam auf und ab gehen“. Abgesehen von der historischen Relevanz der Geh-Meditation, ist diese Art der Achtsamkeitsübung auch heute noch in sehr vielen buddhistischen Schulen und Strömungen anzutreffen. Im Zen-Buddhismus wird beispielsweise von Kinhin geredet, der Geh-Meditation, die neben der regulären Praxis (Zazen) einen festen Platz hat.
Zen Geh-Meditation: Kinhin in der Praxis
Je nachdem welche Zen-Schule praktiziert wird, wird die Geh-Meditation im (Soto-shu) oder gegen (Rinzai-shu) den Uhrzeigersinn ausgeübt. In der Soto-shu wird die linke Faust wird von der rechten Hand umschlossen und ruht vor dem Oberkörper. Unterarme und Ellenbogen befinden sich parallel zum Boden. In der RinzaI-shu bedeckt die Innenfläche der rechten Hand den Handrücken der linken Hand. Die Daumen sind verschränkt. Der eigentliche Ablauf der Geh-Meditation ist ansonsten in allen Strömungen des Zen-Buddhismus gleich. In aller Regel befinden sich die Praktizierenden in einem langsamen Tempo, oft auch im Gänsemarsch einer hinter dem anderen, und bei einem Schritt wird eingeatmet, bei den nächsten ausgeatmet.
Während des Laufens meditieren
Während es im Zen-Buddhismus eine recht klare Vorstellung davon gibt, wie eine Geh-Meditation auszusehen hat, sind andere Schulen offener und liberaler. Am Ende entscheidet der eigene Körper wie die richtige Haltung während des Gehens auszusehen hat. Bei manchen werden die Arme locker an der Seite herunterhängen, andere wiederum werden die Hände gefaltet vor dem Bauch halten. Nach einigen Versuchen stellt sich in aller Regel die Haltung ein, die am angenehmsten für den eigenen Rhythmus ist. Davon abgesehen kann die Geh-Meditation überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit ausgeführt werden. Auch hier kommt es auf die individuelle Lebenssituation an. Bei manchen bringt die Geh-Meditation in der Nacht, kurz vor dem Einschlafen, sehr viel. Andere wiederum werden nur in den Morgenstunden wirklich glücklich damit werden. Gehen kann man so gut wie überall: um die eigene Couch herum oder auf einem Pfad im Wald. Während die exakte Haltung variieren kann, wie oben beschrieben, ist der Atemrhythmus in mehr oder weniger allen Schulen des Buddhismus gleich. Bei einem Schritt wird eingeatmet, bei dem nächsten ausgeatmet. Die Geschwindigkeit des natürlichen Atmens sollte dabei die Laufgeschwindigkeit bestimmen, nicht umgekehrt.
Quellen:
- Thich Nhat Hanh: "Geh-Meditation"
- eiab: Gehmeditation
- Pali-Kanon: Theragatha – Dasanipata
- Kinhin: Walking Meditation
