
- Nikola Huppertz - privat
Nikola Huppertz wurde 1976 in Mönchengladbach am Niederrhein geboren. Nach dem Abitur studierte sie Geige und Psychologie in Duisburg und Berlin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Hannover. Nikola Huppertz gewann 2007 den ersten Preis beim Literaturwettbewerb "Meine Nachbarn", der im Rahmen der 6. Bonner Buchmesse Migration für die Kategorie Kinder- und Jugendliteratur verliehen wurde. Mit „Karla, Sengül und das Fenster zur Welt“, welches 2009 beim Gabriel Verlag herausgegeben wurde, gelang ihr der Durchbruch.
Suite101: Wie ist Ihr erstes Buch „Karla, Sengül und das Fenster zur Welt“ entstanden? Was war die zündende Idee?
Die Idee war ganz simpel: Ich wollte über das schreiben, was ich täglich sehe und beobachte. Ich lebe mit meiner Familie in einem multikulturell geprägten Stadtteil, in dem Kinder verschiedener Nationen ganz selbstverständlich miteinander umgehen. Dennoch kommen die kulturellen und auch religiösen Unterschiede immer wieder zutage: beim Grillfest in der Schule, bei der Gestaltung von Feiertagen und nicht zuletzt im Austausch über die familiäre Situation.
Warum ist Ihnen der Dialog der Kulturen und Religionen wichtig?
Ich glaube, Misstrauen entsteht dort, wo man sich gar nicht die Mühe macht, einander kennen- und verstehen zu lernen. Wo Menschen offen miteinander umgehen und etwas gemeinsam unternehmen, werden sich neben den kulturellen Unterschieden auch immer Anknüpfungspunkte finden lassen. Denn dann geht es in erster Linie um das Miteinander von Individuen.
„Karla, Sengül und das Fenster zur Welt“ ist ein ernstes und sehr realistisches Buch. Überfordern Sie damit ihre jungen Leser nicht?
Ich glaube nicht, dass man Kinder überfordert, wenn Geschichten die Dinge behandeln, mit denen sie ohnehin dauernd konfrontiert sind. Kindheit findet ja nur teilweise in einem unbeschwerten Schonraum statt, die Grenzen zur "Erwachsenenwelt" werden zunehmend durchlässiger – mit allen Vor- und Nachteilen. Themen wie Trennung der Eltern beschäftigen nahezu jedes Kind, ob es nun selbst davon betroffen ist wie Karla oder die beste Freundin oder der kleine Junge aus der Nachbarschaft. Mir war es wichtig, mit meiner Geschichte zu zeigen, dass man aus einer Krise wieder herausfinden kann, indem man sich den Dingen stellt und offen zueinander ist, und dass es neben all dem Traurigen auch immer ganz viel Schönes und Verspieltes gibt.
Sehen Sie sich selbst in der skandinavischen Tradition?
Nein, wie könnte ich das? Ich bin natürlich mit Astrid Lindgren aufgewachsen und habe ihre Bücher als Kind ganz besonders geliebt. Skandinavische Geschichten haben oft einen subtilen Humor und eine ganz besondere Leichtigkeit, die mich sehr anspricht. Aber verwurzelt bin ich in der deutschen Sprache und der deutschen Kultur. Ich glaube nicht, dass man deswegen schwer und dröge schreiben muss. Als gebürtige Niederrheinerin neige ich wahrscheinlich eher ein wenig zum Schwadronieren.
Wie kommen Sie zu Ihren Themen?
Impuls können Dinge oder Begebenheiten sein, die ich beobachte, und es fließt natürlich auch immer etwas von mir selbst in die Geschichte ein. Aber das meiste ergibt sich ganz einfach aus den Figuren, die ich erfinde und in meiner Phantasie handeln lasse.
Ihre Sprache ist leicht, aber trotz der Leichtigkeit beschäftigen Sie sich mit schweren Themen. Dürfen wir bald wieder ein Buch von Ihnen erwarten?
Ja, da hab ich einiges in der Mache.
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