
- Phil Lewis - Phil Lewis
Philip Lewis ist ein Los-Angeles-Urgestein. Seit den frühen Achtzigern steht er auf den Bühnen des Sunset Strip, seit 1988 tourt er als Sänger und Gitarrist der L.A. Guns durch die Welt. Über 20 Platten, darunter drei Soloalben, hat er veröffentlicht, außerdem sang er für Girl, Filthy Lucre, Access Denied und Torme. 2008 feiern die L.A. Guns ihr zwanzigjähriges Bestehen – und kürzlich erschien Lewis’ dritte Soloscheibe „Gipsy“, die so etwas ist wie ein persönliches Best Of: Auf ihr versammelt er seine Lieblingssongs aller seiner Bands und gibt einen Überblick über sein Schaffen von 1980 bis heute.
Phil, seit Anfang 2008 bist Du mit Guns auf der 20th Anniversary Tour. Bisher habt Ihr hauptsächlich in und um Hollywood gespielt, in Eurem ureigensten Revier. Wie läuft die Tour, wie fühlst Du Dich?
Lewis: Sehr gut, danke. Um ehrlich zu sein, diese Tour unterscheidet sich von anderen Touren nicht allzu sehr. Aber es gibt schon Dinge, die wir anders machen. Wir haben diesmal keinen Tourbus, wir sind nicht sechs bis acht Wochen pausenlos unterwegs. Wir steigen beispielsweise in den Flieger nach Detroit, und nach der Show geht es zurück nach Los Angeles. Am nächsten Tag fliegen wir zum nächsten Gig und zurück. Vielleicht wird das unsere neue Art, auf Tour zu gehen.
„As you get older you get slower“, schrieb Lemmy Kilmister in den Liner Notes zu „We Are Motörhead“. Du hingegen wirkst auf der Bühne so voller Energie, als wärst Du in den vergangenen 20 Jahren kaum gealtert. Ist „getting slower“ keine Option für Dich?
Lewis: Die Musik, die Fans, die Atmosphäre, all das gibt mir viel Energie, das hält mich jung.
Dein neues Soloalbum „Gipsy“, auf dem Du Songs aller Bands, in denen Du je gespielt hast, zusammenbringst, scheint eine sehr persönliche Platte zu sein…
Lewis: Ursprünglich hatte ich die CD nur für Freunde zusammengestellt, damit sie sie in ihren Autos, auf ihren iPods, und so weiter, hören können. Immer mehr Leute fragten mich danach, und es wurde ziemlich stressig, all diese CDs zu brennen, also bat ich einen Freund, das Artwork zu machen und dachte, ich könnte ja was draus machen, das man kaufen kann, also auch für die Fans. Die Songs habe ich chronologisch zusammengestellt. Ich habe mit „Girl" 1980 angefangen, und weitergemacht bis heute, bis zu „Tales From The Strip“. Es sind nicht unbedingt meine persönlichsten Songs, wenn auch einige meiner Favoriten dabei sind. Es sind Songs, die, wie ich finde, gut miteinander funktionieren.
Du hast „Gipsy“ im Selbstverlag veröffentlicht, anstatt über eine Plattenfirma. Ist das in Zeiten, in denen sich die CD-Verkäufe und die Musikindustrie im freien Fall befinden der bessere Weg?
Lewis: Für mich ist es auf jeden Fall der bessere Weg, eine CD zu machen, die man online kaufen kann, auf meiner Myspace-Seite, und die ich bei Konzerten verkaufe. Es macht Spaß, ich tue das gerne, eine Plattenfirma vermisse ich dabei nicht. Ich habe mittlerweile genug neues Material für ein weiteres Soloalbum zusammen, zwei der neuen Songs kann man sich bei Myspace anhören. Wahrscheinlich werde ich diese CD in diesem Jahr noch auf demselben Weg veröffentlichen. Wir werden sehen, was passiert…
Mit „Tales From The Strip“ (2005) haben Guns einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Album ist auf einem Level mit Eurem Megaseller „Cocked & Loaded“ (1989), wenn nicht sogar darüber. Arbeitet Ihr an neuem Material, können die Fans zum 20. Geburtstag der Band auf einen neuen Longplayer hoffen?
Lewis: Das Problem ist, dass es momentan schwer ist, CDs zu verkaufen. Sebastian Bach hat erst kürzlich ein neues Album [„Angel Down“ – Amn. GW] rausgebracht, und auch er hat Probleme mit dem Absatz. Auf jeden Fall haben wir neues Material, an dem wir arbeiten. Und „Tales“, das war für uns als Band auch eine Art Wendepunkt, wir haben großes Vertrauen in die Songs und den Menschen geht es genauso. Sie realisieren, dass wir eine gute Band aus den 80ern sind, die auch heute noch relevant ist, und das auch ohne Turntables und all das Zeug. Wir machen immer noch die gleiche Art von Musik.
Ihr habt seit dem Ausstieg von Adam Hamilton einen neuen Bassisten: Scotty Griffin…
Lewis: Scotty ist Kalifornier und eigentlich Gitarrist. Er spielt bei Hookers N’ Blow, der Band von Dizzy Reed, dem Keyboarder von Guns N’ Roses. Hookers sind zur Zeit mit Jizzy Pearl auf Tour, aber Scotty kriegt es hin, sowohl mit Hookers als auch mit uns aufzutreten. In Zukunft wird er vermutlich aber exklusiv bei Guns spielen. Er hat großartige Ideen im Studio. Das nächste Album wird wirklich von jedem Bandmitglied etwas haben. Seit wir mit Andy Johns [Produzent] arbeiten, wird uns klar, dass wir besser sind als wir dachten.
Zuletzt wart Ihr Ende 2005 in Deutschland unterwegs. Können die deutschen Fans demnächst wieder mit Euch rechnen?
Lewis: Definitiv dieses Jahr! Wir sprechen derzeit mit unseren Freunden in Europa, um die Tourdaten auszumachen. Europa ist immer ein wenig schwierig. Unsere stärksten Märkte dort sind England, Italien und Spanien, Deutschland ist schwierig, warum auch immer. Aber wir spielen sehr gerne in Deutschland, und ich freue mich darauf, wieder dort zu sein. Wir bekommen viel Liebe und Unterstützung von den deutschen Fans. Ich erinnere mich an all diese wirklich verrückten deutschen Fernsehshows, in denen wir in den Achtzigern aufgetreten sind, das war eine tolle Zeit. Ich hoffe wirklich, dass wir bald wieder da sind. Bis dahin können alle mal einen Blick auf unsere Website werfen, wo wir auch viele Bilder von der Show im Whiskey [A GoGo in Hollywood] zeigen.
Ich freue mich. Alles läuft fantastisch, wir haben eine tolle Zeit!
