
- Lesung Majella Lenzen - M. Conlan
Die Anfänge der Aidsinfektionen in Afrika hat Majella Lenzen, die 33 Jahre als Schwester Maria Lauda in der afrikanischen Missionsarbeit tätig war, hautnah miterlebt.
Probleme im Missionsorden
Sie war stets eine kritische Christin und engagierte Krankenschwester. Sie setzte sich für Reformen ein, womit sie aneckte und auf Widerstände traf. Schwester Maria Lauda bemühte sich, das Gesundheitssystem aufzubauen und war stets um Integration bemüht. Sie teilte das Leben und die Probleme der einfachen Leute. Im Orden traf sie mit ihrer Idee von Eigenverantwortung und kritischem Hinterfragen auf großen Widerstand und auch immer wieder auf Missgunst und Intrigen.
Pause und Neubeginn
Entkräftet und enttäuscht zog sie sich 1987 ein Jahr lang zurück (Exklaustration), finanziell dabei total von ihrer Mutter abhängig, weil sie in der Zeit keinerlei materielle Unterstützung vom Kloster bekam. „Im nächsten Buch schreibe ich mehr darüber“, erwähnte Lenzen bei einer Lesung und sprach dann von ihrer „Wiederaufnahme“ als aktive Nonne, nach Holland strafversetzt, wo sie als „Mädchen für alles“ mit einfachen Botengängen vertraut wurde und selbst hierbei immer wieder Schikanen erfuhr.
Kampf gegen Aids
Misereor verhalf ihr zu Beginn der 1990er Jahre zu einer erneuten Tätigkeit in Afrika: Hier war sie mit einem Aidsprojekt betraut, der Bekämpfung einer Krankheit, die von vielen stigmatisiert und heute noch tabuisiert wird, weil es mit Sexualität verbunden ist und wie die Pest im Mittelalter angesehen wird. Sie sorgte für Aufklärung in Schulen und Pfarreien, Behandlung und Desinfektion, Betreuung von Betroffenen und ihren Familien. Vier Jahre lang konnte sie dort wirken, dann wurde sie abgesetzt. Es wurde ihr vorgeworfen, Kondome verteilt zu haben. Der Bischof entließ sie, die Oberin hat keine Verwendung mehr und sie musste 1995 den Orden verlassen.
Aus Liebe zu den Menschen
„Es ist auch heute möglich, etwas zu bewegen“, davon ist Majella Lenzen überzeugt und engagiert sich weiter für die Gesundheitsfürsorge in Afrika und ein Aidsprojekt, für das sie sogar ihr Honorar für eine Lesung in Münster spendete: einem Selbsthilfeprogramm für Frauen und verwaiste Kinder in einem Zentrum mit eigenem Garten und Laden. Ehrenamtlich arbeiten die Leute dort, auf Spenden angewiesen. Bei der Arbeit als Schwester Lauda und auch als heutige Christin hat sie die Biographie von Kardinal von Galen gestärkt, besonders sein Grundsatz, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. „Die Afrikaner gehen leichter mit dem Leben um, schon ihr Gang ist anders und sie haben fast immer ein Lachen im Gesicht. Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner Zeit – oder wie heißt es noch?“ fragte sie bei der Lesung das Publikum. Ja, Sehnsucht nach Afrika hat sie. „Wenn alle schweigen, wird sich nie etwas ändern“, weiß Majella Lenzen und betont immer wieder die Bedeutung des Dialogs.
Eigenverantwortung als Christen
Ihr Beichtvater sagte mal zu ihr „Du bist verrückt, du bist zu utopisch, das klappt nicht“. Es muss möglich sein, etwas Neues zu beginnen im Geiste des vatikanischen Konzils dachte Lenzen und bemühte sich, das Gesundheitssystem aufzubauen, stets um Integration bemüht und das Leben und die Probleme der einfachen Leute zu teilen. Papst Johannes XXIII hatte Fenster geöffnet und frischen Wind eingelassen, den Einzelnen stärker zur Eigenverantwortung gerufen. Majella Lenzen versucht viele Schwestern bei ihrer Berufung zu bestärken. Sie trat schon mit 15 Jahren ein. "Wir werden erwachsen und sollten uns nicht mehr wie Unmündige behandeln lassen, das passt nicht zum vollwertigen Christen," ist ihre Überzeugung. Sie hat sich auch in ihrer Kirchengemeinde engagiert: Aufklärung über Aids und Hospizarbeit. Doch bei den vielen Lesungen ist es kräfte- und zeitmäßig nicht mehr zu bewältigen.
Den Aidskranken zur Seite stehen
Das große Leitwort für Lenzen ist die Aussage von Dag Hammerskjöld „Du musst es wagen, du selbst zu sein“ – als Christ, als Mensch. Einmal erlebte sie einen Bischof bei der Aidstagung in Berlin, der die Kondomproblematik mit Tränen in den Augen kommentierte „Sister, I know, it’s a drama“, was sie beeindruckte und ermutigte. Sie war bei Prostituierten und dort wurden Kondome von Ärzten verteilt „Ich habe dazu gestanden“. Geistliche wagten sich nicht dorthin, doch für sie war es wichtig, mit den Sterbenden zu beten. Im Tagebuch bemerkte sie: „Warum bin ich nicht mutiger?“
Projekt in Tansania
Ihr Buch "Das möge Gott verhüten - warum ich keine Nonne mehr sein kann" endet mit dem Spendenkonto für die Aidsarbeit in Tansania: Arbeitskreis 3. Welt Neuenrade eV, Kto Nr. 93501328, Blz 45851020 bei den Vereinigten Sparkassen im Märkischen Kreis. Und sobald es geht, möchte Lenzen auch wieder selbst nach Tansania reisen, um dort direkt mit den Spendengeldern und ihrer jahrelange Erfahrung als Krankenschwester die Arbeit weiter vor Ort zu unterstützen.
