Rungholt – Im Meer vergangen

Ein Bildband zum 375-Jahr-Gedächtnis der 2. Mandränke

Im Meer vergangen: Rungholt und die Insel Strand - Boyens Medien
Im Meer vergangen: Rungholt und die Insel Strand - Boyens Medien
Was blieb im Watt vom mittelalterlichen Hafenplatz Rungholt? Die Spuren sind erstmals satellitengestützt eingemessen worden.

Vor 375 Jahren – am 11. Oktober 1634 - zerstörte die „Buchardiflut“ die Insel Alt-Strand. Über die Opfer und Zerstörungen der 2. „Groten Mandränke“ sind wir recht gut unterrichtet. Traf die Katastrophe doch einen neuzeitlichen Staat. Auch über die vergeblichen Versuche in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, die Deichlücken wieder zu schließen und die Insel wieder bewohnbar zu machen. Alle Bemühungen des Herzogs in Schleswig bis hin zu dem Versuch, durch meeresbaukundige Niederländer einen Neuanfang zu erzwingen, blieben erfolglos. Der – nicht zuletzt wegen seiner NS-Verstrickungen halber – längst vergessene Schriftsteller Waldemar Augustiny hat dem vergeblichen Bemühungen der Wiedereindeichung in seinem Roman „Die große Flut“ vor sechzig Jahren ein literarisches Denkmal gesetzt. Am Ende blieben nur die Inseln Nordstrand und Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor. Wobei eben die Deiche schon vor dieser Flut nicht ausreichend wehrhaft waren.

Sagenhaftes Rungholt

Aber schon rund 160 Jahre früher waren wesentliche Teile der Insel in der ersten „Groten Mandränke“ untergegangen. Ein Untergang, der sich dem kollektiven Gedächtnis weit mehr eingeprägt hat. Denn 1362 war davon der Hafenplatz Rungholt betroffen worden, aus dem die sagenhafte Überlieferung eine reiche große Stadt machte – vergleichbar dem nicht minder sagenhaften Vineta vor der pommerschen Küste. Literarisch berühmt geworden ist die untergegangene Siedlung durch Detlev von Liliencrons Gedicht „Heute bin ich über Rungholt gefahren“. Dabei wusste der Dichter offenbar über das historische Rungholt wenig –setzt er doch die erste Grote Mandränke „vor sechshundert Jahren“ an.

Andreas Busch machte den Anfang

Die Küstenbewohner wussten schon immer, dass im Watt vielerlei an die untergegangene Welt erinnerte. Der Bauer Andreas Busch von der Insel Nordstrand war vor rund 75 Jahren der Erste, der genaue Untersuchungen anstellte. Er fand damals Spuren im Watt, die auf die Siedlung und vor allem die Hafenschleuse hindeuteten. Vieles hat er geborgen, und diese Funde sind heute im Museum „Ludwig-Nissen-Haus“ in Husum zu sehen.

Systematisch eingemessen mit moderner GPS-Technik und fotografisch festgehalten sind die im Watt sichtbaren Spuren erst in unserer Zeit. Darum haben sich der Wirt des Restaurants „Engelland“ auf Nordstrand André Wilckerling (42), die Hobby-Archäologin Cornelia Mertens (47) und der Nationalparkwart Robert Bauer (69) verdient gemacht.

In einem Buch zum 375-Jahr-Gedächtnis der Burchardiflut stellen sie die fotografischen Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor und machen mit dem Leser einen Ausflug in das Watt vor Nordstrand.

Robert Braun / Andre Wilckerling / Cornelia Mertens: Im Meer vergangen: Rungholt und die Insel Strand. Boyens 2009. Broschur, 96 Seiten. Euro 9,90.

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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