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Im Musik-Club "Village" spielen die besten Gitarristen der Welt

Für seine Telecasters ist Wirt Übler bekannt - Andrea Weber
Für seine Telecasters ist Wirt Übler bekannt - Andrea Weber
Dieter Übler ist Kneipenwirt und ein international bekannter Gitarrenbauer. Wegen ihm kommen die großen Rockgitarristen nach Oberbayern.

Dieter Übler darf man nicht als Wirt vom Village bezeichnen. In der Musikszene ist er als D.D. Blues bekannt, ein Gitarrenbauer der besonderen Art, ein Liebhaber des guten alten Rock- und Blues-Sounds und derjenige, der vor 22 Jahren das Village gründete. Seither geben sich im Village im Kulturtal Obermühle Blues- und Rockgrößen, wie die Animals, Ten Years After und Wishbone Ash, die Klinke in die Hand.

Dieter Übler: Mit 17 Jahren die erste Telecaster-Gitarre gebaut

In der Mitte seines Lebens zweifelte Dieter Übler am Sinn seines Tuns. Das war 1988. Der damals 47-jährige Unternehmer fragte sich: Sollte Erfolg und Geld etwa alles sein und wo war die Zufriedenheit geblieben? Übler war selbstständiger Hygiene-Berater im Medizinsektor und sehr erfolgreich dabei. „Vor der Tür stand der Porsche und ich ging nebenbei am Stress kaputt“, erzählt er, wo doch seine große Liebe eigentlich immer schon dem Gitarrenspiel galt.

Im Alter von 17 Jahren baute er die erste E-Gitarre. Bis heute sind viele zusammen gekommen – wie viele, das verrät er nicht. Seine „Telecasters“ sind legendär, obwohl der gelernte Industriekaufmann im Bau von Instrumenten ein reiner Autodidakt geblieben ist. Es ist eben die Leidenschaft, die aus den handgemachten Einzelstücken aus wertvollen Hölzern so etwas Besonderes werden lässt. „Jede Gitarre wird auf die Fingerdicke meiner Kunden angepasst“, sagt er. Auf seinen Gitarren spielten die Animals ihre Welthits, Peter Maffay kaufte sich eine und der einheimische Bluesmusiker Williams Wetsox ist ein Kunde und langjähriger Freund von Dieter Übler. Auch der Südtiroler Gitarrist Walter Rieder ist ein Stammgast im Village und ein guter Freund. Ihm gehört die Gitarre Bauart Nummer vier.

Tausend Jam Sessions und nie ist eine ausgefallen

Der Sterzinger macht es sich an der urigen Bar bequem, wartet gespannt darauf, wer sich heute Abend noch blicken lässt. Er komme oft an den Donnerstagen hier herüber nach Bayern, sagt der Südtiroler. „Es ist wia dahoam“. Donnerstag, das ist der heilige Tag im Village, denn da gibt‘s seit 22 Jahren Jam Sessions, wo Musiker zusammenkommen und miteinander spielen. Und noch nie sei so eine Session ausgefallen, dafür sorgt schon Dieter Übler und ist sichtlich stolz darauf. „Vergangenes Jahr hatten wir sogar die Tausendste“, sagt er. Das Village ist keine Kneipe, sondern eine Musik-Bühne, die nur öffnet, wenn es Sessions gibt oder ein Konzert stattfindet. Oben im ersten Stock gibt es Gästezimmer für die Musiker, die von auswärts kommen.

Der Verein Village sorgt dafür, dass es den Musik-Club bis heute in Oberbayern gibt

Um den Betrieb und Erhalt der Musikbühne kümmert sich seit zwölf Jahren mit viel Idealismus und Enthusiasmus der Verein Village e.V. Die 70 Mitglieder sind die Basis dafür, dass es die legendäre Blues- und Rockbühne immer noch im Oberland gibt. Fabian Gierscher ist der 2. Vorsitzende und natürlich auch ein Gitarrist und Sänger. Neben Sponsoren, wie etwa die Gemeinde Habach und das Pharmaunternehmen Roche in Penzberg, geht es nicht ohne die Vereinsmitglieder. „Wenn renoviert werden muss, packen alle mit an.“ Die Vereinsmitglieder sind immer da, stehen am Bartresen, bedienen, sind eine Gemeinschaft und haben eine Leidenschaft – die Musik. „Wir kämpfen jeden Tag, dass es weiter geht“, und Dieter Übler ergänzt: „Wenn es hier ums Geld gehen würde, dann gäbe es das Village schon lange nicht mehr.“

Hochmodernes Tonstudio im Musik-Club Village

Im Village dreht sich alles um die Musik. Als Dieter Übler 1997 und sein Freund und Liedermacher Franz Dietz das Musikprojekt „Tele Cats“ aus Country-, Blues-, Rock- und Jazz-Nummern auf einen Tonträger bringen wollten, mussten sie sich damals mit hohem Logistikaufwand das Aufnahme-Equipment von Peter Maffay ausleihen. Seit sechs Jahren ist das nicht mehr nötig, denn Fabian Gierscher und sein Partner Michael Eichele, beides junge Musiker und Audio Engineers, bauten ein halbes Jahr lang die alte Dachkammer in ein akustisch abgeschirmtes Tonstudio um.

Das Village ist als Musikbühne mit eigenem Profi-Tonstudio einzigartig und konkurrenzlos im Oberland. Schon viele ließen hier ihr Konzert mitschneiden, nahmen einzelne Songs oder ganze Alben auf, wie die englische Band Softmachine oder Doldingers Passportmusiker Wolfgang Schmid. Auch Nick Woodland, der Gitarrist und ein Bandmitglied von Georg Ringsgwandl, war schon da und ließ seinen Sound archivieren. Für Fabian Gierscher ist die live gespielte Musik ohnehin das Beste, was ein Musiker hervorbringen kann. Wenn er es schafft, durch sein Instrument mit dem Publikum zu reden und die verstehen, was er zu sagen hat, dann sei das wohl das Höchste, was passieren kann. „So etwas geht allerdings nur im ‚Hier und Jetzt‘“, sagt er. Musik ist eben nur live authentisch. Und im Village im Kulturtal Obermühle werden noch viele Musiker kommen und ihre Geschichten erzählen.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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