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Im Myakka River State Park, wo ein Fluss durch die Prärie fließt

Eingang zum Myakka River State Park bei Sarasota - Cornelia Schaible
Eingang zum Myakka River State Park bei Sarasota - Cornelia Schaible
Florida besteht nicht nur aus Stränden und Sümpfen; vor der Urbarmachung erstreckten sich Prärien über weite Teile des Landes. Einen Rest gibt's heute noch.

Wer die Flora und Fauna des Sunshine States kennenlernen will, wird sich wenigstens einen Nationalpark vornehmen – ohne einen Abstecher in die Everglades hat man Florida nicht gesehen. Das ist schon richtig so. Weniger bekannt ist, dass auch die State Parks aufregende Naturerlebnisse bieten. Oft sind sie sogar besser zu erreichen: Der Myakka River State Park südöstlich von Sarasota hat quasi einen Autobahnanschluss; vom Exit 205 der Interstate 75 sind es nur noch gut 16 Kilometer bis zum Parkeingang. Wenn man auf Siesta Key urlaubt, kann man einfach auf der Clark Road, die später zur State Road 72 wird, geradeaus fahren. Und schon bald sieht man das Parkschild mit dem Reiher darauf.

Nun ist der Reiher mit allen seinen Arten gewiss ein schöner Vogel, aber in Florida steht in jedem Wassergraben einer. Mindestens. In den Myakka River State Park kommen viele Touristen, weil sie dort mit großer Wahrscheinlichkeit Alligatoren sehen können – mit so wenig Aufwand geht das sonst nur viel weiter im Süden, wie am Tamiami-Trail und in der Big Cyprus National Preserve. Der amerikanische Alligator (Alligator mississipiensis) ist in Florida heute zwar keine Seltenheit mehr; im Prinzip sollte man an jedem Wasserloch auf eine Begegnung mit dem stattlichen Reptil gefasst sein. Aber gerade in der winterlichen Trockenperiode machen sich die Gators oft rar.

Im Myakka-Fluss dümpeln Alligatoren – und zwar viele

Im Myakka River State Park dümpeln sie einfach so im Fluss. An der Stelle, wo die Parkstraße über eine Brücke führt, kann man sie aus sicherer Entfernung beobachten. Auch an den sumpfigen Rändern des Upper Myakka Lake liegen fast immer welche – damit wirbt auch das Bootsunternehmen, das Besucher auf dem See herumschippert. Die Propellerboote „Myakka Maiden“ und „Gator Gal“ bewegen sich sogar auf morastigem Gelände, das nicht einmal per Kanu befahrbar wäre. Den Touristen wird dabei die Illusion geboten, in unberührte Natur vorzudringen.

Mit der Ursprünglichkeit mag es zwar nicht mehr weit her sein, aber der Myakka River State Park, Floridas größter State Park, kann auf jeden Fall mit einer beachtlichen landschaftlichen Vielfalt aufwarten. Der Myakka-Fluss schlängelt sich durch annähernd 150 Quadratkilometer Feuchtgebiete, Wälder und Prärien. In ihrer Gesamtheit lässt sich diese Landschaft am besten zu Fuß erfassen: Im Park existiert ein ausgedehntes Wegenetz, das sich für größere Wanderungen sowie Radtouren eignet, und es gibt sogar Reitpfade. Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Tagesausflügler; man kann im Park auch campen oder eine rustikale Hütte mieten.

Warum die typisch amerikanische Autosafari Sinn macht

Die Möglichkeit, eine Autosafari durch den Park zu unternehmen, sollte man indessen nicht geringschätzen. Die Tiere haben sich offensichtlich an den Verkehr gewöhnt, nehmen ihn als Naturphänomen hin. Ein langsam fahrendes Auto ist sicher eine geringere Belastung für die Tierwelt als die Horden von Tagestouristen, die mit lautem Geschrei in den Wald einfallen. Das gehört allerdings auch dazu, denn entlang der ganzen Strecke sind immer wieder Haltepunkte eingerichtet, wo die Möglichkeit für kleinere Spaziergänge besteht.

Der interessanteste Abstecher ist sicher der „Bird Walk“, das ist ein hölzerner Steg, der auf den See hinausführt. Dort ist oft ein ehrenamtlicher Birder im Dienst, der die Besucher gerne durch sein Fernrohr gucken lässt und auch Fragen beantwortet. Der Waldstorch (Mycteria americana) lässt sich häufig blicken, ebenso wie der weiße Ibis (Eudocimus albus) und zahlreiche andere Wasservogelarten. Auch der Fischadler (Pandion haliaetus) ist verbreitet anzutreffen, und hoch droben kreisen Geier. Dabei handelt es sich meistens um den Rabengeier (Coragyps atratus) mit schwarzem Kopf; der Truthahngeier (Cathartes aura), dessen Aussehen durch den Namen treffend beschrieben wird, ist aber ebenfalls vertreten.

Der Karakara, ein seltener Bewohner der Prärie in Florida

Viel seltener ist ein anderer Greifvogel, den man mit etwas Glück schon bei der Anfahrt auf einem Strommasten sitzen sehen kann: Der Karakara (Caracara cheriway), schon von weitem erkennbar an der nackten orangefarbenen Hautpartie über dem starken Schnabel, ist ein falkenartiger Vogel, der vor allem in Mexiko, Mittelamerika und dem nördlichen Südamerika verbreitet ist. In den USA kommt er nur an der Küste von Texas sowie in einem kleinen Gebiet von Mittelflorida vor – er ist ein Bewohner offener Landschaften wie beispielsweise der Trocken-Prärie, die in Florida außer im Myakka River State Park nur noch im Kissimmee Prairie State Park existiert.

Wenn man die Aussichtsplattform beim Nature Trail besteigt, kann man sich ein Bild davon machen, wie das Innere Floridas zur Zeit der ersten europäischen Siedler ausgesehen haben mag: weites Grasland, durchsetzt mit Hainen der Palmettopalme (Sabal palmetto) und allem möglichen Gestrüpp. Damit die Prärie nicht verbuscht und verwaldet, wird sie in regelmäßigen Abständen kontrolliert abgebrannt. Das soll Wildfeuer simulieren, die durch Blitzeinschlag entstehen. Zum Aussichtsturm gehört auch ein „Canopy Walkway“ durch die Baumkronen. Er befindet sich an einer der ersten Stoppstellen am Park Drive.

Insgesamt ist die Fahrstraße durch den Park gut 10 Kilometer lang. Es handelt sich dabei nicht um eine Rundtour; außer an Wochenenden, wenn das nördliche Tor geöffnet ist, muss man auf derselben Route wieder zurück. Ein Tipp für alle, die ein Picknick eingeplant haben: Ein schattiges Plätzchen mit Sitzgarnituren befindet sich am nördlichen Ende kurz vor der Parkgrenze, lauschig am Flussufer gelegen. Auch hier sollte man sich vor Alligatoren in Acht nehmen. Abstand halten!

Und mit ein bisschen Glück sieht man sogar ein Gürteltier

Gegen eine vorsichtige Annäherung – um das Tier nicht zu erschrecken – spricht hingegen nichts, wenn ein weiterer interessanter Parkbewohner auftaucht: Auch das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) ist hier zu Hause. Man sieht das Armadillo häufig an Straßenrändern, wo es die Böschung nach Essbarem durchwühlt. Für alle, die noch nie ein lebendes Exemplar dieses gepanzerten Säugetieres gesehen haben, ist eine solche Begegnung sicher eine Sensation.

Myakka River State Park, 13208 State Road 72, Sarasota, Florida 3421

Quellen und weiterführende Texte

Cornelia Schaible, Cornelia Schaible

Cornelia Schaible - Geboren 1963, verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in Marseille, studierte anschließend Germanistik sowie Allgemeine ...

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