Im Reich der Fabelwesen

Fantasy-Spieler würfeln sich durch jedes Abenteuer

Fantasy-Rollenspiele gehören zu den interaktivsten Spielen. Ausgerüstet mit Papier, Bleistift. Würfel und Regelwerk erleben die Spieler phantastische Abenteuer.

Dem Alltag zu entfliehen, eine andere Identität anzunehmen, der Phantasie freien Lauf zu lassen – davon träumt wohl jeder. Nach diesem Prinzip funktioniert eine Spielform, die sich ungebrochener Beliebtheit erfreut: das Fantasy-Rollenspiel. Worum es dabei genau geht?

Man schlüpft in die Rolle einer erdachten Figur. Sie lebt meist in einer mittelalterlichen Welt, die von mythologischen Elementen geprägt ist. Zwerge, Elfen, Hobbits und andere sagenumwobene Gestalten gehören zur Standardbesetzung der Spiele, die auch nicht ohne spezielle Spielwürfel (manche davon mit bis zu 20 Seiten) auskommen. Magier und Kämpfer runden das Arsenal der Spielercharaktere ab. Jeder dieser Charaktere hat bestimmte Stärken, Fähigkeiten, und Schwächen, die ihn einzigartig machen.

Das Fantasy-Rollenspiel – eine interaktive Erzählung

Das Fantasy-Rollenspiel ist ein hochkommunikatives Ereignis; mehrere Spieler bilden mit ihren Figuren, deren Charaktere sie verkörpern, eine Spielgruppe. In der Regel ist diese Gruppe mehr oder minder bunt gemischt. Auf diese Weise ist sie flexibel genug, um die vielfältigen Situationen und Herausforderungen zu meistern, denen sie im Verlauf ihres Fantasy-Abenteuers begegnet. Besondere Bedeutung kommt hier dem Spielleiter zu; seine Aufgabe ist es, die abenteuerlichen Situationen vorzugeben, denen sich die Spieler, nur ausgerüstet mit Würfeln, Bleistift und Papier, aussetzen. Er fungiert über weite Strecken als eine Art Erzähler, der das Rollenspielsetting vorgibt, die Umgebung beschreibt, der Spielgruppe Rätsel aufgibt und ihr nicht zuletzt das eine oder andere Monster auf den Hals hetzt. Von daher ist es gar nicht verkehrt, sich ein Rollenspiel als eine Art interaktiver Fantasy-Erzählung vorzustellen, an denen Spielleiter und Gruppe beteiligt sind – denn die Verantwortung für das Schicksal des Charakters trägt der Spieler im Rahmen dessen, was ihm von der Umwelt, die der Spielleiter schildert, vorgegeben ist. Vor allem in den 1980er Jahren lagen Fantasy-Rollenspiele auch in Buchform vor, bei der der Leser durch seine Entscheidungen aktiven Einfluss auf den Verlauf des Abenteuers ausübte. Der Text war in eine beträchtliche Anzahl von Abschnitten unterteilt, und am Ende jedes Abschnittes boten sich dem Leser/Spieler mehrere Entscheidungswege, mit welchem Abschnitt die Geschichte fortgeführt werden konnte.

Entwicklung des Fantasy-Rollenspiels

Die ersten Rollenspiele entstanden in den USA der 1970er Jahre. Ihre Erfinder ließen sich von Autoren wie Jules Verne , aber vor allem von J.R.R. Tolkien inspirieren. Außerdem gibt es noch Gemeinsamkeiten mit Science-Fiction- und Strategiespielen, den benachbarten Genres. Eines dabei darf man nicht vergessen: Rollenspiele sind nicht beliebig. Im Gegenteil, im Lauf der Zeit wuchsen die Regelwerke, nach denen gespielt wird. Obligatorisch für diese sogenannten „pen & paper“-Spiele sind die Charakterbögen, eine Art Steckbrief der jeweiligen Figur, der die ihre Eigenschaften wie „Stärke“ oder „Geschicklichkeit“ verzeichnet, sowie Würfel, deren Seitenzahl keinesfalls auf sechs beschränkt ist. Die unter Einsteigern bekanntesten Rollenspiele sind das in den USA entstandende „D & D“ (Abkürzung für „Dungeons and Dragons“ - „Verliese und Drachen“) und „DSA“ („Das Schwarze Auge“). Meist beginnt ein Charakter auf einer niedrigen Stufe, kann sich aber im Laufe seines Lebens mit Hilfe sogenannter Erfahrungspunkte, die er in seinen Abenteuern erwirbt, Schritt für Schritt verbessern, sodass der Spielspaß über weite Strecken garantiert ist.

Neben den „Pen and Paper“-Spielen gibt es auch die Unterart des „Live-Rollenspiels“; hier legen die Spieler Würfel und Charakterbögen zur Seite und begeben sich meist in die freie Natur, um dort ihre Charaktere auch körperlich darzustellen.

Eigene Kreativität stärken

Das ideale Einstiegsalter liegt bei elf bis zwölf Jahren. Allerdings soll schon vorgekommen sein, dass Spieler in Einzelfällen Probleme hatten, den Tagtraum fernab der Realität wieder zu beenden – eine Problematik, die auch die Computer-Rollenspiele betrifft.

Selbstverständlich steht es den Spielern frei, die Spielregeln auch zu ändern. Wo bliebe sonst die Phantasie?

Nuri Ortak - Promovierter Pragmalinguist mit Schwerpunkt "Überzeugungskommunikation", Textlinguistik, Dialoggrammatik. Interesse an systemischen ...

rss