Endlich Urlaub! Die ganzen letzten Tage haben im Zeichen der Reisevorbereitungen und der Vorfreude gestanden. Nun kann man abschalten und den Alltag hinter sich lassen. Doch genau das ist nicht immer einfach, den Abstand zu dem oft übervollen Leben Zuhause hin zu bekommen.

Da ist es gut, zunächst den körperlichen Bedürfnissen zu folgen. Nach einer längeren Reise hat man häufig den Drang sich zu bewegen, bevor man zur Ruhe kommen kann. Ein Spaziergang in der näheren Umgebung, ein erstes Bad im Meer oder der Lauf am Strand entlang, trägt dazu bei, innerlich anzukommen und den äußeren Stress zu vergessen.

Dem Körper Gutes tun und sich wieder in Balance bringen

"Tu deinem Leib Gutes, damit die Seele darin baumeln kann." Hildegard von Bingen (1098-1179), die heilkundige Benediktinerin aus dem hohen Mittelalter gab diesen guten Rat, der auch heute nichts an Aktualität verloren hat. Die Ordensfrau wusste, wie kaum jemand anderes in dieser Zeit, von dem Wechselspiel zwischen Körper und Seele, und wie diese sich ganzheitlich erholen können.

Dem Körper Gutes tun bedeutet aber nicht, sich am Urlaubsort sofort in neue Aktivitäten zu stürzen. In einer Zeit, in der wir tagtäglich von optischen und akustischen Reizen geradezu überflutet werden, in der ein Aufenthalt im Freien und körperliche Bewegung meistens viel zu kurz kommen und immer mehr über Stress geklagt wird, da braucht der Körper keine Aktion. Bewegung im Freien, ausreichenden Schlaf, und Zeit für genussvolles, gesundes Essen bringen den Körper wieder in seine Balance zurück.

Der inneren Uhr folgen und auf seine Bedürfnisse achten

Schalten Sie das Handy aus und lassen Sie Ihre Uhr und Ihren Laptop Zuhause. Dann können kein Zeitdruck und keine Erwartungen von außen Sie mehr daran hindern, Ihrer inneren Uhr zu folgen und auf Ihre Bedürfnisse zu achten.

Wenn Sie zu zweit verreisen, machen Sie nicht unbedingt alles zusammen! Meistens endet der Urlaub dann in einer Enttäuschung, wenn die Bedürfnisse zu unterschiedlich sind. Ziehen Sie auch alleine los, nehmen Sie sich Zeit nur für sich und erzählen Sie einander am Ende des Tages, was Sie erlebt haben.

Wer mit der Familie unterwegs ist, braucht Absprachen im Umgang mit Wünschen, Bedürfnissen und Auszeiten. Wer plant das Ausflugsziel, wer kocht heute, wessen Lieblingsspiel ist dran und wer will für sich sein?

Das Leben genießen und mit allen Sinnen wahrnehmen

In kaum einer anderen Zeit als dem Urlaub haben wir so viel Gelegenheit zum Nichts-Tun. Wenn man das ausprobiert, wird man bemerken, dass sich die Sinneswahrnehmung neu schärft. Die Atmosphäre von Land und Leuten teilt sich mitunter besonders gut mit, wenn man sich ohne Vorhaben unter die Leute mischt und wahrnimmt, was um einen herum passiert. Gehen Sie auf den Wochenmarkt oder setzen Sie sich in ein Straßencafé.

Aber auch wenn man die Einsamkeit in der Natur sucht, hört und sieht man bewusster als sonst. Bleiben Sie auf einer Wanderung einfach mal stehen und folgen Ihren Sinneseindrücken: was sehen und hören Sie? Atmen Sie die Luft ein und nehmen Sie den Geruch wahr. Freuen Sie sich über die vielfältigen Entdeckungen und das Staunen eines kleinen Kindes, wenn Sie unterwegs sind.

Zeit für Kreativität und geselliges Miteinander

Regentage! Nun ist spätestens Zeit für Spiele, gegenseitiges Vorlesen oder kreative Tätigkeiten. Malen, Geschichten erfinden, Collagen basteln ist nicht nur etwas für Kinder! Schöpferisches Tun hilft uns abzutauchen und manch einer erlebt den Zustand des Flow, in dem man völlig im gegenwärtigen Tun versinkt und alles andere vergisst.

Auch das gemeinsame Kochen kann eine sehr kreative Tätigkeit sein. Dazu braucht man Rezepte, bei denen viel geschnitten und zusammengerührt wird, denn schließlich braucht jeder etwas zu tun. Alternativ können ein bis zwei Leute für einen Gang zuständig sein oder man erstellt zusammen ein Büfett. Alles das, was man normalerweise nur für Gäste vorbereitet, tut auch dem Miteinander in der Familie gut.

Sich im Urlaub Zeit nehmen für die Träume in der Nacht

Viele Menschen können sich in Zeiten der Entspannung und des Urlaubes besser an Ihre Träume erinnern. Das hat damit zu tun, dass die Bilder aus dem Unbewussten leichter ins Bewusstsein kommen, wenn unsere Sinneseindrücke im Laufe des Tages ruhiger und intensiver sind als im hektischen Alltag. Schreiben Sie Ihre Träume auf oder erzählen Sie sich diese morgens gegenseitig. Dabei machen auch gerne Kinder mit, vor allem, wenn Sie mit ihnen spielerisch eine Fortsetzungsgeschichte zum Traum phantasieren.

Wieder Zuhause: den Urlaub in den Alltag retten

Halten Sie am Ende des Urlaubes kurz inne und schauen Sie zurück: Was hat Ihnen besonders gut getan? Was möchten Sie in Ihren Alltag hinüberretten und am Wochenende oder nach Feierabend weiter verfolgen? Das Nichts-Tun, das gemeinsame Kochen, die Träume aufschreiben, mehr Zeit für Kreativität oder Bewegung? Schaffen Sie sich Zeitinseln im Alltag, damit Sie nicht bis zum nächsten Urlaub warten müssen, bis Ihre Seele wieder im Körper baumeln kann.

Buchtipps

Michael Stark / Peter Sandmeyer: Wenn die Seele neue Kraft braucht. Wie aus Urlaub und Freizeit Erholung wird. Rowohlt, Reinbek 2000. Taschenbuch, ca. 250 Seiten. nur noch antiquarisch.

Karten nach Anderland bei Andere Zeiten e.V.

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Bildnachweise:

Urlaub: © S.-Hofschlaeger / PIXELIO.de

Die Seele baumeln lassen: © Barbara-Eckholdt / PIXELIO.de

Sich in Balance bringen: © Oliver-Haja / PIXELIO.de

Miteinander in Bewegung: © Rainer-Sturm / PIXELIO.de