In seiner Funktion als stellvertretender Traunsteiner Landrat bekam der Erste Vorsitzende des Vereins Chiemgau Impakt, Josef Konhäuser, am 30. März 2012 in der Schlossökonomie in Grabenstätt von Prof. Dr. Kord Ernstson, Dr. Michael Rappenglück und Barbara Rappenglück ein Exemplar des Chiemgauer Impakt-Gesteins „Chiemit“ überreicht. Alle drei Wissenschaftler gehören zum Chiemgau Impact Research Team (CIRT), das 2004 ins Leben gerufen wurde.

Der nach dem Chiemgau benannte „Chiemit“ wurde dem Landkreis Traunstein per Urkunde gewidmet. Im Rahmen einer Pressekonferenz, der Jahreshauptversammlung des Vereins Chiemgau Impakt und eines Vortrages über den aktuellen Forschungsstand informierten die Experten über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die den angenommenen Meteoriteneinschlag zur Keltenzeit zu bestätigen scheinen.

Impakt-Gestein „Chiemit“ sorgt für Begeisterung

Nach Angaben der CIRT-Forscher bestehe das "Chiemit"-Gestein aus seltenen Kohlenstoffmodifikationen, die härter als Diamant seien „und unter bis zu 50 Kilobar Druck und Temperaturen von 2500 bis 4000 Grad entstanden sind“. Derartige Drücke und Temperaturen könnten in Südostbayern nur durch einen Meteoriteneinschlag hervorgerufen worden seien. Damit ließen sich auch die gefundenen Schmelz- und Trümmergesteine sowie magnetische Steine erklären, hieß es.

Seit 2000 war eine Gruppe von Heimatforschern zwischen Altötting und der Chiemsee-Region in Bereich von auffälligen Kraterstrukturen immer wieder auf eigenartige Metallstücke gestoßen. Die Sensation war perfekt, als sich herausstellte, dass es sich dabei um die Eisensilizid-Minerale Fe3Si (Gupeiit) und Fe5Si3 (Xifengit) handelt, die auf der Erde in natürlicher Form nicht vorkommen. Die Hobby-Forscher handelten indes nicht auf eigene Faust, sondern besaßen eine offizielle Genehmigung zur Suche nach archäologisch bedeutsamen Objekten.

Chiemgau Impact Research Team seit 2004 aktiv

Angesichts der Tragweite der Funde gründeten die Heimatforscher 2004 mit ihren wissenschaftlichen Fürsprechern Dr. Michael Rappenglück, Astronom und Archäoastronom, Prof. Dr. Kord Ernstson, Geologe, Geophysiker und Impaktforscher und Dr. Uli Schüßler, Mineraloge und Petrologe, das Chiemgau Impact Research Team (CIRT). Neben Ernstson und Schüßler von der Universität Würzburg nahmen sich auch Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, München, Antwerpen, Freiburg und Augsburg dem spannenden Thema an.

Ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit rückte der Chiemgau-Impakt, als das wissenschaftliche Internetforum CCNet vom “Big Bang of Bavaria” schrieb. Zuvor hatte die amerikanische Zeitschrift ASTRONOMY im Oktober 2004 einen Online-Artikel über den “Chiemgau-Kometen” veröffentlicht und das CIRT alle bis dahin bekannten Aspekte der Entdeckung im Internet publiziert. Zur Förderung der Erforschung des südostbayerischen Meteoritenkrater-Streufeldes wurde dann am 3. Oktober 2006 der gemeinnützige Verein Chiemgau Impakt ins Leben gerufen.

Impakt in ganz Eurasien zu sehen?

Im Jahr 2011 habe das Hauptaugenmerk auf der wissenschaftlichen Auswertung, der Dokumentation, dem Publizieren und der engen Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftlern (unter anderem in Russland) gelegen, stellte Dr. Michael Rappenglück zu Beginn seines Vortrages klar. „Wir waren keineswegs untätig, wir sind nur seltener ins Feld gegangen“, fügte seine Frau, die Historikerin Barbara Rappenglück an.

Sie hatte den Chiemgau-Impakt eingangs mit dem griechischen „Mythos von Phaethon“ in Verbindung gebracht, demzufolge Phaethon einst „im Keltenland“ auf die Erde stürzte. „Die großen Schnittmengen und Übereinstimmungen sind verblüffend“, betonte die Historikerin und mutmaßte, dass solch ein Impakt-Ereignis „wohl in ganz Eurasien zu beobachten war“.

„Kienberger Donnerlöcher“ mit Chiemgau-Impakt in Verbindung gebracht

Neue wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass auch die um Kienberg/Landkreis Traunstein auftretenden Donnerlöcher in einem engen Zusammenhang mit dem Einschlag eines Kometen oder Asteroiden zur Keltenzeit stehen, berichtete Professor Ernstson. „Des Rätsels Lösung sind enorme Kräfte, ausgelöst durch die Druckwellen und Schockwellen des Chiemgau-Impaktes. Das Phänomen sei vergleichbar mit schwersten Erdbeben, bei denen „der Erdbebenschock lockere, wasserhaltige Gesteine im Untergrund verflüssigt und unter hohem Druck, teilweise explosionsartig nach oben drückt“.

In Teilen des elliptischen Streufelds des Impaktes, das sich über den Chiemgau und die Inn-Salzach-Region erstreckt, „sind 200 Kilo schwere Gesteinsblöcke bis zu einen Meter in das Lehmmaterial hochgepresst worden“. Perforierte Nagelfluhplatten und zertrümmertes Geröll im Lehm seien ebenfalls darauf zurückzuführen, so Ernstson. Die in der Folge durch das Grundwasser ausgeschwemmten Hohlräume lassen die Donnerlöcher irgendwann ohne Vorankündigung einbrechen.

Auch die „Shattercones“ sollen den Meteoriteneinschlag belegen

Mit den am Tüttensee vorgefundenen Shattercones führten die Referenten noch einen „weiteren Beweis für den Meteoriteneinschlag vor 2500 Jahren“ an. Unter Shattercones verstehe die Wissenschaft „kegelförmige Bruchflächen im Gestein mit typischen Bruchflächenmarkierungen, wegen ihres Aussehens auch Pferdeschwanzmarkierungen genannt, die sich durch Schock im Gestein bilden“, so Ernstson. Nachdem er vergleichbare Gesteine unter anderem aus dem Nördlinger Ries gezeigt hatte, stellte er seine Experimente zur Kraterentstehung vor, für die eigens ein Modell mit Kanone, Plastik-Projektil, Hochgeschwindigkeitskameras und dem Einschlagmaterial Mehl entwickelt worden war.

Verein Chiemgau Impakt unterstützt die Forschungsarbeit

„Wir sind im vergangenen Jahr wieder einen bedeutenden Schritt vorangekommen“ freute sich Vereinsvorstand Konhäuser. Vielleicht könne man mit den neuen Erkenntnissen und Argumenten auch jene Wissenschaftler erreichen, die sich ausnahmslos auf die Theorie der eiszeitlichen Toteislöcher festgelegt haben und den Meteoriten-Einschlag im Chiemgau strikt verneinen, gab sich Konhäuser optimistisch. Dass es im Chiemgau auch Toteislöcher gebe, sei unbestritten. Des Weiteren versprach er, dass auch in Zukunft solide gewirtschaftet werde und "das vorhandene Geld in erster Linie für wissenschaftliche Dinge und die Forschungsarbeit zu verwenden". Abschließend wünschte er den Vereinsmitgliedern und Gästen ein spannendes Jahr 2012 mit vielen interessanten und erfreulichen Forschungsergebnissen zum Chiemgau-Impakt.

Quellen:

  • www.chiemgau-impakt.de
  • Ernstson Kord, Prof. Dr., Der Chiemgau-Impakt. Ein bayerisches Meteoritenkraterfeld, Traunstein 2010.