Immer weniger Auszubildende in der Gastronomie

Arbeit in einem Restaurant: Servieren - Rainer Sturm/ Pixelio.de
Arbeit in einem Restaurant: Servieren - Rainer Sturm/ Pixelio.de
Immer weniger Azubis in Deutschland: Restaurant- und Hotelbetriebe leiden, denn keiner will in die Gastronomie. Was denken die Azubis über ihren Beruf?

Die Lehrstellenaktion 2011 beweist, dass es immer weniger Azubis in Deutschland gibt. Zwar braucht Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte, doch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System nimmt weiterhin ab. Das geht aus einem Bericht (15. April 2011) des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor.

Die Gastronomie hat einen schlechten Ruf

Hotels und Restaurants bieten Ausbildungsplätze in der Küche, im Restaurant und rund um die Organisation eines Hotels, doch im Trend liegen diese Berufe leider nicht mehr. Anders ist das in unserem Nachbarland Österreich, denn dort haben diese Berufe Zukunftschancen und gute Lohnaussichten. Österreich und die gute Gastronomie gehören einfach zusammen. Es gibt viele Saisonbetriebe, in denen auch Deutsche, Polen und Tschechen arbeiten, und ihr Gehalt ist dort viel höher als bei uns im selben Beruf. Fest steht, die deutsche Gastronomie hat einen schlechten Ruf – vielleicht zu Recht?

Nicht wenige Betriebe, nutzen ihre Auszubildenden als billige Arbeitskräfte aus. Vor allem in kleinen Hotels gibt es keinen geregelten Ausbildungsplan, sondern die Azubis werden meist monatelang oder sogar über Jahre hinweg im Housekeeping zum Zimmerreinigen eingesetzt. Die Auszubildenden werden zu wenig geschult und sofort ins kalte Wasser geworfen. Das hat zur Folge, dass die Azubis vor den Gästen unsicher wirken, was wiederum zu Beschwerden führt und letztendlich zu Frust bei den angehenden Fachleuten.

Arbeiten am Wochenende, an Feiertagen und Schichtdienst ist für junge Leute einfach zu viel. Nach der Schule sofort in einem unregelmäßigen Job zu beginnen, ständig mit Gästen konfrontiert zu sein und viele Überstunden zu machen sind die jungen Menschen nicht gewöhnt. Betriebe können aus Mangel an Personal allerdings nicht auf die Azubis Rücksicht nehmen, sondern müssen sich auf diese verlassen können. In der Gastronomie wird jede Hand gebraucht, anders als in großen Firmen oder Fabriken sind die Betriebe auf die Azubis angewiesen, diese können mit diesem Druck oft noch nicht umgehen. Ihnen ist nicht bewusst, dass ein anderer Mitarbeiter einspringen muss, wenn sie fehlen.

Geringe Aussichten auf guten Verdienst nach der Ausbildung sind vor allem für Männer ein K.O.-Kriterium für die Gastronomie. Mit 1.000 Euro im Monat netto kann keine Familie ernährt werden. Will man viel verdienen, muss man nach Asien oder in arabische Länder gehen, denn dort sind die deutschen Fachkräfte sehr beliebt. (Tipps & Tricks für die Jobsuche)

Was sagen Azubis selbst über ihren Beruf?

In einer Befragung von 25 Auszubildenden, die in der Gastronomie tätig sind, ergaben sich folgende Aussagen.

  • Als Grund für den Beginn einer Lehre in der Gastronomie wurden folgende Punkte genannt: flexible Arbeitszeiten, viel Gästekontakt, interessante Aufgaben, möglicher Auslandsaufenthalt oder aber keine andere berufliche Möglichkeit (etwa wegen schlechter Noten).
  • Positive Aspekte sind aus Sicht der Jugendlichen: viel Gästekontakt, man arbeitet im Team, Zusammenhalt und Spaß, man lernt andere Menschen und Kulturen kennen, man lernt andere Sprachen, man kann sich die Schichten flexibel einteilen, es ist keine eintönige Arbeit, man hat die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen oder andere Städte kennen zu lernen.
  • Als negativ wurden folgende Punkte bewertet: Arbeiten an den Weihnachtsfeiertagen, zu wenig Gehalt nach der Lehre, man hat sich etwas anderes vorgestellt, zu viel putzen und zu wenig Schulungen.
  • Bescheiden blicken die Azubis in die Zukunft und äußern folgende Wünsche: Auslandsaufenthalt, Aufstiegschancen, akzeptables Gehalt.

Die Azubis haben viele IdeenTipps der Azubis an ihre Chefs

Würde man die jungen Menschen fragen, dann hätten sie viele hilfreiche Tipps an ihre Chefs, denn viele der Befragten möchten gerne die Lehre erfolgreich beenden.

  • Mehr Schulungen und Trainings: Verhalten am Gast, Beschwerdehandling, Weinschulungen, Cocktailtraining, Show-Cooking sind einige Beispiele für On-the-Job-Trainings.
  • Mehr Verständnis für Unsicherheiten am Gast: Die Azubis wünschen sich Ausbilder, die auch mal ein Auge zudrücken, wenn Fehler gemacht werden, denn das Arbeiten mit Menschen muss auch erst gelernt werden.
  • Bessere Prüfungsvorbereitung: Zur Zwischen- und Abschlussprüfung sollten alle praktischen Inhalte aktiv trainiert werden, da diese oft in der täglichen Arbeit untergehen.
  • Bewerbungs-Tipps nach der Ausbildung: Wie bekommt man gute Saisonjobs? Wie kann man im Ausland einen Job finden?
  • Mehr Übernahme nach der Ausbildung: Nur wenige gastronomische Betriebe übernehmen ihre Azubis, dies finden viele sehr schade.

Buchtipp: "Arbeiten im Hotel - Berufung oder Alptraum?"

Quellen: Interviews mit 25 Azubis aus sieben verschiedenen Hotels, eigene Erfahrung als Ausbilderin in einem 4-Sterne-Hotel.

Bilder: (c) Rainer Sturm, Paul-Georg Meister, Anja Kronberg/Pixelio.de

Natalie Schauer, Natalie Schauer

Natalie Schauer - Die Autorin veröffentlicht Sachartikel bei Suite101Interviews (unter anderem mit Sarah Engels, Pietro Lombardi & Sebastian ...

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