
- Mieten oder Kaufen - genau kalkulieren - pixabay
Als inflationssichere Geldanlage und Altersvorsorge wird der Erwerb eines Eigenheims von der Politik und von vielen Experten propagiert. Nicht immer ist aber der Erwerb eines Hauses oder einer Eigentumswohnung der Miete vorzuziehen.
Eigentum widerspricht der geforderten Mobilität
Die Zeiten, in denen Menschen über Jahrzehnte an einem Ort verblieben sind, sind vorbei. Sie ziehen den Arbeitsplätzen hinterher. In dieser Situation ist ein Eigenheim der sprichwörtliche „Klotz am Bein“. Selbst wenn man das Haus oder die Eigentumswohnung vermietet, hat man als Vermieter, der nicht vor Ort ist, viele zusätzliche Nachteile. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele gut verdienende Manager von Unternehmen eben keine Häuser in der Nähe des Arbeitsplatzes kaufen, sondern hochwertige Eigenheime mieten. Sie bleiben so flexibel, wenn ein Arbeitsplatzwechsel ansteht. Der Erwerb von Wohneigentum, ob in Form eines Hauses oder einer Wohnung, kann eigentlich erst dann sinnvoll sein, wenn feststeht, dass man auf Jahrzehnte, denn so lange wird das Eigenheim in der Regel abbezahlt, am gleichen Wohnort bleibt.
Wohneigentum als Geldanlage?
Die demographische Entwicklung führt zu einer sinkenden Wohnbevölkerung. Auch wenn die Eigenheimquote in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch eher gering ist, werden in den nächsten Jahren viele Eigenheime durch Erbschaft auf den Markt drängen, bei denen dann abgesehen von Ballungszentren, eher eine schrumpfende Nachfrage besteht. Daneben ist es eine Illusion, dass ein eigenes Haus im Wert stabil ist. Der Wert ist dann stabil, wenn man selbst drin wohnt und keine Miete zahlen muss. Ansonsten kann man, will man ein Haus verkaufen, wie bei anderen hochwertigen Gütern auch, davon ausgehen, dass der Wert sinkt. Das ist – mit zeitlichen Unterschieden – nicht anders wie mit einem neuen Auto, das vom Hof fährt und schon erheblich an Wert verloren hat. Wer das Haus verkauft, kann nicht damit rechnen, dass er das, was er selbst investiert hat, zurück erhält. Es gibt zwar auch Fälle, in denen der Wert steigt, etwa aufgrund besonderer Umstände (vielleicht die Ansiedlung eines großen Arbeitgebers in der Region). Andererseits kann der Wert auch erheblich sinken (Verbreiterung einer Autobahn, Ändern einer Flugroute zu einem Flugplatz oder unangenehme Nachbarschaft).
Ein Haus ist nicht das wert, was man dafür bezahlt hat.
Wer ein Haus, dessen Preis mit 300.000 Euro angesetzt wird, kauft, bezahlt im Regelfall mehr als die 300.000 Euro. Hinzuzurechnen sind nämlich die ganzen Finanzierungskosten. Dazu gehören nicht nur Zinsen, die man an die Bank zahlt. Je nach Art der Finanzierung können noch weitere Kosten dazu kommen (Grunderwerbssteuer in jedem Fall, Maklergebühren usw.). Wer das Geld nicht direkt bezahlen kann, hat in gewisser Weise die Wahl, ob er das Geld der Bank oder dem Vermieter gibt.
Wohneigentum verpflichtet
Als Eigentümer ist man grundsätzlich verpflichtet, die Lasten zu tragen. Versicherung, Grundsteuer und die netten Abgaben, die die Gemeinde erhebt, wenn die Straße neu gemacht wird. Das kann leicht in fünfstellige Beträge gehen. Hinzu kommt, dass man alles bezahlt, wenn es denn kaputt geht. Ein Mieter kann, soweit es nicht um reine Schönheitsreparaturen geht, bei einem Defekt den Vermieter anrufen und dieser darf sich dann mit den Handwerkern herumschlagen. Als Eigentümer muss man das selbst machen.
Lage, Lage und noch einmal Lage
Manche Makler sagen, wenn man nach dem fragt, was den Wert der Immobilie ausmacht: „Drei Dinge: Die Lage, die Lage und noch einmal die Lage.“ Die sieht man, wenn man ein Haus kauft. Die Umstände drum herum können sich aber ändern. Da kann ein in der Nähe eine Wohngruppe für jugendliche Strafentlassene eingerichtet werden. Eigentlich eine tolle Sache, aber in der Nachbarschaft wollen dann doch die wenigsten so etwas haben. Dann kommmt die Unflexibilität des Wohneigentums zum Tragen. Es fällt dann leichter, eine Mietwohnung zu kündigen und umzuziehen als die Immobilie mit diesem „Handicap“ wieder loszuwerden.
