Impfoffensive in Sierra Leone

Ein kleiner Stich kann (Kinder)leben retten: flächendeckender Impfschutz in ganz Sierra Leone ist das Ziel - Johanna Wurzinger
Ein kleiner Stich kann (Kinder)leben retten: flächendeckender Impfschutz in ganz Sierra Leone ist das Ziel - Johanna Wurzinger
Die Impfallianz Gavi sagt gemeinsam mit der WHO und internationalen Pharmafirmen der Kindersterblichkeit den Kampf an.

Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: In dem vom Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik, der Welthungerhilfe und der irischen Nichtregierungsorganisation Concern Worldwide 2010 veröffentlichten Welthungerindex ist die westafrikanische Republik unter den sechs ärmsten Ländern der Welt - dramatischer ist die Lage nur noch in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, in Eritrea, im Tschad und in Äthiopien. Auch der Human Development Index der Vereinten Nationen, in dem Sierra Leone 2010 den 158. Platz von insgesamt 169 einnimmt, belegt die prekäre Situation, in der sich der Staat befindet.

Ende der 1990er Jahre durch die Involvierung in den liberianischen Bürgerkrieg wirtschaftlich und gesellschaftlich völlig destabilisiert, sind die Spätfolgen dieses Konfliktes besonders auf dem medizinischen Sektor bis heute deutlich spürbar: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen beträgt 49 Jahre, die der Männer 48. Auch die Kindersterblichkeitsrate ist enorm: 20 Prozent sterben vor ihrem fünften Geburtstag.

Flächendeckender Impfschutz zur Senkung der Kindersterblichkeit

Doch zumindest der krankheitsbedingten Kindersterblichkeit soll nun ein Ende gesetzt werden: Bei einer Geberkonferenz in London unter dem Patronat der globalen Impfallianz Gavi, die seit dem Jahr 2000 für die Verfügbarkeit von Impfstoffen in Entwicklungsländern kämpft, wurden am Pfingstmontag von verschiedenen Regierungen rund drei Milliarden Euro für ein flächendeckendes Impfprogramm aller Kinder in Sierra Leone zugesichert.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie der WHO, der Gates-Stiftung (die allein 7,1 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren für die Entwicklung und Verbreitung von Impfstoffen zur Verfügung stellen will) sowie internationalen Pharmakonzernen wird ein großes Ziel anvisiert: Bis 2015 sollen rund 250 Millionen Kinder aus Entwicklungsländern gegen Polio (Kinderlähmung), Tetanus, Diphtherie und andere Krankheiten immunisiert sein. In Sierra Leone liegt der Fokus momentan auf dem wenig erschlossenen ländlichen Raum, wo eine schwerwiegendere Erkrankung wie beispielsweise eine Lungenentzündung in der Regel das Todesurteil bedeutet.

Internationale Gelder geben Hoffnung

Auf den ersten Blick verfügt Sierra Leone über ein sehr soziales Gesundheitssystem: Kindern unter fünf Jahren, Schwangeren und stillenden Müttern steht grundsätzlich kostenfreie medizinische Versorgung zu, doch das System ist korrupt. Viele (unterbezahlte) Ärzte verlangen Schmiergeld, mit der Folge, dass im Krankheitsfall der Weg ins Spital zu einem unleistbaren Unterfangen wird - unleistbar zumindest für jene 70 Prozent der Bevölkerung, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen. Vor diesem katastrophalen wirtschaftlichen Hintergrund ist das Gesundheitsministerium von Sierra Leone auf Unterstützung angewiesen: 70 bis 80 Prozent der Impfkosten werden durch internationale Spenden finanziert. Ein Hoffnungsschimmer für das afrikanische Land - der nächste Gegner ist der Hunger.

Quellen und weiterführende Links:

  • gavialliance.org
  • Antikörper für Millionen Kinder, Der Standard, 15. Juni 2011
  • weltalmanach.de
  • transafrika.org
Johanna Wurzinger, Johanna Wurzinger / Floyd´s collection

Johanna Wurzinger - geboren 1983, Studium der Slawistik und Vergl. Literaturwissenschaften in Wien, lebt derzeit mit Kind und Kegel ebendort

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