
- Ehemaliger Flugplatz Johannisthal - Katrin Asmuss
Selbst Berlin hat noch so einige unbekannte Schätzchen in petto, die im allgemeinen Großstadttrubel untergehen. Freunde der Luftfahrt wissen es längst, doch auch für Skater, Spaziergänger und Naturfreunde gibt es auf dem 26 Hektar großen Gebiet zwischen Adlershof und Johannisthal viel zu entdecken. Der Berliner Senat stellte dieses Areal 2002 unter Schutz, heute gibt es in dem Landschaftspark die so genannten: „…Aktivkammern, zu denen auch ein Beachvolleyballfeld und ein Skaterbereich gehören, und die grünen Fugen bilden zusammen das LSG“, wie es die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung formuliert.
Die Gebrüder Wright lösten Anfang des 20. Jahrhunderts die Begeisterung am Fliegen aus
Zunächst beschränkte man sich auf den Erfolg mit dem Bau von Luftschiffen, so dass der Flugzeugbau vernachlässigt wurde. Als die technische Entwicklung immer mehr ins Rollen kam, wurde nach geeigneten Flächen gesucht, um entsprechende Testflüge, aber auch Flugschauen veranstalten zu können. Diese Flugschauen sahen etwas anders aus als heute: Das Rollfeld damals war beispielsweise lediglich 800 Meter lang, hier und da hoppelte schon mal eine Maschine über das Gelände… Am 30. Oktober 1909 gelang schließlich dem Magdeburger Ingenieur Hans Grade der ersten Nachweis der Flugtauglichkeit mit seinem in Deutschland hergestellten Flugzeug. Die erste nationale Flugwoche fand 1910 ebenfalls in Johannisthal statt, 1919 begann hier die Geschichte der zivilen Luftpost.
1910 war ein wichtiges Jahr - auch für Melli Beese, die erste Deutsche mit Pilotenlizenz
Natürlich war diese technische Branche zunächst den Männern vorbehalten. Heute würde man sagen, dass Amelie Hedwig Beese gemobbt wurde. Und zwar richtig heftig: Wenn man sie überhaupt einmal ins Flugzeug ließ, setzte schon mal der Motor aus oder die Tragflächen oder der Benzintank waren sabotiert worden. Die ehrgeizige Frau ließ sich jedoch nicht beirren und an ihrem 25. Geburtstag (13.09.1911) erhielt Mellie Beese endlich ihre Flugzeugführerlizenz Nummer 115. Ab da gehörte sie nicht nur zu den erfolgreichen Piloten, sondern gründete später die Flugschule Melli Beese GmbH. So ist es nicht verwunderlich, dass die Spaziergänger der Gegenwart in der neben dem ehemaligen Flugplatz liegenden Flieger-Siedlung auch einen Straßennamen finden, der Melli Beese gewidmet ist.
Schautafeln, Halfpipes, alte Industriegebäude und Filmgeschichte
Der Landschaftspark Johannisthal bietet allerdings noch mehr als nur die mit Schautafeln sehr liebevoll und übersichtlich gestalteten Spazier- und Radfahrwege. Sowohl Freizeitsport, Entspannung auf den am Wegesrand stehenden Bänken oder Grünflächen sind möglich, inklusive dem Blick auf marode und reizvolle alte DDR-Industriebetriebe neben nagelneuen Industriebauten. Filmfans finden hier Geschichte, denn einst gab es „JOFA“ in Johannisthal, wie der Spitzname der 1920 gegründeten Johannisthaler Filmanstalt GmbH lautete. So wurde dort unter anderem der erste deutsche Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ (1946) mit Hildegard Knef in der Hauptrolle gedreht.
Eine Entdeckungsreise lohnt sich allemal zum Landschaftspark in Johannisthal – es gibt dort und in der Umgebung tatsächlich noch eine Menge sehenswerter Neuigkeiten.
