Im Koran taucht der Mahdi zwar nicht auf, aber schon im Frühislam entstand der Glaube, dass eines Tages eine Art Messias erscheinen werde, der den rechtgeleiteten Islam wieder in die Welt bringt.
Die Entstehung des Mahdi-Glaubens
Aus diesem Grund nannten die Muslime diesen Messias Mahdi, was „der Rechtgeleitete“ bedeutet. Entstanden ist der Glaube an den Mahdi wohl mit dem Schock über den plötzlichen Tod des Propheten Mohammed und dem Streit um seine Nachfolge. Der Mahdi würde ein politisch und religiöser Führer der Muslime sein, der ein starkes Charisma besitzt, zu Wundern fähig sein und für Gerechtigkeit und Wohlstand sorgen würde.
Die frühislamische Vorstellung des Mahdi verband sich dann mit der Gestalt Jesu. Dieser würde irgendwann vom Himmel auf die Erde herabsteigen, den Anit-Christ besiegen und ein tausendjähriges Reich der Gerechtigkeit errichten. Das jüngste Gericht findet dann nach diesen tausend Jahren seiner Herrschaft statt. Die Vorstellung der Identität von Mahdi und Jesus verdrängte später die Ansicht, dass der Mahdi ein Nachkomme des Propheten sei. Anfangs blieb jedoch die Vorstellung des Mahdi immer noch eng mit den Heilerwartungen jüdisch-christlicher Religiosität verbunden.
Die Nutzbarmachung des Mahdigedankens durch die ersten muslimischen Dynastien
Die Herrscher der Umayyaden-Dynastie (632-750) versuchten die Vorstellung vom Mahdi politisch für sich zu nutzen, indem sie ihre Herrschaft mit der des Mahdis gleichsetzten. Doch auch die Gegner der Umayyaden nahmen für sich die Idee des Mahdi in Anspruch. Diese Mahdi-Bewegungen speisten sich aus starker Frömmigkeit, wobei politisch umstürzlerische Absichten im Hintergrund blieben.
Im Gegensatz zu den Umayyaden gelangte die nachfolgende Dynastie der Abbasiden (750-1055) mithilfe madhistischer Propaganda – die klar auf einen politischen Umsturz ausgerichtet war - an die Macht. Anfangs versuchten die Abbasiden sich im Sinne eines Mahdi zu verhalten, indem sie Almosen verteilten, Gefangene befreiten und Schulden erließen. Doch schließlich trat der Mahdigedanke immer mehr zurück und ließ Raum für andere Mahdi-Bewegungen.
Der schiitische Mahdi
Besonders die Schiiten leben in Erwartung auf den Mahdi. Sie identifizieren den Mahdi mit dem Imam. Die Schiiten empfanden die Tatsache, dass ihre Imame - die nach ihrer Ansicht – nicht den rechtmäßigen Platz als Führer der Muslime erhielten, als große Ungerechtigkeit. Als dann die Reihe der Imame abbrach, entstand die Vorstellung, der letzte Imam hielte sich verborgen und würde irgendwann als Mahdi zurückkehren. Die Stärke der Heilserwartung zeigt sich in der iranischen Verfassung. In ihr steht ein Passus, der sie für ungültig erklärt, sollte der Mahdi erscheinen. Denn nur der Mahdi kann der politisch und religiöse Führer der Muslime sein und jegliche andere staatliche Herrschaft kann in der schiitischen Weltanschauung nur vorläufig sein. Besonders in Zeiten großer Bedrängnis rechnen die Schiiten mit dem Auftauchen des Mahdi. Auch besondere Kalenderdaten wie die islamische Jahrtausendwende, ließen die Erwartung auf den Mahdi stark ansteigen. Nicht von ungefähr tauchten zu solchen Zeiten immer wieder Personen auf, die sich für den Mahdi hielten und/oder sich für ihn ausgaben.
Der Mahdi und die Sunniten
Bei den Sunniten ist die Heilserwartung nicht so präsent wie bei den Schiiten. Doch auch bei den Sunniten tauchte immer wieder ein Mahdi auf. So war in Nordafrika und Andalusien die Bewegung der Almohaden im 12. und 13. Jahrhundert eng mit der Vorstellung des Mahdi verbunden. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Mahdiaufstand im Sudan am Ende des 19. Jahrhunderts. Die arabische Bevölkerung wehrte sich gegen die Bedrückung durch die türkisch-ägyptische Verwaltung. Dieser Aufstand zeigt, dass Mahdi-Bewegungen lokal und ethnisch begrenzt blieben. Nie gelang es einem so genannten Mahdi alle Muslime, hinter sich zu vereinen.
Quellen:
Islam-Lexikon 1-3 ; Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine ; Herder 1999
