In Frankreich leben - Franca Pott zog aus, um Französin zu werden

Franca Pott: Ein Alien in Frankreich - Dresdner Buchverlag
Franca Pott: Ein Alien in Frankreich - Dresdner Buchverlag
In Frankreich Urlaub machen - eine leichte Sache. Nach Frankreich auswandern - nicht einfach. Franca Pott erzählt typische Pannen und gibt nützliche Tipps.

Eines Tages beschloss die damals 49-jährige Berliner Informatikerin Franca Pott (alias Christine Zahn), Deutschland zu verlassen und ins Land der "Baguettefresser" auszuwandern: "das Land des Rotweins, des 'Savoir-vivre', von Sonne, Palmen und l'amour". Für den Anfang reichte ihr ein Teilzeit-Job als Deutschlehrerin in Lyon, wo ihr Sohn gerade studierte. Ansonsten reiste sie mit kleinem Gepäck, wenn man den mentalen Überseekoffer voller Optimismus nicht mitrechnet.

Ohne Sprachkenntnisse nach Frankreich auswandern

Franca Pott war nämlich (und ist es vermutlich immer noch) eine ziemlich mutige Frau: Sie sprach bis dato kein Wort Französisch und beabsichtigte, sich mit Englisch durchzuschlagen. Jeder, der schon einmal mehr als ein Wochenende in Frankreich verbracht hat, weiß, dass auch im EU-Zeitalter die meisten Franzosen ungern und daher oft auch schlecht Englisch sprechen. Kurz: Sie hatte ein Problem.

Tipps und Goldene Regeln für Frankreich

Mittlerweile ist Franca Pott in Frankreich "angekommen" und lebt recht gut situiert in der Provence. Es wurde Zeit, Bilanz zu ziehen und ihre spannenden Abenteuer, schrecklichen und amüsanten Erlebnisse und Erfahrungen aus den ersten Jahren ihres Lebens in Frankreich aufzuschreiben. Daraus entstand ein überaus witziges und deftiges Buch, das viele gute Ratschläge zum französischen Alltagsleben und zur manchmal unverständlichen Mentalität sowie den besonderen Gewohnheiten der Franzosen, Tipps für Behördengänge, typische Rezepte des französischen Südens und sechs "Goldene Regeln" enthält.

Welche Fettnäpfchen es für Deutsche in Frankreich gibt

Bei der Schilderung ihres Alltagslebens in Lyon lässt die Autorin kein Fettnäpfchen und kaum einen Kulturschock aus, ob es nun um ihre Wohnungsnachbarn, das Fernsehprogramm, die Streiks, den französischen Computer, natürlich die Tücken der Sprache und deren Erwerbs, erste Rendez-vous mit französischen Männern, kleine Hotels und Reiseschwierigkeiten, die Ummeldung des Autos, die Gründung einer Firma, eine Theorie über französische Frauen, Zahnarztbesuche, Wohngeld und last, but not least das flüssigere französische Nutella geht. Schonungslos und äußerst humorvoll berichtet sie über typische Fallen für Ausländer in Frankreich – die ihre Leserinnen und Leser dank des minutiösen Protokolls von Franca Pott nicht alle noch selbst durchleben müssen.

Als deutscher Alien in Frankreich überleben

Obwohl es Madame Pott in ihrem Buch "Ein Alien in Frankreich – Von einer, die auszog, Französin zu werden" gelingt, sich selbst derartig auf die Schippe zu nehmen, dass der Leser sich ob ihrer Tolpatschigkeit und Naivität manchmal stellvertretend in Grund und Boden schämt und vor Lachen fast weinen muss, scheint sie doch in Wahrheit ein sehr erfolgreicher, patenter und lebenspraktischer Mensch zu sein. Ihr interessanter Lebenslauf spricht für diese Annahme und bürgt allein schon für die Erfolgsträchtigkeit ihrer Demarche, sich in Frankreich niederzulassen.

Agentin für Jobs und Häuser in Frankreich

Als junge Mathematikerin, die an der Humboldt-Universität studiert hatte, gelang es ihr 1975 als einem der ersten DDR-Bürger in den Westen zu gehen. Sie leitete 15 Jahre lang eine eigene Software-Firma, bevor es sie nach Frankreich zog. Zunächst arbeitete sie in der Berlitz-Schule von Lyon, dann im Callcenter des dortigen ADAC. Bereits zwei Jahre nach dem Umzug, im Jahr 2003, gründete sie eine neue Firma in Frankreich. Vier Jahre lang vermittelte sie deutschen Arbeitslosen im Bausektor Jobs in Frankreich. Anschließend widmete sie sich einer neuen Aufgabe, diesmal als Immobilienmaklerin in der Provence.

Franca Pott: Ein Alien in Frankreich. Von einer, die auszog, Französin zu werden. Dresdner Buchverlag 2010. Gebunden. 271 Seiten. 19,90 Euro

Andrea Reidt, Freie Journalistin, Foto Monika Werneke

Andrea Reidt - Die Freie Journalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Am allerliebsten schreibt sie ...

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