In dem fünf Hektar großen, auf einem ehemaligen Sumpfgebiet angelegten Park wird seit 1976 die Aufzucht der Weißstörche betrieben, die seit 1960 fast völlig verschwunden waren. Um diese Tiere, die ein Gewicht von bis zu 4,5 kg erreichen können, vor dem völligen Aussterben zu bewahren, war dieses Zentrum zur Wiedereinführung der Störche gegründet worden. Forschungsergebnisse hatten gezeigt, dass viele dieser Zugvögel auf ihren Reisen zum Überwintern in wärmeren Klimazonen umkamen. Hochspannungsleitungen wurden ihnen zum Verhängnis, in Schwarzafrika fielen sie der Trockenheit zum Opfer, zudem wurden sie gejagt.

Zu ihrer eigenen Sicherheit wird den Störchen der Wandertrieb abgewöhnt

In ihren ersten drei Lebensjahren bleiben die Störche in Gehegen, die ihnen den freien Flug verwehren. Danach ist ihnen der Wandertrieb abgewöhnt worden, und sie können sich für den Rest ihres Lebens - bis zu 20 Jahre alt kann ein Storch werden - frei bewegen. Im Alter von drei bis vier Jahren ist ein Storch geschlechtsreif und kann sich im Storchenpark, aber auch in der näheren Umgebung, wo es viele Storchennester in den Dörfern gibt, vermehren. Ab Ende April sind die Jungstörche in ihren Nestern zu bewundern, die von Menschenhand gezüchtet und aufgezogen werden.

Sie wurden wegen ihres Pelzes eingeführt - die Biberratten (Myocastor)

Es gibt nicht nur Störche lebensnah zu bewundern im "Parc des Cigognes et des Loutres". In schön angelegten, geräumigen Freigehegen kann man zum Beispiel einen Nager bewundern, der eigentlich aus Südamerika stammt. Wegen ihres Fells nach Frankreich eingeführt, ist einigen Tieren die Flucht aus der Pelztierzucht gelungen. Weil die Biberratten oder Nutrias von den Menschen wegen ihrer Nagertätigkeit als störend empfunden werden und auf der "Abschussliste" stehen, genießen sie ein schönes Leben in dem Park in der Nähe von Ribeauvillé. Einmal "in Gefangenschaft" lebende Tiere werden daher nicht mehr ausgewildert. Zu bestimmten Zeiten kann man den possierlichen Tieren, die bis zu neun Kilogramm schwer werden können, beim Fressen ihrer vegetarischen Nahrung zugucken.

Auf der roten Liste - der europäische Fischotter

Bis 1969 wurde er wegen seines Fells intensiv gejagt. Heute ist sein Leben immer noch durch eine feindliche Umwelt bedroht. Für Biberratten ausgelegte Fallen werden ihm zum Verhängnis, der Straßenverkehr fordert unzählige Todesopfer unter den Fischottern, und die Umweltverschmutzung zerstört seinen Lebensraum. 1991 wurde der erste Fischotter im Zentrum für die Wiedereinführung von Fischottern geboren. 1998 wurde das erste Fischotterpaar ausgewildert. Weitere Fischotterpaare folgten. Ihre weitere Entwicklung und Anpassung an ihre neue Umgebung auf freier Wildbahn wird regelmäßig überwacht.

Ein Paradies, auch für Kindergartenkinder

Am Nachmittag finden in einem gesonderten Bereich, in dem um ein Schwimmbecken mit Glaswänden halbkreisförmig Zuschauersitzplätze errichtet wurden, Shows mit einigen Park-Bewohnern statt, die jeweils ungefähr 45 Minuten dauern. Dabei werden dem Großen Kormoran mit seinen wasserdurchlässigen Federn, Fischotter und Pinguin keine einstudierten Kunststückchen auferlegt, sondern sie können vielmehr bei ihren natürlichen Aktivitäten bewundert werden - bei der Nahrungsbeschaffung. Damit die Tiere von allen Seiten in Aktion bewundert werden können, werden die lebenden Fische in alle Richtungen geworfen. Der absolute Liebling der Kinder ist der Seelöwe, der mit seinen 100 Kilogramm Gewicht das Wasser über den Beckenrand schwappen lässt.

Informationen rund um die Parkbewohner

"La vie secrète des cigognes et des loutres" - die 20minütigen Kurzfilme sind in französischer Sprache, jedoch selbsterklärend, und deshalb auch für nicht Französisch Sprechende verständlich und sehenswert. Gezeigt wird die liebevolle Aufzucht durch Mutter Storch und Mutter Fischotter. Da kann man lernen, dass es gar nicht so einfach ist, sich als Jungstorch aus einem Ei zu befreien. Auch die Beschriftung der Holztafeln sind auf die Bedürfnisse der Kleinen ausgerichtet. "Je peux mordre - Ich kann beißen" steht zum Beispiel am Gehege der Bisamratten.

Tipps für Besucher

In den Monaten Juni, Juli und August hat der Park jeden Tag von 10:00 Uhr durchgehend bis jeweils 18:00 Uhr, 18:30 und 19:00 Uhr geöffnet. Mit dem Auto ist er sehr gut über die A35, Ausfahrt Ribeauvillé, zu erreichen. Straßburg liegt 60 Kilometer und Freiburg 65 Kilometer entfernt. 9 Euro kostet der Eintritt für Erwachsene, 5,50 Euro für Kinder bis 12 Jahre (unter 5 Jahre kostenlos), Gruppen erhalten Ermäßigung. Ebenfalls um einen Euro billiger ist der Eintritt, wenn man als Tourist im Elsass wohnt (Touristen-Pass). Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt, es gibt ein Bistro, das auch die elsässische Spezialität Flammkuchen anbietet. Man kann jedoch auch mitgebrachte Speisen und Getränke im Picknickbereich verzehren. Vorsicht vor neugierigen Störchen, die durch die Anlage spazieren, auf der Suche nach etwas Essbarem.

Quellen:

Informationsmaterial in Französisch aus dem "Centre de Réintroduction des Cigognes et des Loutres"