In Lienen gab es im 17. Jahrhundert drei Vögte namens Docen

Dritter Docen-Vogt gefunden. Warendorfer Ratsprotokolle enthalten wichtigen Mosaikstein für die Ortsgeschichte Lienens (Kreis Steinfurt).

Der erfahrene Familienforscher weiß, dass sich in den Archiven eines jeden Ortes Angaben zu Personen finden lassen, die nicht aus dem entsprechenden Orte stammen. Diese Entdeckungen nennt man Zufallsfunde. Dem Familienforscher helfen derartige Funde aus fremden Orten oftmals über tote Punkte in der eigenen Familiengeschichte hinweg - manchmal können sie aber auch von ortsgeschichtlicher Bedeutung sein.

Ein Zufallsfund

In den Ratsprotokollen der Stadt Warendorf aus dem Jahre 1685 ist folgender Fall überliefert: Damals bat Kaspar Hermann Docen, Vogt zu Lienen, dass Bürgermeister und Rat der Stadt Warendorf aus wichtigen Gründen den ältesten Bruder seiner verstorbenen Frau Magdalena Zurmühlen, Georg Zurmühlen, als nächsten Verwandten zur Vormundschaft über die Kinder seiner Ehe anweisen solle. Georg Zurmühlen weigerte sich zunächst, diese Aufgabe zu übernehmen. Trotzdem wurde er vom Rat der Stadt Warendorf zum Vormund bestimmt.

Wenn in der Quelle auch nicht angegeben wird, welche wichtigen Gründe den Kaspar Hermann Docen bewogen haben mögen, seine Kinder in die Vormundschaft seines Schwagers zu geben, so ist diese Nachricht doch für die Ortsgeschichte Lienens von großer Bedeutung: denn der Lienener Vogt Kaspar Hermann Docen war bisher nicht bekannt!

Der Kirchspielsvogt war ein landesherrlicher Beamter. Ihm oblag vor allem die militärische Befehlsgewalt zur Verteidigung des Kirchspiels. Ferner organisierte er die Steuererhebung für den Landesherrn und hatte für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu sorgen.

Drei Vögte namens Docen

Der in den Warendorfer Ratsprotokollen erscheinende Kaspar Hermann ist der dritte Vertreter der Familie Docen, der das Amt des Vogtes in Lienen inne hatte. Den Anfang der „Docen-Dynastie“ machte ab 1622 Gerhard Docen genannt Butjenter als Nachfolger Cord Hollenbergs. Ihm folgte Arnold Jobst Docen, der von 1647 bis 1669 nachweisbar ist. Von 1669 an könnte dann Kaspar Hermann Docen Vogt in Lienen gewesen sein.

Woher stammt die Familie?

Der Name Docen ist in Lienen ortsfremd. Auch heute gibt es hier und in ganz Deutschland keinen Namensträger mehr. Woher stammte aber die Familie Docen? Der Namenszusatz „genannt Butjenter“ legt ein Herkommen von der Halbinsel Butjadingen (bei Nordenham) nahe. Dies könnte sich mit der Überlieferung decken, dass die Familie Docen einem ostfriesischen Häuptlingsgeschlecht entstammten soll. Mit der Entdeckung des Vogtes Kaspar Hermann Docen wurde eine Lücke der Lienener Ortsgeschichte geschlossen.

Die Docens sind in ganz Westfalen zu finden

Die Familie Docen war aber nicht nur in Lienen tätig. Ein Adolf Friedrich Docen gen. Butjenter war im Dreißigjährigen Krieg schwedischer Oberkassierer des westfälischen Kreises in Minden. 1672 nennt der Tecklenburger Geschichtsschreiber Gerhard Arnold Rump den Leutnant Wilhelm Docen genannt Butjenter als Verwalter des aufgelösten Klosters Osterberg bei Lotte. Im Jahre 1704 wurde Gerhard Friedrich Docen, Sohn des Lienener Vogtes, Vogt des Kirchspiels Laer (heute Bad Laer). Auch dessen Sohn Friedrich Wilhelm bekleidete wenige Jahre dieses Amt. Ein weiterer Sohn, Philipp Heinrich, war bei der bischöflichen Kanzlei in Osnabrück angestellt. Dessen Söhne Nikolaus und Philipp Werner wiederum waren Pfarrer zu Bersenbrück und Osnabrücker Kanzleisekretär. Letzter beglaubigte 1790 den Grenzvergleich zwischen Lienen und Ostenfelde, mit dem endlich die letzten Streitigkeiten zwischen Lienener und Ostenfelder Bauern aus der Welt geschafft werden sollten. Sein Sohn war der 1782 in Osnabrück geborenen, bekannte Germanist Bernhard Joseph Docen, der 1828 in München starb. Docen – eine Familie aus Friesland hat sich in Westfalen behauptet.

Zum Thema:

Liste der Vögte Lienens vom 16. bis 18. Jahrhundert:

1) Gerdt Brüning (nachweisbar um 1540), stammte vom Hof Gerd Brüning in Kattenvenne, später bezeichnenderweise Altevogt, heute Schlingermann, Glandorfer Damm 25.

2) Cord Hollenberg (nachweisbar 1580-1622)

3) Gerhard Docen genannt Butjenter (nachweisbar 1622)

4) Arnold Jobst Docen (vermutlich Sohn von 3, nachweisbar 1647-1669)

5) Kaspar Hermann Docen (vermutlich Sohn v. 4, nachweisbar 1685)

6) Rudolf Krafft (nachweisbar 1703-1725)

7) Christian Ernst Arendt (1726-1774)

8) Johann Leonhard Arendt (Sohn v. 7, nachweisbar 1774-1822)

Quellen und Literatur

  • Schmieder, Siegfried (Bearb.), Die Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen der Stadt Warendorf, 7 Bde., Warendorf 1994-2002., Bd. 6: 1685-1695, Warendorf 2000.
  • Hunsche, Friedrich Ernst, Lienen am Teutoburger Wald. 1000 Jahre Gemarkung Lienen, hrsg. v. d. Gemeinde Lienen, Lienen 1965, S. 353-357.
  • Neufeld, Karl-Heinz, Docen - eine Familie behauptet sich, in: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2003, S. 205-208.

Christof Spannhoff - Spannhoff, Christof – Studium der Fächer Geschichte und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität ...

rss