Inception - Anspruchsvoller Science-Fiction-Thriller

Filmplakat Inception - Warner Brothers
Filmplakat Inception - Warner Brothers
Christopher Nolans raffiniert verschachtelter Science-Fiction-Thriller handelt von einer Zukunft, in der Träume zu kriminellen Zwecken manipuliert werden.

Christopher Nolan gehört zu den interessantesten Filmemachern unserer Zeit. Seine Filme sind kommerziell erfolgreich und bieten eine anspruchsvolle Story, die vom Zuschauer Mitdenken erfordert. In seinem zweiten Film „Memento“ erzählt er die Story rückwärts, mit seinen Comicverfilmungen „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ gab er den eindimensionalen Figuren eine bisher unbekannte Tiefe. Auch sein neuestes Werk "Inception" erfüllt die hochgesteckten Erwartungen. In den USA hat der Film am Startwochenende über 60 Millionen Dollar eingespielt und damit nach "The Black Knight" den drittbesten Start hingelegt.

Die Handlung: Manipulierte Träume

"Inception" spielt in einer Zukunft, in der Menschen in die Träume anderer einbrechen können, um ihnen ihre tiefsten Geheimnisse zu stehlen. Dazu schieben sie dem Träumenden einen konstruierten Traum unter, um ihn manipulieren, ohne dass er es merkt. Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist der Beste seiner Zunft, er verkauft sein Talent auch zu illegalen Zwecken und steht deshalb, und wegen Mordes an seiner Frau Mal (Marion Cotillard), auf der Fahndungsliste. Sein größter Wunsch ist es, in die USA zu seinen Kindern zurückzukehren. Diese Chance bietet ihm der Industrielle Saito (Ken Watanabe) im Gegenzug für einen letzten Auftrag. Cobb soll keine Extraktion, sondern eine Inception durchführen. Er soll seinem Opfer Robert Fisher (Cillian Murphy) eine Idee einpflanzen – eine Aktion, die bisher nie geklappt hat. Cobb und sein Team konstruieren ein raffiniertes Geflecht aus drei Traumebenen, in dem sie den Coup durchführen wollen. Aber Cobb verheimlicht seinen Kollegen ein entscheidendes Detail: Mal verfolgt ihn in der Traumwelt - und jede Störung hat Auswirkungen auf die anderen Ebenen - bis hinauf in die reale Welt.

Inception: Science Fiction, Heist Movie und Psychothriller

"Inception" ist ein Heist Movie (die Planung und Ausführung eines Raubes/Einbruchs) im Gewand eines Science-Fiction Films. Er ist weniger futuristisch als alternativ. Schauplatz ist kein anderer Planet, sondern das menschliche Unterbewusstsein, das beim Träumen eigene Welten erschafft. In Nolans Traumwelt sind die Regeln der Physik aufgehoben, Landschaften kippen oder stehen Kopf, es gibt Kämpfe in Schwerelosigkeit, Träume in einem Traum. Je tiefer man in eine Ebene herabsteigt, desto langsamer läuft die Zeit. Jedes Ereignis hat Auswirkungen auf die anderen Ebenen. Deshalb muss Cobbs Team den Ablauf genau vorausplanen. Wie in jedem Heist Movie wird der Coup durch unerwartete Hindernisse zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die unberechenbare Wild Card ist Mal. Ihre gemeinsame Geschichte mit Cobb ist das Herzstück und der Schlüssel zum Verständnis des Films.

Inception: Ein Denkspiel für den Zuschauer

Wie auch Nolans frühere Filme ist "Inception" ein Denkspiel für den Zuschauer. Er muss sich den Sinn selbst zusammenpuzzeln. Mit der ersten Szene wirft der Regisseur seine Zuschauer in eine rasante Handlung, die sich allmählich als Traum entpuppt. Ohne es zu verstehen wird man Zeuge einer Extraktion und bekommt Details präsentiert, die für den weiteren Verlauf des Films bedeutend sind. Die Regeln der Traumwelt werden erst später erklärt, wenn Ariadne (Ellen Page) eingeführt wird. Ihre Figur führt den Zuschauer stellvertretend durch das mehrdimensionale Labyrinth, in dem die Zeitebenen miteinander verwoben sind und die Orte sprungartig wechseln. Das Ende des Films ist so raffiniert, dass sich - je nach Schlussfolgerung - der ganze Film umdeuten lässt. Es kursieren schon angeregte Diskussionen darüber im Internet.

Inception: Die konventionelle Inszenierung bietet Orientierung

Als Gegengewicht zur Komplexität der Story steht die konventionelle Inszenierung des Films. Abgesehen von eindrucksvollen visuellen Effekten, die an "Matrix" erinnern, geht es in Nolans Traumwelt logisch und realistisch zu, während Träume ja recht surrealistisch, unlogisch und chaotisch sein können. Nolans Traumwelt zitiert bekannte Filmwelten (z. B. Kubricks "2001") und folgt den Regeln der Filmgenres (Actionszenen, Thrillerelemente, Psychodrama). Soweit es geht, hat der Regisseur auf digitale Effekte verzichtet, die schwerelosen Szenen wurden z. B. mit den echten Schauspielern auf kardanischen Sets (in sich rotierend) gedreht und machen neugierig auf das Making Off der DVD.

Inception: Ein Film mit kleinen Schwächen

Christopher Nolan hat mit "Inception" ein eigenes Drehbuch verfilmt. Über zehn Jahre hat er die Idee entwickelt, ein Sujet, das bisher kaum Gegenstand von Filmen war. Am ehesten kommt einem "Dreamscape" (1984) in den Sinn, ein B-Movie mit Dennis Quade, in dem Menschen in die Träume anderer eindrangen, um sie zu töten. Christopher Nolans hat dagegen einen A-Klasse-Film geschaffen, an dem es nur wenig zu bemängeln gibt. Bei den Actionszenen verliert man manchmal den Überblick über Gut und Böse und fragt sich öfter, in wessen Traum man sich gerade befindet. Die Figur der Ariadne wirkt zu konstruiert, der Grund für die Inception wird streckenweise zur Nebensache und ist mehr Mittel zum Zweck, um eine Geschichte über Realitätswahrnehmung und Manipulation zu erzählen.

Inception: Ein komplexer und tiefsinniger Film

Insgesamt ist "Inception" ein herausragender Film mit originärer Idee, intelligenter Story und beeindruckenden Bildern. Er ist so komplex, dass er sich beim ersten Zuschauen nicht vollständig erschließt und den Wunsch hervorruft, ihn öfter anzugucken, um alle Details zu entdecken. Inception gehört zu den seltenen Filmen, die Unterhaltung und Anspruch gleichermaßen vereinen und den nicht Zuschauer nur emotional, sondern auch intellektuell einbeziehen. Wie "Matrix" philosophiert "Inception" darüber, was Realität ist, was Erinnerung, was Projektion. Und es geht um Manipulation – sind unsere Wünsche originär oder wurden sie uns von außen eingepflanzt? Vielleicht sind wir schon in Nolans Zukunft angekommen, wenn Leute das dringende Bedürfnis haben, in die USA zu fliegen und sich nachts anstellen, um das neuste Apple Produkt zu besitzen…

Inception.USA/UK 2010. Warner Brothers. Regie: Christopher Nolan.148 Min.Deutscher Filmstart: 29. Juli 2010

Brigitte Grahl, Brigitte Grahl

Brigitte Grahl - Nach meinem Studium der Germanistik und Publizistik an der FU habe ich als freie Journalistin bei Print- und Online-Medien ...

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