
- Langhaus vor dem Royal BC Museum - Cindy Andrie, Flickr Creative Commons
Mungo Martin war einer der berühmtesten Schnitzer, die für das Indianer Museum in Victoria, British Columbia, gearbeitet haben. Er und seine Kollegen errichteten die Langhäuser vor dem Museumsbau und verbrachten dort Wochen und Monate beim Schnitzen von Totempfählen, Masken, Häuptlingssitzen und anderen Ausstellungsstücken, die nun in der Indianer Abteilung des Museums zu bewundern sind.
Die Indianer-Ausstellung im Royal BC Museum in Victoria ehrt ihre Künstler
Dr. Martha Black, die Kuratorin für Ethnologie am Royal BC Museum, berichtet von der guten Zusammenarbeit mit den indianischen Künstlern: "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit Mungo Martin zusammen arbeiten durften. Er ist einer der größten Bildhauer der First Nations [so bezeichnen sich die kanadischen Indianer selbst, Anmerkung der Autorin], die je für das Museum gearbeitet haben." Seine Totempfähle, Häuptlingssitze und anderen Werke sind noch immer vor dem Museum und in der Indianerabteilung zu besichtigen.
"Die Familien der Künstler unterhalten bis heute eine enge und sehr lebendige Beziehung mit dem Museum", sagt Dr. Martha Black. "Wir hatten erst vor einiger Zeit ein Geburtstagsfest für eine Nachfahrin von Mungo Martin in der Indianerabteilung veranstaltet. Ihre Familie hatte diese Feier zusammen mit dem Museum organisiert. Sie selbst erfuhr erst davon, als sie an ihrem 80. Geburtstag ins Museum geführt wurde. Die Party fand im rekonstruierten Langhaus statt. Und getanzt wurde natürlich auch - aber nicht was Sie erwarten! Nein, Walzer und Polka waren angesagt. Indianische Tänze spielten dabei keine Rolle."
Enge Zusammenarbeit des Museums mit Indianern bei neuen Ausstellungen
So eng ist die Zusammenarbeit zwischen der Indianerabteilung des Museums auch bei der Präsentation neuer Ausstellungen. Ein Beispiel dafür ist ein Bereich der Indianerabteilung, der sich mit den neuen Verträgen befasst, die die Regierung von British Columbia mit den Nisga'a geschlossen hat. Am 13. April 2000 wurde dieser Vertrag vom Parlament ratifiziert. Darin sind das Recht dieses Stammes auf Selbstbestimmung, Landbesitzrechte, Regelungen für Fischfang- und Jagdquoten sowie Bestimmungen für Ausbildung, Gesundheitswesen und Sozialdienste festgehalten.
Um die Bedeutung dieses Vertrags im Museum zu präsentieren, arbeitete das Museumspersonal eng mit Vertretern der Nisga'a Indianer zusammen. Bei häufigen Treffen im Nass Valley, der Heimat der Nisga'a, und im Museum selbst versuchte man, die Bedeutung des Vertrags aus der Sicht der Indianer darzustellen. Erst als der Häuptling der Nisga'a sich mit der Präsentation einverstanden erklärte, wurde sie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Exzellente Präsentation der Kultur und Geschichte der Indianer von British Columbia
Mit viel Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Kultur der Indianer versucht das Museum, die Kultur und Geschichte der Indianer all jenen Besuchern vorzustellen, die bisher kaum oder nur wenig über die Lebensweise der Indianer von British Columbia wissen. Bei einem Gang durch die Ausstellung lernen die Besucher Unterschiede zwischen den verschiedenen Stämmen ebenso kennen, wie die oft tragische Geschichte des Aufeinandertreffens von europäischer und indianischer Kultur. Missverständnisse waren an der Tagesordnung und prägen das Zusammenleben bis heute.
So wird weder das Verbot des Potlatchfestes verschwiegen noch die Arbeit der frühen Völkerkundler, die von Stamm zu Stamm zogen, um dort Informationen und Artefakte einer "untergehenden" Kultur zu sammeln, um diese ins Museum zu bringen. Wie lebendig diese Kultur jedoch bis in die Gegenwart ist, zeigt die Ausstellung ebenfalls. So erzählt Dr. Black davon, wie sie erst vor wenigen Monaten eine Arbeit von Bill Reid erhielten, einem der bedeutendsten Haida-Schnitzer der Moderne. "Wir wussten zunächst gar nicht, wohin mit seinem Werk. Aber schauen Sie mal über dem Eingang dort. Da passt es doch wunderbar hin, oder?"
Im Museum versucht man nun gezielt, diese kulturellen Reibungsflächen deutlich zu machen, und gleichzeitig eine Plattform zu bieten, auf der ein Austausch zwischen Vertretern beider Kulturen stattfinden kann. Mit Erfolg, wie die Anzahl der Besucher im Museum beweist.
Quelle: Interview von Monika Fuchs mit Dr. Martha Black, der Kuratorin für Ethnologie am Royal BC Museum in Victoria mit freundlicher Unterstützung durch Tourism British Columbia.
