
- Pow-Wow im Reservat Huron-Wendake - Marc Lautenbacher
In ganz Kanada gibt es derzeit gut über eine Million Ureinwohner mit rund 600 sogenannten indigenen oder auch so genannten autochtonen Volksgruppen, welche rund 1,7 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Sie bestehen aus den Inuit, den Metis und den fälschlicher Weise so genannten Indianern (auf französisch Amérindiains und auf englisch Amerindian), letztere werden hier als "First Nations" bezeichnet. Ganz zu recht, waren sie immerhin schon rund 12.000 Jahre vor den europäischen Siedlern da. Sie sprechen noch heute mehr als 70 verschiedene Sprachen, welche sich in 12 linguistische Familien aufteilen und die abermals in mehrere Dialekte untergliedert sind.
Neue Jagdgründe in Neu-Frankreich
Zur Zeit der Kolonialisierung Kanadas gab es sehr oft Begegnungen zum Handel mit den Ureinwohnern, denn das riesige Land wurde damals vor allem wegen seiner unermesslichen Pelztierbestände erschlossen. Man benötigte Pelze für die Hutmode in Europa, denn dort waren bereits alle Pelztiere ausgerottet worden und man suchte nach neuen Gründen. Da kam "Neu-Frankreich" (Nouvelle France) wie gerufen, welches von Jaques Cartier im Auftrag des französischen Königshauses 1534 entdeckt und für die Krone vereinnahmt wurde.
Handel mit Indianern gründet kanadische Städte
Diese, entgegen denen in den Vereinigten Staaten, vor allem freundschaftlichen Kontakte mit den Indianern Kanadas fanden vorzugsweise direkt bei oder ganz in der Nähe von Orten für den Handel mit den begehrten Pelzen statt, welche vormals Indianersiedlungen waren und wo sich im Laufe der Zeit dann auch die Einwanderer aus Europa niederließen. Deshalb sind ausgesprochen viele Namen dieser ehemaligen Handelsplätze indianischen Ursprungs, wurden jedoch im Laufe der Jahre für die französische und englische Sprache mundgerecht abgewandelt. Hier nun einmal die wichtigsten und bekanntesten Worte und Namen mit ihren ursprünglichen Bedeutungen aus ganz verschiedenen Indianersprachen:
Chicoutimi: Seit kurzem eingemeindeterStadtteil von Saguenay, Hauptstadt der gleichnamigen Region nördlich von Quebec City.In der Algonkin-Sprache atikamekw spricht man es "tschekotimiwo" und es bedeutet: "verschlingend tief" oder "abgrundtief", weil dort der gleichnamige Fluß Saguenay bis zu 200 Meter tief wird.
Huronen: Eigentlich Wendat oder Wyandot genannt, die wegen der struppigen Haartracht der Männer von den Franzosen Huronen ("Stachelschweine") getauft wurden. Ihr ursprünglicher Name jedoch bedeutet "Inselbewohner", da die Stammesgebiete vor ihrer Vertreibung rund um den heutigen, nach ihnen benannten Huron-Lake gelegen waren. Auch wurde diese Volksgruppe literarisch durch die Erzählungen von James Fenimore Cooper im Roman "Lederstrumpf" bekannt.
Kanada: In der Sprache der Irokesen und der Huronen "kanatah" mit der Bedeutung "bewohntes Dorf". In der Sprache der Cree-Indianer "konata" heisst es eine "nicht besonders intelligente Person". Jedoch gemäß Referent Pater Pacifique bedeutet derselbe Begriff, ausgesprochen von den Micmac-Indianern in Anwesenheit von Jaques Cartier während seiner ersten Begegnung 1534 mit diesen: "unklug, mit Kanonen zu schiessen"
Manitoba: Gesprochen "mani-tou-bou" in der Sprache der Cree-Indianer, die noch heute von rund 150.000 Indianern gesprochen wird, hat die Bedeutung "Meerenge des großen Geistes". Name der Provinz sowie einer der grossen Seen im Zentrum Kanadas.
Mokassin: Bekannte Bezeichnung der Schuhe aller Indianer auf dem nordamerikanischen Kontinent, in den Algonkin-Sprachen "makissin" ausgesprochen und bedeutet übersetzt etwa "hält meine Füsse gesund". Ist ebenso der Name eines Indianerstammes im Norden von Ontario und der Provinz von Quebec.
Ontario: Abgeleitet aus dem Wort "kaniatareejoh" aus dem Irokesendialekt der Mohawk-Indianer. Bedeutet so viel wie das "ist ein schöner See". Name der bevölkerungsreichsten kanadischen Provinz und einem der großen Seen, der den Sankt Lorenz Strom speist.
Petawawa: Bekannt geworden als kanadische Militärbasis in Ontario sowie als die Stadt des "Duke of Renfrew". Kommt aus der Sprache der Cree-Indianer "petewewue" und bedeutet "man hört das Rauschen der (Wasser)fälle".
Québec: Name der flächenmäßig zweitgrößten, kanadischen Provinz und auch deren Hauptstadt sowie nach Tadoussac mit 400 Jahren die zweitälteste Stadt Kanadas. In der Sprache der Micmac hat das Wort "guépeg" die Bedeutung "an der Verengung des Steilhanges" oder auch "dort, wo sich der Fluss verengt". Außerdem bedeutet das Wort "kabek" soviel wie "an Land gehen".
Rimouski: Aus der Algonkin-Sprache "animosh-kih" mit der Bedeutung "Land der Hunde". Wichtige Hafen- und Universitätsstadt am Süd-Ostufer des Sankt Lorenz Stromes. Im Micmac-Dialekt bedeutet es "Haus des Elchs".
Saskatchewan: In der Cree-Sprache "kisiska-djiwan" lautend und bedeutet übersetzt "schnelle Strömung". Name eines Flusses und einer kanadischen Provinz im Westen Kanadas, die etwa so groß ist wie Frankreich, die Benelux-Staaten und die Schweiz zusammen.
Toronto: Ursprünglich "karontah" oder "t-karonto" gesprochen und kommt aus der Sprache der Mohawk, einem Irokesen-Dialekt. Hat die beschreibende Bedeutung von einem "Ort mit Bäumen am Wasser". Größte Stadt von Kanada und Hauptstadt der Provinz Ontario, direkt am Ontario-See gelegen. Wenn man den Bereich Greater Toronto Area zusammen rechnet kommt man heute auf eine Bevölkerungszahl von über 6,2 Millionen Einwohnern.
Wendake: Das Wort bedeutet sinngemäß "der Ort, an dem die Leute bleiben" in der Sprache der Wendat oder Wyandot, die von den Franzosen Huronen getauft wurden. Bezeichnet das prosperierende Indianerreservat der Wendat-Huronen in der Nähe der Stadt Quebec, wo heute wieder rund 3000 Menschen dieser Volksgruppe leben.
Yukon: Bedeutet "großer Fluß" und geht auf das Wort "yu-kun-ah" in der Sprache der Gwich’in, die zur athabaskischen Sprachfamilie gehört und den gleichnamigen Fluß mit 3120 Kilometern Länge sowie die Provinz im äußersten Norden Kanadas, welche an Alaska grenzt, bezeichnet.
Quellen:
eigene Recherchen vor Ort, Bernard Assiniwi - "Lexique des noms indiens du Canada", "Le Petit Robert - Les noms propres"
