Indiens und Chinas Bildungspolitik im Vergleich

In Indien und China wird trotz wirtschaftlichem Aufschwung wenig in die Bildung investiert. Davon profitieren Arbeitgeber und der Weltmarkt.

Indien und China sind zwei Länder, die mehr und mehr an wirtschaftlicher Größe zunehmen. Aber wie sieht es mit ihrem Bildungssystem und den Chancen der Bevölkerung auf Bildung aus?

Gleichberechtigung von Männern und Frauen

In vielen Punkten ähneln sich die beiden Länder, etwa im Männerüberschuss. Laut Gesetzgebung sind Männer und Frauen gleichgestellt, doch aus vielerlei Gründen kommt es dennoch zu einer häufigen Abtreibung weiblicher Föten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn weniger Mädchen als Jungen zur Schule gehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Mädchen, vor allem in Indien, im Haushalt gebraucht werden und eine schulische Bildung als unnütz angesehen wird. In China werden Frauen seltener an Hochschulen aufgenommen, da sie sowieso heiraten und Kinder bekommen werden. In Indien können Mädchen schon mit zehn Jahren verheiratet werden und brauchen danach keine Schulbildung mehr.

Die Bildungseinrichtungen

Eine weitere Gemeinsamkeit der Länder sind eine Menge von privaten Bildungseinrichtungen, die sich viele nicht leisten können. Doch gerade diese Einrichtungen bringen renommierte und qualifizierte Graduierte hervor. Viele wohlhabende Eltern senden ihr Kind ins Ausland, wo sie ein besseres Studium erhalten sollen und damit eine höhere Chance auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz.

In vielen Bereichen haben China und Indien aufgeholt und können für einige wenige eine gute Universität mit neuesten Techniken anbieten. So bilden beide Länder gleich viele IT-Spezialisten und Ingenieure auf einer qualitativ hochwertigen Basis aus.

Indiens Hochschulen, viele davon privat, sind weltweit bekannt. Sie haben ein hohes Niveau und werden vom Staat subventioniert. Das meiste Geld, welches für die Bildung bestimmt ist, fließt in Hochschulen oder wird als Lehrergehalt verwendet. Da bleibt wenig Platz für neue Anschaffungen. Die Lehrmittel sind knapp und es fehlt am Nötigsten.

Die Lage in China sieht anders aus. Durch die Ein-Kind-Politik fokussieren Eltern ihren ganzen Ehrgeiz auf ein Kind und investieren dementsprechend mehr in die Bildung. Wer es in China auf eine Hochschule schaffen will, braucht Ehrgeiz, Disziplin und Durchhaltevermögen um die schweren Aufnahmeprüfungen zu bestehen.

Während in Indien 12,2 Prozent jener, die einen Abschluss an der Hochschule haben, arbeitslos sind, leiden in China immer mehr junge Menschen unter dem psychischen Druck in der Schule erfolgreich sein zu müssen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

In den wirtschaftlich hoch hinaus wollenden Indien und China sollte Bildung einen hohen Stellenwert einnehmen. Nur durch Bildung können die Bürger wissen, was sie eigentlich wollen und was ihnen zusteht.

Durch eine bessere Bildung können Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gestärkt werden. Aber genau das müssen viele zu verhindern suchen. Denn welcher Fabrikbesitzer möchte einen Arbeiter einstellen, der sich nicht unterdrücken lässt, der einen angemessenen Lohn fordert oder sogar nach einer Versicherungsnummer fragt? Um einen Profit auf dem Weltmarkt herauszuschlagen muss billig produziert und so günstig verkauft werden, dass immer noch ein hoher Profit dabei abfällt. Somit sind billige Arbeitskräfte oft gefragter als qualifizierte und Bildung wird als etwas für die Reichen abgestempelt.