Industrialisierung in Island

Schiff in isländischem Hafen - Hannelore Dittmar-Ilgen
Schiff in isländischem Hafen - Hannelore Dittmar-Ilgen
Die Industrialisierung in Island konnte durch norwegische und dänische Unterdrückung erst sehr spät beginnen. Sie beruht vor allem auf dem Fischfang.

Die Industrialisierung in Island ist nicht vergleichbar mit der anderer skandinavischer Staaten, was einerseits an der abgelegenen Lage Islands und andererseits an der über Jahrhunderte andauernden Fremdherrschaft liegt. Von 1262 bis 1380 gehörte der Inselstaat zu Norwegen und von 1380 bis 1944 zu Dänemark.

Die isländische Wirtschaft unter ausländischer Unterdrückung

Während der norwegischen Herrschaft war quasi noch gar keine Wirtschaft vorhanden, da zu jener Zeit kaum Menschen auf Island lebten. Aber selbst jene geringe Zahl von Einwohnern wurde systematisch ausgebeutet: Im 13. Jahrhundert gewann die Kirche in Island große Macht und die von Norwegen eingesetzten Bischöfe dachten nur an ihren eigenen Profit. Bald gehörte der Kirche mehr als 50% des isländischen Grundbesitzes.

Es war aber vor allem die dänische Herrschaft, die die Entwicklung einer Exportwirtschaft grundsätzlich unmöglich machte, da aufgrund von Handelsmonopolen nur an Dänemark verkauft werden durfte. Die ohnehin schon kleine isländische Wirtschaft (im 19. Jahrhundert lebten in Island nur einige zehntausende Leute) wurde so vollständig behindert.

Naturkatastrophen als Hemmnis

Ein weiterer hemmender Faktor waren zahlreiche Naturkatastrophen und Hungersnöte, welche die Bevölkerung dramatisch dezimierten. 1783 brachen zum Beispiel die Laki-Krater aus und sorgten für miserable Ernten. In der Folge dieses Ausbruchs starb ein fünftel der isländischen Bevölkerung, 10.000 Menschen. Dieser Ausbruch soll übrigens auch Auslöser für die französische Revolution gewesen sein, da er solch gravierende Auswirkungen auf das Wetter hatte, dass auch die Ernten auf dem europäischen Festland miserabel ausfielen. Angeblich führte dies dann zum Ausbruch der Revolution in Frankreich.

Die ersten ernsthaften Versuche, eine funktionierende Exportwirtschaft aufzubauen, unternahm im Jahre 1750 Skúli Magnússon, seines Zeichen königlicher Schatzmeister für Island. Er strebte ein Joint Venture, also ein gemeinsames Tochterprojekt zweier Kapitalgesellschaften, zwischen Island und der dänischen Krone an. Hierbei sollte die Wollindustrie im Mittelpunkt stehen und mehrere weiterverarbeitende Wollmanufakturen gebaut werden. Das Projekt scheiterte dann aber an dem Desinteresse Dänemarks.

Späte Industrialisierung mit Schwerpunkt auf dem Fischfang

Eine wirkliche Wirtschaft entstand in Island erst im Jahre 1904, also viel später als in allen anderen europäischen Ländern. In jenem Jahr gelangte nämlich die Elektrizität nach Island, als man einen kleinen Generator in Hafnarfjörður baute. Ab jenem Zeitpunkt blühte der heute wichtigste Zweig der isländischen Wirtschaft auf: Der Fischfang. Obwohl auch einige Molkerei- und Wollbetriebe gebaut wurden, investierte man vor allem in die reichen Fischgründe des Landes. Es wurden mehrere Schleppnetzfischer importiert, sogenannte Trawler, und der großangelegte Fischexport begann.

Seit jenem Zeitpunkt begann die isländiche Bevölkerung zu wachsen und noch heute ist Island eines der wenigen europäischen Länder, dass ein konstantes Bevölkerungswachstum verzeichnen kann.

Tim Ruster, © Tim Ruster

Tim Ruster - Tim Ruster ist 20 Jahre alt und studiert Jura in Köln. Im Laufe der Zeit hat er sich eine Menge Wissen über ...

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