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Inflationsindexierte Anleihen sind speziell konstruierte Finanzprodukte, die dem Anleger einen Schutz gegen den inflationsbedingten Verlust erwirtschafteter Zinsen bieten. Dabei sehen Anleihen eine Steigerung ihres Nennwertes gekoppelt an die Inflationsrate vor.
Wie funktionieren inflationsindexierte Anleihen?
Vereinfacht gesagt funktionieren diese Schuldverschreibungen so, dass der Kupon – also die Verzinsung des Nennwerts der gekauften Anleihen – im Gegensatz zu ‚normalen’ Anleihen niedriger ist, dabei jedoch steigt, sobald die Inflation anhebt,. Damit profitiert der Anleger bei konstanter oder gar sinkender Inflation nicht, jedoch umso mehr, sobald die Teuerungsrate ansteigt und Geld weniger Wert ist, erhält er doch jährlich einen um die Inflationsrate erhöhten Kupon und bei Laufzeitende auch die um die Inflationsraten erhöhte Tilgung. Inflationsindexierte Anleihen orientieren sich am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), der in Deutschland vom Statistischen Bundesamt berechnet, herausgegeben und aktualisiert wird. In der Eurozone ist das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) dafür verantwortlich.
Seit wann gibt es inflationsindexierte Anleihen?
Im März 2006 begab die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland GmbH zum ersten Mal eine inflationsindexierte Anleihe mit dem Ziel, Teile der Haushaltsschulden mit den Einnahmen der regelmäßigen Emissionen zu decken. Bis zum Jahr 2000 war diese Anlageform in Deutschland verboten, befürchtete man doch, dass die Ausgabe dieser Papiere die Angst vor und damit die Inflation selbst anheizen könnte. In den USA sind Inflation Linked Bonds seit Ende der 70er Jahre auf dem Markt und erfreuen sich seither großer Beliebtheit.
Was sind inflationsindexierte Fonds?
Inflationsindexierte Fonds ihrerseits investieren ihr Kapital in weltweit emittierte inflationsindexierte (Staats)Anleihen. Dadurch kann der Anleger durch Diversifikation des Risikos und verschiedene wirtschaftliche Szenarien unterschiedlicher Staaten in mehrfacher Hinsicht profitieren. Werden die Anleihen aus Staaten außerhalb der Eurozone begeben, sollte daran denken, dass die Nominalwährung (Währung der Anleihe, die bei Laufzeitende zurückzahlt wird) dieser Fonds nicht zwangsläufig in Euro zurückgezahlt wird und Wechselkursschwankungen eben auch Wechselkursrisiken- und Chancen, also Währungsverluste oder auch Währungsgewinne, bedeuten können. Insofern werden manche Anleihen in diesen Fonds als Swaps begeben, was bedeutet, dass die Währungen bei Laufzeitende zurückgetauscht werden und in der Regel ein fixer Rücktauschkurs schon bei Emission fest vereinbart wurde. Entsprechend niedriger fällt hierbei jedoch der Gewinn beziehungsweise der Kupon aus. Inflationsindexierte Fonds weisen eine geringe Volatilität auf, da die im Fonds enthaltenen inflationsindexierten Anleihen aufgrund der speziellen Konstruktion kaum auf Inflationsänderungen reagieren. Um jedoch den Ertrag ein wenig über die übliche niedrige Verzinsung von sicheren Papieren wie eben Staatsanleihen zu steigern, mischen einige Fondsmanager auch klassische festverzinsliche Anleihen ohne Inflationsschutz bei.
Warum inflationsindexierte Anleihen und Fonds?
Betrachtet man die momentane Entwicklung der Finanzmärkte und Weltwirtschaft, so mag man teilweise den Skeptikern unter den Fachleuten zustimmen, wenn diese aufgrund immer höherer staatlicher Hilfen die Inflation quasi schon an die Tür klopfen hören. Ähnlich wie nach den Terroranschlägen im September 2001 und den darauf folgenden drastischen Senkungen der Leitzinsen weltweit, verbilligt sich Geld und damit schwindet auch dessen Wert, weil einfach zu viel davon im Umlauf ist. Ziehen die Preise für Lebensmittel und Energie dazu noch an, verliert Geld noch schneller an Wert und die Inflation steigt. Insofern bangen viele Käufer von niedrig verzinsten Staatsanleihen um ihre Rendite, die im schlimmsten Fall von der steigenden Inflation amortisiert werden könnte. Inflationsindexierte Anleihen und Fonds wollen in dem Sinne die Kaufkraft des eingesetzten Kapitals schützen beziehungsweise erhalten.
Chancen und Risiken inflationsindexierte Anleihen und Fonds
Die Chancen bei diesen Produkten liegen für den Anleger sicher in der Option, dass sein investiertes Geld durch den Inflationsschutz auch bei steigender Inflation denselben Wert behält, den es auch ohne Geldentwertung hätte. Bei Fonds profitiert der Anleger weiterhin von der Streuung des Investments und dessen Verteilung auf Anleihen verschiedener Staaten. Die Beimischung anderer, klassischer Anleihen mit hohem Rating kann dabei auch mehr Gewinne bedeuten.
Risiken ergeben sich in dem Sinne dann, wenn die Inflation nicht ansteigt. So ist aktuell trotz großer Liquidität die Inflation sehr niedrig, was auch auf niedrige Ölpreise durch wenig Nachfrage zurückzuführen ist. Aber auch, wenn die Inflation zwar steigt, die jeweiligen Staaten als Emittenten jedoch mehr und mehr Anleihen begeben müssen, um an liquide Mittel zu gelangen oder die Leitzinsen weiter gesenkt werden und dadurch die Rendite der Anleihe steigt, sinkt der Wert der Anleihe, da das Angebot dann die Nachfrage übersteigt.
Für wen eignen sich inflationsindexierte Anleihen und Fonds?
Inflationsindexierte Anleihen und Fonds eigen sich in erster Linie für konservative Anleger, die großen Wert auf Sicherheit und Schutz vor inflationsbedingten Verlusten ihres Kapitals setzen.
Zertifikate auf Inflation
Auch der Zertifikate-Markt kennt Beteiligungen an der Infaltionsentwicklung. Zahlreiche Emittenten haben entsprechende Pordukte aufgelegt und mit verschiedenen Austattungsmerkmalen versehen. Manche Zertifikate schütten demnach das erste und/oder zweite Jahr einen fixen Zinssatz aus und beginnnen sich erst dann am harmoniserten Verbraucherpreisindex ex Tobacco (HVPI ex Tobacco) zu orientieren bzw. ihren Kupon daran zu koppeln. Da sich die Inflationsängste momentan nicht bewahrheiten, zahlen sich demnach auch Zertifikate auf Inflation nicht wirklich aus, so dass mittlerweile keine Briefkurse - also Verkaufskurse - seitens der Banken angeboten werden, die Zertifikate also ausverkauft sind und keine neuen mehr aufgelegt werden.
