
- Innere Stärke durch Selbstfürsorge - © knipseline / pixelio.de
"Jetzt bin ich dran!" "Endlich Ich" "Urlaub für die Seele" immer wieder tauchen diese oder ähnliche Themen in Frauen- oder Gesundheitszeitschriften auf. Das Bedürfnis aufzutanken, neue Energie zu gewinnen und Kräfte zu schöpfen ist groß. Kein Wunder in einer Gesellschaft, in der Leistungsstärke und Erfolg zu den obersten Werten zählt, in der viele Menschen das Gefühl kennen, nur noch zu funktionieren und die Zahl der von Burnout Betroffenen zunimmt. Soweit muss es aber nicht kommen, wenn die Fürsorge für sich selbst, trotz ausgefülltem Alltagsleben, ihren Platz behält.
Selbstfürsorge - was ist das?
Der Begriff der "Selbstsorge" wurde von dem französischen Philosophen und Psychologen Michel Foucault (1926-1984) im Sinne der Eigenverantwortung verwendet und findet sich heute hauptsächlich im Bereich helfender Berufe wieder. Die Fähigkeit für andere zu sorgen, gründet sich immer auch in der Fürsorge für sich selbst. Selbstfürsorge drückt sich in einer inneren Haltung der Wertschätzung sich selbst gegenüber aus. Sie bedeutet, achtsam mit seinen Bedürfnissen, Gefühlen und Kräften umzugehen, mit dem Ziel die eigene Gesundheit an Körper, Geist und Seele zu erhalten.
Selbstfürsorge und die Vorbeugung von Burnout
Menschen, die an Burnout leiden, haben meistens über längere Zeit ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu sehr zurückgestellt und die Grenzen der eigenen Kräfte dauerhaft überschritten. Oftmals ist ihnen auch die Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse und Grenzen verloren gegangen. Eine ausreichende Selbstfürsorge zurückzugewinnen, gehört daher zur Behandlung des Burnout. Genauso kann umgekehrt eine gute Selbstfürsorge vor dem erneuten Ausbrennen schützen.
Säulen der Selbstfürsorge
Die wichtigsten Aspekte der Selbstfürsorge beziehen sich auf folgende Bereiche:
- Selbstachtsamkeit - auf seine Bedürfnisse zu achten und sie äußern
- Selbstwertgefühl - die eigenen Fähigkeiten schätzen und anerkennen
- Selbstakzeptanz - Stärken, Schwächen und Grenzen annehmen
- Entspannung und Genuss - für das eigene Wohlbefinden sorgen
Hilfe annehmen und Nein sagen
Wer seine Grenzen kennt und mehr auf sich achten will, muss lernen "Nein" zu sagen, Aufgaben zu delegieren und angebotene Hilfe anzunehmen. Die Sorge vor unangenehmen Konsequenzen ist meistens unbegründet. Wer seine Schwächen nicht leugnet und Hilfe annehmen kann, ist menschlicher und ein "Nein" verschafft mitunter sogar Respekt und Achtung.
Pausen und Rückzug
Besonders wenn man viel im Kontakt mit anderen Menschen ist, sei es in Familie oder Beruf, kann es wichtig sein, sich zurückzuziehen und für eine Weile nicht ansprechbar zu sein. Gut also, wenn man die Tür zumachen und das Handy ausschalten kann. Dabei sind kurze Pausen häufig realistischer und oft eher eine Frage der Gewohnheit als der Zeit.
Wie kann ich meine Selbstfürsorge verbessern?
Selbstfürsorglich kann nur sein, wer seine Bedürfnisse wahrnimmt und kennt. Wenn man also seine Fähigkeit der Selbstfürsorge verbessern möchte, gilt es seine Bedürfnisse noch deutlicher wahrzunehmen, um entsprechend für sich selbst eintreten zu können. Folgende Schritte können helfen:
- Notieren Sie am Ende des Tages, was ihnen gut getan hat und wodurch Sie neue Kraft tanken konnten. Welche Pausengestaltung möchten Sie wiederholen?
- Halten Sie fest, wann Sie auf Ihre Grenzen geachtet haben!
- Schauen Sie in Zeitschriften nach Anregungen zum Entspannen und Geniessen. Probieren Sie mindestens eine Anregung aus.
- Schreiben Sie spontan auf, was Ihre drei wichtigsten Kraftquellen sind und schaffen Sie sich täglich den Freiraum wenigstens eine umzusetzen.
Beim Einüben neuer Gewohnheiten zur Selbstfürsorge geht es dabei weniger darum, noch mehr Termine zu haben oder gar ein weiteres "Programm" abzuarbeiten, sondern mehr um die Wahrnehmung, was man für sein Wohlbefinden braucht und dies passend zur Situation flexibel umzusetzen.
Schwierigkeiten bei der Selbstfürsorge
Jeder, der schon einmal festgefahrenes oder unliebsames Verhalten ändern wollte, weiss es: sich neue Gewohnheiten anzueignen, kostet Energie und ist Arbeit. Doch die Mühe und Geduld mit sich selbst, zahlt sich durch höheres Wohlbefinden aus. Außerdem gibt es bei manchen Menschen innere Glaubenssätze, die eine Veränderung zusätzlich erschweren - wie beispielsweise "erst die Arbeit, dann das Vergnügen" oder "ich muss doch helfen …".
Mangelndes Selbstwertgefühl
Menschen, die sich selber nicht wertschätzen, haben es schwer, gut mit sich umzugehen. Suchtverhalten und Depressionen treten beispielsweise zusammen mit einem mangelnden Selbstwertgefühl auf. Daher gehen süchtige und depressive Menschen nicht fürsorglich mit sich um. Das Gefühl für ihre Bedürfnisse ist ihnen nur schwer zugänglich und sie wissen meistens nicht, wie sie sich angemessen für sich einsetzen können. In diesem Fall kann psychotherapeutische Hilfe notwendig sein. Erst wenn ihre Selbstachtung ausreichend ist, sind die Betroffenen in der Lage, in guter Weise für ihr Wohlbefinden zu sorgen.
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Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Psychotherapeuten - nicht ersetzen kann.
