Im Auftrag des Bundes der deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Telekom Stiftung hat das DIW zum dritten Mal im Jahr 2007 die Innovationsfähigkeit der 17 Volkswirtschaften ermittelt. Im Wochenbericht 48/2007 des DIW wird über die wichtigsten Ergebnisse berichtet.
Zur Bestimmung des Innovationsindikators werden viele Einzelindikatoren gruppiert. Daraus entstehen ein Systemindikator und ein Akteursindikator. Der Systemindikator fasst die Rangplätze der Bereiche des Innovationsgeschehens zusammen. Diese Bereiche sind:
- Bildung
- Forschung und Entwicklung
- Finanzierung von Innovationen
- Vernetzung der Innovationsakteure
- Umsetzung in die Produktion
- Regulierung und Wettbewerb
- Innovationsfreundliche Nachfrage
Der Akteursindikator berücksichtigt die handelnden Gruppen
- Staat
- Bürger
- Unternehmer
und entsteht auf der Basis von Befragungen.
Diese normierten Indikatoren werden weiter zu einem Innovationsindikator zusammengefasst, der auf den Wertebereich 1 bis 7 normiert ist. Dabei soll ein höherer Wert eine höhere Innovationsfähigkeit anzeigen.
Die Ergebnisse
Den Spitzenplatz im internationalen Vergleich nimmt diesmal Schweden, das den Rang mit den USA tauschte, ein. Deutschland liegt mit Rang 8 im Mittelfeld der Vergleichsgruppe. Wie schon in früheren Jahren, so halten auch diesmal wieder Spanien und Italien die rote Laterne.
Rang Land Innovationsindiaktor
- Schweden 7,00
- USA 6,92
- Schweiz 6,81
- Finnland 6,65
- Dänemark 6,00
- Japan 6,64
- Großbritannien 5,38
- Deutschland 5,18
- Niederlande 5,00
- Kanada 4,90
- Frankreich 4,56
- Irland 4,36
- Belgien 4,35
- Österreich 4,14
- Südkorea 3,87
- Spanien 1,38
- Italien 1,00
Weitere Untersuchungen gruppieren diese Länder. Dabei bilden Deutschland, Österreich, Schweiz und Japan einen Club mit ähnlichen Stärken und Schwächen.
Fazit des Instituts
Deutschland gehört hinsichtlich der Innovationsfähigkeit nicht zur Spitzengruppe der in die Untersuchung einbezogenen Volkswirtschaften. Es hat eine starke Seite, nämlich eine gewachsene „Innovationslandschaft“. So sind deutsche Unternehmen mit technologisch anspruchsvollen und innovativen Produkten weltweit erfolgreich. Sie profitieren dabei von einer guten Infrastruktur und der Qualität der Forschung.
Doch das Fundament für anhaltend erfolgreiche Innovationskraft sind die qualifizierten Mitarbeiter. Und hier ist der Schwachpunkt für die Zukunft und die Ursache für das bisher mittelmäßige Abschneiden Deutschlands. Das deutsche Bildungssystem bringt zu wenige Hochqualifizierte hervor. Hier droht Gefahr für den Standort Deutschland. Das Problem wird dringend, denn ab 2015 scheiden geburtenstarke Jahrgänge aus dem Erwerbsleben aus.
Hingewiesen wird in dem Beitrag noch darauf, dass auch die Ressourcen, die gut ausgebildete Frauen und qualifizierte Zuwanderer mit bringen, nicht ausgeschöpft werden. Gesellschaftliche Vorurteile werden hier als Ursache genannt. Weiter wird auf eine zu geringe Aktivität der Unternehmer bei der Weiterbildung als Schwachpunkt verwiesen.
Schließlich wird auf die in Deutschland wenig ausgebildete Risikokultur, verbunden mit strikten Regulierungen und unzureichenden Finanzmöglichkeiten, als weitere Schwachpunkte hingewiesen.
Was nicht berichtet wird
Der Beitrag im Wochenbericht, und natürlich noch ausführlicher die Gesamtstudie, zeigen deutlich auf, wo Ansätze zur Verbesserung der Innovationskraft der deutschen Volkswirtschaft zu finden sind. Die deutsche Politik findet hier reichlich Hausaufgaben.
Vermisst wird ein Vergleich der Innovationsfähigkeit der Europäischen Union insgesamt. Denn offenbar, wie die Einstufung von Spanien und Italien zeigen, gibt es hier noch Regionen mit Nachholbedarf. So drängt sich aus den vorliegenden Ergebnissen auf, dass die EU als Ganzes auf einem vergleichweise niedrigen Wert landen wird. Ein Ergebnis, dass sicher ebenso Anlass zur Sorge sein sollte wie der dann noch vergleichsweise gute Wert für Deutschland.
Schön wäre es auch, bei dieser Untersuchung alle Nachbarländer Deutschlands zu betrachten. Insbesondere Polen und Tschechien sollten doch bei weiteren Untersuchungen dieses Themas einbezogen werden.
Die vollständige Studie mit 123 Seiten ist unter www.innovationsindikator.de zugänglich.
