Stasi-Gefängnis in Berlin: DDR-Geschichte

Ein "Ostalgie-Trip" zur Gedenkstätte Hohenschönhausen

Zellen im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen Berlin - Michael Werner Nickel - Pixelio
Zellen im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen Berlin - Michael Werner Nickel - Pixelio
Das Museum bietet einen Einblick in die Gefängnisse und Haftlager der DDR-Regierung. Es ist Mahnmal für die Opfer des Regimes und ein wichtiger Ort der Zeitgeschichte.

Das Gelände der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen steht wie wenige andere Orte in Deutschland für die Geschichte politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR.

Ein zeitgeschichtlicher Ort des Gedenkens mit Forschungsauftrag

In einem Außenbezirk der Hauptstadt befindet sich seit 1994 eine Gedenkstätte. Die Grundstücke und Gebäude des Gefängnisses wurden ihr vom Land Berlin zur unentgeltlichen Nutzung überlassen. Der Ort des Gedenkens hat die gesetzliche Aufgabe, die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen. Er informiert über Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen, regt aber auch zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung sowie Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur an. Am Beispiel dieses Gefängnisses wird zugleich über das System der politischen Justiz informiert.

Da große Teile der Gebäude und der Einrichtung fast unversehrt erhalten geblieben sind, vermittelt die Gedenkstätte ein sehr authentisches Bild des Haftregimes in der DDR. Wegen ihrer geographischen Lage in der Bundeshauptstadt gilt sie als wichtigster Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Die Gedenkstätte wurde im Jahr 2007 von mehr als 208.000 Menschen besucht, darunter mehr als die Hälfte Schüler (Stand: 07.01.2008). In der Regel führen ehemalige Häftlinge die Besucher durch das Gefängnis und informieren sie über die Haftbedingungen und Verhörmethoden des DDR-Staatssicherheitsdienstes.

Das Gelände zeigt unterschiedliche Facetten des Gefängnisalltags

Zum Komplex der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gehören mehrere Gebäude. Die ehemalige Großküche, die nach 1945 als Lager und in den 1950er Jahren als Untersuchungshaftanstalt diente (Altbau) und der neue dreistöckige Gefängnisbau mit angegliedertem Vernehmertrakt (Neubau). Außerdem das mehrfach erweitere Haftkrankenhaus des Staatssicherheitsdienstes und der so genannte Werkstatthof mit Unterkünften und Werkstätten für etwa 25 männliche Strafgefangene. Diese mussten dort handwerkliche Arbeiten verrichten. Weiterhin sehen Sie einen ausgedehnten Garagentrakt für die Fahrzeuge der Beschäftigten. Die äußeren Befestigungsanlagen mit drei Wachtürmen, einer Fahrzeugschleuse und einer vier Meter hohen, stacheldrahtbewehrten Mauer dienten zur Abschirmung der Insassen.

Buchtipp: ein Roman verarbeitet das Thema

Im Februar 2008 ist im Eichborn-Verlag der Roman "Drei Sieben Fünf" von Marc Buhl erschienen. Die Handlung in Kurzfassung: "Irgendwo am Rande des Schwarzwalds wird der Antiquitätenhändler Paul Cremer mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Doch wie durch ein Wunder überlebt er den Selbstmordversuch. Als er aus dem Koma erwacht, ist er davon überzeugt, 22 Jahre alt zu sein und im Ost-Berlin des Jahres 1989 zu leben, genauer: im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Er erkennt weder seine Ehefrau noch seine Kinder, und nur mit Mühe ist er davon zu überzeugen, dass es inzwischen den Staat, der ihn willkürlich festgenommen hatte, nicht mehr gibt. In einem schmerzhaften Erinnerungsprozess nähert sich Cremer mit Hilfe eines Neuropsychologen der verloren gegangenen Lebensgeschichte wieder an und entdeckt, wer sein Leben zerstört hat. Ein fast erfolgreicher Selbstmord ist grausam - vor allem, wenn man nicht mehr weiß, warum man es getan hat. Ein aufwühlender und brillant erzählter Roman über einen Mann, der sich auf die Suche nach einer Vergangenheit macht, die ihn fast getötet hat." (Quelle für das Zitat: die Webseite des Verlages.) Das Werk kostet 19,95 Euro und hat die Bestellnummer (ISBN) 382185782X .

Öffnungszeiten der Gedenkstätte und zusätzliche Infos

Das Gelände ist nur mit Führung zu besichtigen. Öffentliche Führungen finden von Montag bis Freitag jeweils um 11 und 13 Uhr statt. Am Samstag und Sonntag sogar stündlich zwischen 10 und 16 Uhr. Der Eintritt beträgt vier, ermäßigt nur zwei Euro, montags ist der Besuch kostenlos. Weitere Informationen sowie die Adresse der Gedenkstätte finden Sie im Internet. Eine tagesfüllende "Ostalgie-Tour" auf den Spuren der DDR, die bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen ist, wird auf der Webseite der Berliner Touristeninformation vorgestellt.

Lesen Sie auch gern den Artikel zum Bürgertag in der früheren Zentrale der Staatssicherheit.

Bildnachweis: Copyright by Michael Werner Nickel / Pixelio.de

Helmi Schäfer, fotografiert von Nils Wiemer Wiemers

Helmi Schäfer - Journalist seit 1987Hörfunk- und FernsehredakteurMultimediaPolitologe & Producerseit Januar 2008 bei ...

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