Die Gläubiger von Hollywoods legendärem Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) stimmten am 31. Oktober 2010 in New York für einen Konkursplan, der von der US-Firma Spyglass Entertainment angeboten wurde. Der Deal zur Rettung des maroden Filmstudios würde Spyglass an die Spitze von MGM setzen. Das Studio war in diesem Frühjahr unter einer Schuldenlast von knapp 4 Milliarden US-Dollar zusammengebrochen. Die Gläubiger wiesen Konkurrenzangebote von Warner Brothers Entertainment und Kanadas Lionsgate Studio ab.
Filmstudio MGM: Ausweg aus der Schuldenfalle
Die vergangenen Monate waren für das verschuldete Filmstudio hoch problematisch, da die Arbeit an etlichen Film- und Fernsehprojekten unterbrochen werden musste, darunter auch die Produktion des aktuellen 23. James Bond Streifens. MGM war in die schwerste finanzielle Krise seit Bestehen des Studios geraten, nachdem mehrere Filme an der Kinokasse floppten und die Umsätze auf dem DVD-Markt erheblich einbrachen. Laut Branchenblatt Deadline.com soll der Konkursplan MGM von der Schuldenlast befreien. Die Gläubiger sollen zu Eigentümern werden und 95 Prozent Anteile an der umstrukturierten Firma erhalten. Die übrigen 5 Prozent würden dann an Spyglass Entertainment und dessen Tochtergesellschaften fallen mit den Geschäftsführern von Spyglass, Gary Barber und Roger Birnbaum, in der Rolle als MGMs neue Co-Vorstandsvorsitzende.
MGM teilte in einer Presserklärung mit, dass die Gläubiger dem von Spyglass vorgeschlagenen Insolvenzplan mit überwältigender Mehrheit zustimmten. Die finanzielle Rettung von MGM ist der Schlüssel für die weitere Produktion diverser Filmblockbuster.
MGM-Pleite: Filmreihen „James Bond“ und „Der kleine Hobbit“ liegen auf Eis
Das Filmstudio mit dem markanten Löwenkopf zeichnet für mehrere große Filmreihen verantwortlich. Am bekanntesten ist die „James Bond“-Reihe um den britischen Geheimagenten 007, deren Filmrechte seit dem ersten Streifen „James Bond – 007 jagt Doktor No“ in den Händen des Traditionsstudios liegen. Nach Bekanntwerden der Schuldmasse von 4 Milliarden US-Dollar hatte Bond-Produzentin Barbara Broccoli im April 2010 verkündet, dass die Produktion am 23. Bond-Film mit Daniel Craig auf unbestimmte Zeit verschoben würde. Nach Abschluss der Verkaufsverhandlungen zwischen MGM und Spyglass und dem Vorlegen eines potenten Insolvenzplans wird sich zeigen, ob die Dreharbeiten bald aufgenommen werden können.
Eine weiteres Großprojekt ist ebenfalls von der Insolvenz betroffen. Das traditionsreiche Filmstudio hatte sich vor einigen Jahren die Rechte an der zweiteiligen Verfilmung von „Der kleine Hobbit“ gesichert. Die Vorgeschichte zu J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ sollte unter der Regie von Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“, „Hellboy“-Reihe) verfilmt werden. Die aus der finanziellen Lage resultierenden Verzögerungen führten schließlich dazu, dass del Toro das Projekt verließ und nun Peter Jackson, Regisseur der „Herr der Ringe“-Trilogie, die Zügel abermals in die Hand nimmt, wenn das Projekt grünes Licht erhält.
Sci-Fi Franchise „Stargate“: TV-Filme von MGM-Pleite betroffen
Direkte Auswirkungen auf die MGM-Pleite spürten auch die Verantwortlichen der Science-Fiction-Serie „Stargate“. Das bei Genrefans beliebte Franchise um ein Sternentor, das Menschen in fremde Welten schicken kann, entwickelte sich nach der Roman- und Kinofilmvorlage von Roland Emerich zu einem TV-Phänomen. Neben der Originalserie „Stargate: Kommando SG-1“ (1997-2007), den Ablegern „Stargate: Atlantis“ (2004-2009) und „Stargate Universe“ (seit 2009) produzierte MGM mehrere TV-Spielfilme um die Sternenreisenden. Seit vergangenem Jahr liegen dem Studio die Drehbücher für zwei weitere TV-Filme, „Stargate: Revolution“ und „Stargate: Extinction“ vor, deren Produktion jedoch bis auf weiteres nicht freigegeben wurde. Fans der Serie hoffen, dass die Filme nach der Übernahme endlich in Produktion gehen, nachdem MGM bekannt gab, 500 Millionen Dollar für die Herstellung mehrerer Filme und Fernsehserien bereitstellen zu wollen. Dazu müssen die Produzenten allerdings MGM/Spyglass mit einem Konzept überzeugen, wie sie die Filme auf dem angeschlagenen DVD-Markt in einen Gewinn umzumünzen gedenken.
