Insolvenz angemeldet: Typhoon AG

Die Produktionsfirma des früheren RTL-Programmchefs Conrad insolvent

Logo Abschnitt 40 - Typhoon AG / RTL
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Nach Hans Meiser und seiner Crea TV ist nun die Firma eines weiteren RTL-Urgesteins in wirtschaftliche Schieflage geraten: Marc Conrad musste Insolvenz anmelden.

Der Brancheninformationsdienst Kress meldete am 12. März 2009 per Blitznachricht, dass das Amtsgericht Köln schon am 10. März 2009 das Insolvenzverfahren über die Typhoon AG eröffnet hat. Nach den Angaben der Mitteilung hat sich die Firma in Absprache mit ihren juristischen Beratern und Wirtschaftsprüfern zu diesem Schritt veranlasst gesehen.

Geschäftsführer Marc Conrad äußerte sich zuversichtlich dahingehend, dass der Insolvenzverwalter berechtigte Ansprüche der Typhoon AG durchsetzen wird. Zwischen den Zeilen der Pressemitteilung ist zu erkennen, dass damit wohl eine Forderung gegen den WDR gemeint ist. Die Typhoon und der WDR scheinen gegensätzlicher Auffassung darüber zu sein, wer bei der laufenden Umsetzung des Projekts "Im Angesicht des Verbrechens" entstandene Mehrkosten zu übernehmen hat.

Diese Mehrkosten sind wohl für die Schwierigkeiten der Typhoon verantwortlich. Sie sind nach Aussagen des Regisseurs Dominik Graf gegenüber der Presse dadurch entstanden, weil sich die Drehzeit verlängert hat. Behördliche Auflagen in Bezug auf die Arbeitsbedingungen machten zwölf zusätzliche Drehtage erforderlich: Verletzungen des Arbeitszeitgesetzes wegen Überstunden und Nichteinhaltung von Ruhezeiten wurden moniert.

Lesen Sie hier mehr zu den Schauspielern von "Im Angesicht des Verbrechens"

Der Schritt, Insolvenz anzumelden, sei nach weiteren Angaben Conrads nötig gewesen, um Schaden von anderen Projekten und der Firma abzuwenden. Der WDR wollte nach Medienberichten nur sechs zusätzliche Drehtage zahlen: Können die Kosten für nur sechs weitere Drehtage eine Firma wie die Typhoon AG tatsächlich zu Fall bringen? Hatte sie so wenig Substanz?

Marc Conrad war unter RTL-Chef Helmut Thoma für die Programmgestaltung des Kölner Senders verantwortlich

Nach seiner Zeit als RTL Programmdirektor stieg Marc Conrad 1999 als Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter in die Produktionsfirma Typhoon AG ein. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Friedrich Wildfeuer feierte Conrad herausragende Erfolge: Für RTL produzierten sie nicht nur die "Freitag Nacht News", sondern auch die mehrfach preisgekrönte Krimiserie "Abschnitt 40". Mit Regisseur Oliver Hirschbiegel realisierte die Typhoon AG den Kinofilm "Das Experiment" mit Moritz Bleibtreu, Christian Berkel, Wotan Wilke Möhring, Oliver Stokowski und Andrea Sawatzki nach einem Drehbuch von Mario Giordano und dessen Romanvorlage. Deutschlandpremiere war der 08. März 2001.

2004 feierte "Das Zimmermädchen und der Millionär" Premiere. 2005 erzählt die Firma "Vom Suchen und Finden der Liebe"; ebenfalls mit Moritz Bleibtreu und vier Porschefahrzeugen, die auf Wunsch von Klaus Steckkönig, dem früheren Rennfahrer und bis Anfang 2005 für das Placement von Porsche verantwortlichen Abteilungsleiter der Porsche AG, dem Film durch die Kölner Agentur Onscreen beigestellt wurden. Der Kinofilm war nicht erfolgreich; die Geschichte nach Ansicht des damaligen Betreuers der Agentur hirnrissig.

Wenig Erfolg mit SAT.1

In den Jahren 2001 und 2002 entstand für den Sender SAT.1 die Serie "Die Anstalt – Zurück ins Leben". Die Quoten blieben weit hinter den Erwartungen zurück; die frühzeitige Absetzung führte dazu, dass die Folgen 15 bis 26 erst 2008 ihre Bildschirmpremiere erlebten. Auch der Dreiteiler "Blackout" und die Serie "GSG9" entstanden für den Bällchensender, aber auch ihnen blieb der Erfolg verwehrt. "GSG9" war billig aussehend inszeniert, erzählte spannungslose Geschichten und weckte durch die Wahl ihres Titels Erwartungen, denen sie nicht gerecht werden konnte.

Öffentlich-Rechtliches und die Typhoon AG

Am 08. Mai 2008 wurde der Thriller "Freischwimmer" von Regisseur Andreas Kleinert und Koproduzent WDR vorgestellt. "Im Angesicht des Verbrechens" konnte sich im gleichen Jahr der Inszenierungskünste von Dominik Graf versichern. Am 21. Mai 2008 feierte der Spielfilm "Patchwork" von Regisseurin Franziska Buch seine Premiere.

Mehrfach preisgekrönt: "Abschnitt 40"

Ein sehr großer Erfolg dagegen war die in Berlin inszenierte Krimiserie von RTL und der Typhoon AG. Bei "Abschnitt 40" standen die Geschichten der Polizisten, deren Charakter und die Reaktion der Figuren auf bestimmte Ereignisse im Dienst im Vordergrund. Die Episoden erzählten die Geschehnisse eines Tages; eingefasst von einer Rahmenhandlung, die die Handlung aus vorangegangenen Folgen wieder aufgreift. Es wirken unter anderem mit: Ole Puppe, Sebastian Bezzel, Heinz-Werner Kraehkamp, Anne Kasprzik, Eva Meier und Oliver Elias.

Gewürdigt wurde die Arbeit an der optisch und inhaltlich sehr ansprechenden Serie mit zahlreichen Auszeichnungen: Deutscher Fernsehpreis (Schnitt) sowie Bronze Medal New York Festival (beide 2001), Festival de Télévision de Monte Carlo (Best European Producer, 2003) sowie wiederum Deutscher Fernsehpreis (2003, beste Serie). Diesen gab es 2005 gleich zweifach für den Nachwuchs (Josefine Preuß, Folgen 21, 23 und 24) sowie für die beste Serie.

2004 erntete "Abschnitt 40" den Bayerischen Fernsehpreis und den Robert-Geisendörfer-Preis für Christoph Darnstädt (Buch) und Florian Kern (Regie) für die Folge 11 ("Straßen der Nacht") sowie – natürlich – die Auszeichnung Deutscher Fernsehpreis (beste Serie). 2006 gab es den Deutschen Fernsehkrimipreis für das Ensemble. Dennoch endete das Kapitel "Abschnitt 40" eher ruhmlos, weil RTL durch eine eher stiefmütterliche Politik in Bezug auf den Sendeplatz das Stammpublikum vergraulte.

Zwischen November 2004 und Februar 2005 kehrte Conrad kurz als Geschäftsführer der RTL-Gruppe zurück

In diesem Zeitraum ruhte seine Tätigkeit bei der Typhoon AG. Nach der Insolvenzanmeldung hat nun der Kölner Rechtsanwalt Wolfgang Delhaes das Sagen bei der Produktionsfirma. Die ehemaligen Mitarbeiter der Kölner Agentur für Product Placement, der Onscreen TV Kommunikationsges. mbH, haben zu ihm einen eher negativen Eindruck gewonnen, nachdem ihre Arbeitgeberin und Vertragspartnerin der Fiat AG und der Porsche AG für Product Placement insolvent wurde.

Film- und Fernsehproduzent Marc Conrad dagegen nimmt neue Projekte ins Visier: Im April 2009 hat er die Firma ConradFilm GmbH & Co. KG gegründet, die sich den Angaben im Handelsregister zufolge um die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Medienprodukten aller Art kümmert. Keine Frage, dass auch dieses Unternehmen des erfahrenen Machers erfolgreiche Produkte hervorbringen wird.

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Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

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