Instinkt und Wahrnehmung bei Pferden

Wie "denken" Pferde und wie interpretiert man ihr Verhalten richtig?

Auge eines Pferdes - Carolin Daum
Auge eines Pferdes - Carolin Daum
Um das Verhalten von Pferden zu verstehen, muss man wissen, dass das Pferd ein Herden- und Fluchttier ist und dass seine Sinne darauf ausgerichtet sind.

Pferde haben sehr feine Sinne, die auf das Leben in der Herde und in der Wildnis ausgerichtet sind. Beim Umgang mit einem Pferd sollte man sich bewusst sein, dass das Pferd in freier Natur ein Fluchttier ist und weite Steppen oder Landschaften gewohnt ist, in denen es unangenehmen Situationen meist erfolgreich ausweichen kann.

Die Augen – wie gut sieht ein Pferd?

Es wird vermutet, dass Pferde im Allgemeinen eher kurzsichtig sind und dass sie, sich ihnen nähernde Gestalten, besser erkennen können, wenn diese in Bewegung sind. Allerdings gibt es keine Beweise für diese Vermutung.

In der Dunkelheit finden sich Pferde äußerst gut zurecht.

Aufgrund seiner weiten Augenstellung hat das Pferd einen sehr großen Sehkreis von 360 Grad, das ist doppelt soviel wie der Sehkreis eines Menschen.

Der Geruchssinn

Der Geruchssinn des Pferdes ist sehr fein und weit entwickelt. Mit seinen Nüstern kann das Pferd auch giftige von ungiftigen Pflanzen unterscheiden.

Sehr wichtig ist es für das Pferd, alles Fremde zuerst einmal zu beschnuppern, das sollte beim Umgang mit dem Pferd zum Beispiel beim Verladen oder bei Hindernissen im Gelände beachtet werden.

Das Gehör des Pferdes – Ohren die sich auf einzelne Geräusche konzentrieren können

Pferde haben ein sehr feines Gehör und durch die Beweglichkeit der Ohren können sie Geräusche in jeglicher Richtung wahrnehmen und filtern.

Für den Menschen bedeutet das, dass die Tonlage und die Veränderung der Stimme vom Pferd sofort wahrgenommen werden kann. Dies kann Vorteile beim Loben und Beruhigen haben.

Der Tastsinn des Pferdes

Ein Pferd kann die feinsten Berührungen wahrnehmen, hat aber selbst keinen aktiven Tastsinn. Die einzigen Ausnahmen sind das Maul und die Tasthaare des Pferdes. Deswegen passiert es einem Pferd auch nie, dass es zum Beispiel einen Stein frisst oder auf dem Boden liegende Drähte.

Woran erkennt man ein gesundes, ausgeglichenes Pferd?

Wenn ein Pferd gesund ist, kann man das an vielen verschiedenen Dingen festmachen, dass das Pferd ausgeglichen und Zufrieden ist:

  • Augen: die Augen des Pferdes sind am aussagekräftigsten um Schlussfolgerungen über den Gemütszustand des Pferdes und auch über seinen Charakter zu erfahren. Wenn die Augen groß und klar sind, kann man daraus schließen, dass das Pferd gutmütig ist. Wenn die Augen klein und verengt erscheinen, ist es entweder Unruhe oder Nervosität, sie können aber auch Kraft und Temperament ausdrücken.

  • Ohren: das Ohrenspiel des Pferdes ist sehr vielfältig. Zurückgelegte Ohren bedeuten entweder Abwehrbereitschaft, Missbehagen oder Angriffsstimmung. Wenn die Ohren nach vorne gerichtet sind, ist das Pferd aufmerksam und energisch.

  • Entspanntes Schnauben: Wenn das Pferd beim Reiten abschnaubt, ist es entspannt und ausgeglichen, wenn es aber eher kurz und kraftvoll schnaubt, kann man auf Erregung des Pferdes schließen. Es gibt eine Vermutung darüber, dass das Schnauben des Pferdes in Verbindung mit dem Ohrenspiel, einer Echoortung dient, wodurch es Entfernungen besser abschätzen kann.

  • Schweifhaltung: wenn ein Pferd locker und entspannt ist, trägt es den Schweif beim Laufen leicht angehoben, während es in ängstlichem Zustand den Schweif einklemmt. Hengste, die anderen Stuten oder Konkurrenten imponieren wollen, stellen den Schweif hoch.
Wie „denkt“ ein Pferd?

Das Pferd lebt und „denkt“ nur in der Gegenwart, die Vergangenheit wird nur gering und die Zukunft so gut wie gar nicht vom Pferd berücksichtigt.

In erster Linie ist das Pferd ein Fluchttier, welches sich nur wenn es keinen anderen Ausweg sieht, verteidigt.

Orientierungssinn und Gedächtnis des Pferdes sind stark ausgeprägt, ebenso hat es einen sehr genauen Sinn für Zeit. Es ist nur logischen Ideenverbindungen zugänglich, kann aber keine Schlussfolgerungen ziehen, komplizierte oder zeitgetrennte Zusammenhänge versteht es nicht. Ebenso hat es kein Schuldbewusstsein und folgt immer seinen Lust- und Unlustgefühlen. Wenn man das Verhalten seines Pferdes aus dieser Sichtweise interpretiert, sind die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen Mensch und Pferd um einiges erleichtert.

Sara Straub, Sara Straub

Sara Straub - Ich habe Sprachwissenschaften, Kunst & Medienwissenschaften und Literaturwissenschaften an der Universität Konstanz studiert und habe ...

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