Institutionen der Presselenkung

Im Dritten Reich sorgten viele Stellen für die Gleichschaltung

Zensur und Stillschweigen sind die eine Seite von Pressepolitik, die Lenkung eine andere. Die Nationalsozialisten vertrauten vor allem dem Propagandaministerium.

Im nationalsozialistischen Staat war eine Vielzahl von Institutionen und Personen mit der Presse - auf Partei-, Berufs- und Staatsebene - beschäftigt. Die wichtigsten schufen sich die Nationalsozialisten selbst.

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

Durch Kabinettsbeschluss vom 11. März 1933 wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) geschaffen, dessen Minister Joseph Goebbels wurde. Es hatte sich mit allen Maßnahmen zu beschäftigen, die die Propaganda betrafen. Abteilungen aus dem Auswärtigen Amt, den einzelnen Reichsministerien und preußischen Ministerien und der Reichszentrale für Heimatdienst wurden unter einem Dach zusammengefasst. Dies zeigt bereits deutlich, wie wichtig den Nationalsozialisten die Propaganda und Volksaufklärung, für die die Presse ebenfalls zuständig war, war. Abteilung IV war die Presseabteilung des Hauses - später untergliedert in In- und Ausland. Ihr oblag die Kontrolle der Presse in inhaltlichen Fragen, die organisatorische Gleichschaltung wurde von der Reichspressekammer übernommen.

Die Reichskultur- und Reichspressekammer

Zusammen mit dem RMVP wurde die Reichspressekammer (RPK) am 1. November 1933 ins Leben gerufen. Sie war eine Unterorganisation der Reichskulturkammer; an ihrer Spitze stand Max Amann. Er verfügte als Leiter des Zentralverlages der NSDAP über erhebliche finanzielle Mittel, um die Gleichschaltung der Presse voranzutreiben. In der RPK mussten sich alle Journalisten vereinigen (berufsständische Zwangsorganisation). Seit dem 15. April 1936 wurde der Zugang nur noch „Ariern" gewährt nach einer Anordnung Amanns. Der RPK waren 13 Fachverbände angeschlossen, darunter der "Reichsverband der Deutschen Zeitungsverleger" oder der „Reichsverband deutscher Bahnhofsbuchhändler".

Der Reichskulturkammer kommt auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil sie durch ihre strikte Kontrolle der Journalisten eine weiter gehende Verbotspraxis für deutsche Zeitungen unnötig machte. Dies hätte besonders im Ausland im Laufe der ersten Jahre zu einer stärkeren Ablehnung des Dritten Reiches führen können. Mit dem Erschaffen der Reichspressekammer kam es auch gleich zu einem ersten Liquidierungsprozess im Verlagswesen. 1500 Verleger wurden am 3. November 1933 ihrer Verlage entzogen. Am 24. April 1935 folgte die nächste Welle der Schließungen mit Hilfe von drei weiteren Anordnungen, die „ungesunde Wettbewerbsverhältnisse" beseitigen sollten. Die Verlage wurden in mehreren Etappen dem nationalsozialistischen Pressetrust zugeführt.

Die Reichspresseschule

„Bei den Menschen müssen wir den Hebel ansetzen, wenn wir die deutsche Presse ändern und neu aufbauen wollen", hatte RDP-Chef Wilhelm Weiß auf einer Landeskonferenz im Jahr 1934 verkündet. Er stellte auf dieser Konferenz Pläne für eine Schule für den journalistischen Nachwuchs vor. Goebbels hatte sich vorher in Italien über die dortigen Ausbildungspraktiken im Journalismus erkundigt und wollte dieses System übernehmen. Anfang 1935 nahm die Schule ihren Dienst auf. Sie profitierte davon, dass in der Weimarer Republik keine einheitliche Ausbildung zum Journalisten existiert hatte. Volontäre, die das 21. Lebensjahr vollendet und bereits neun Monate in einer Redaktion gearbeitet hatten, wurden zum Besuch verpflichtet. Insgesamt wurden allerdings nur 13 Lehrgänge vom Januar 1935 bis Juli 1939 abgehalten.

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