
- Bleriots Kanalflug - Zeitgen. PK- Unbekannt
Nachdem die Wrights aller Welt in Europa auch gezeigt haben, wie man fliegt, wurden gerade in Frankreich und auch in Deutschland intensive Versuche unternommen dieselben Flugleistungen zu vollbringen. Im Verlauf des Jahres 1909 sind die Leistungen von Louis Bleriot und Hans Grade von besonderer Bedeutung. Als am 25. Juli 1909 Louis Bleriot mit seinem Eindecker-Flugzeug No. 11 die 33,5 Kilometer in nur 27 Minuten über den Ärmelkanal nach England flog, war für die Fachwelt klar, dass künftig die Kontinente der Welt mit dem Flugzeug erreicht werden können. Bleriot war unbestreitbar der Wegbereiter dieses revolutionären Gedanken. Aber auch die Flugleistung von Grade am 30. Oktober 1909 hatte maßgebend Einfluss auf die Entwicklung des Flugwesens in Deutschland.
Französische Flieger sind führende Kraft in Europa
Nach Santos- Dumont, den Brüdern Gabriel und Charles Voisin und den Brüder Henry und Maurice Farman war der Flugpionier Louis Bleriot der Erste, der bei seinen Flugapparaten die Eindecker- Bauart bevorzugte. Mit seiner No.11 gelang ihm der Durchbruch und er vollbrachte, wie auch Hubert Latham, hervorragende Leistungen im Verlauf des Jahres 1909. Hervorheben muss man den Flug von Bleriot mit zwei Passagieren über eine Distanz von 300 Metern.
Der Anglo-Franzose Latham benutzte den von Leon Levavasseur konstruierten Eindecker „Antoinette VII“. Dieser Eindecker war neben der Bleriot XI das erfolgreichste Fluggerät des Jahres 1909. Während der Flugwoche bei Reims holte er sich den Preis für die größte erreichte Höhe mit 155 Metern. Vom 23. bis 27. September zeigte Latham sein Können über dem Tempelhofer Feld (Berlin) und flog unter anderem von dort nach Johannisthal. Dieser 10-Kilometer-Flug dauerte etwas mehr als 14 Minuten und endete mitten in den Vorführungen der Eröffnungsveranstaltung der Internationalen Flugwochen. Dies war der erste Überlandflug. Aufgrund dieser Leistung erwarben die Johannisthaler Albatros-Werke die Nachbau-Lizenz für dieses Flugzeug. Zur gleichen Zeit flog Orville Wright mit seinem Doppeldecker in Berlin und demonstrierte die Leistungen seiner Flugmaschine bei diversen Schauflügen.
Im September des gleichen Jahres konnte sich Grade mit seinem neuen Eindecker über Bork, Brandenburg, über 25 Minuten in der Luft halten.
Cody- Doppeldecker No. 1 „ Flying Cathedral“
Auch in England bemühten sich die Flug- Aktivisten die ersten Flugversuche durchzuführen.
Es war Samuel Franklin Cody der nach anfänglich kleinen Erfolgen im Jahr 1907 einen Doppeldecker ähnlich dem der Wright-Konstruktion baute. Die Quersteuerung erfolgte nicht durch Tragflächenverwindung sondern durch zusätzliche Querruderflächen zwischen den Tragflächen. Im April 1908 wurde der Apparat erstmalig erprobt und im Oktober 1908 gelang Cody eine Flugstrecke von 424 Metern. Der Flugapparat wurde von der Armee gekauft und erhielt die Bezeichnung BAA (British Army Aeroplane) No.1. Die Maschine wurde ständig verbessert und mit verschiedenen Motoren erprobt, bis im Jahr 1909 die ersten Langstreckenflüge gelangen. Im Juni 1909 konnte Cody die ersten Kurvenflüge vollführen und absolvierte erstmalig einen Streckenflug von fast 3 Kilometern. Bereits im August des gleichen Jahres gelang ihm ein Flug von 11,5 Kilometern Länge.
Reims und das erstes Rennen um die Gordon-Bennett-Trohpäe
Eine der eindrucksvollsten Flugveranstaltungen im Jahr 1909 war die im August veranstaltete Flugwoche in Reims. Nach einer Einschätzung des deutschen Militärattaches Major von Winterfeld, wurde eindeutig festgestellt, dass die Franzosen in der Entwicklung von Flugmaschinen und den damit vollbrachten Flugleistungen allen anderen weit voraus geeilt ist.
Auf der Flugwoche wurden verschiedene Wettbewerbe ausgeschrieben. So wurden vier Preise für die längste Flugstrecke (180 km), die längste Flugdauer (3 h 4min), die größte Flughöhe (155 m) und für die höchste Geschwindigkeit (80 km/h) vergeben. Insgesamt waren über 40 Flugzeuge für die Flugwoche in Reims angemeldet. Man konnte Flugmaschinen von Bleriot, Voisin, Antoinette und Farman und sogar einige französische, in Lizenz gebaute, Wright-Maschine bewundern. Hubert Latham, Louis Bleriot, die Brüder Farman und Eugene Lefebvre zeigten hervorragende Flugleistungen bei diesen Wettbewerben. Aber vor allem muss die Siegesleistung des Amerikaners Glenn Curtiss mit seinem „Golden Flyer“ zum Abschluss der Flugwoche beim Gordon-Bennett-Rennen genannt werden. Er durchflog die abgesteckte Strecke von zweimal 10 Kilometer in 15 Minuten und 50 Sekunden.
Die Konkurrenz mit Lefebvre und Latham kam nicht annähernd an diese Zeit heran. Nur der Franzose Louis Bleriot war ihm mit seiner neuen No.12 (XII) in der ersten Runde eng auf den Versen und wurde aber mit 5,8 Sekunden Rückstand nur Zweiter des Rennens.
Erste internationale Berliner Flugwoche und die ILA
In den Monat September hinein fiel die erste Berliner Flugwoche in Johannisthal mit internationaler Beteiligung. Vom 26. September bis 03. Oktober 1909 waren wiederum die französischen Flieger in der Überzahl, die alle ausgeschriebenen Wettbewerbe gewannen. So erhielten Henry Rougier und Hubert Latham den Entfernungs- und Dauerflugpreis. Rougier legte hierbei eine Entfernung von 120 Kilometern in 2 Stunden und 38 Minuten zurück, während Latham die 82,5 Kilometer in 1 Stunde und 21 Minuten hinter sich brachte. Den Preis für die höchste Geschwindigkeit holten sich Latham und Farman. Latham überflog die 20 Kilometer-Strecke in 18 Minuten und 46 Sekunden, Farman brauchte dafür knapp 4 Minuten länger. Der Preis für die größte Flughöhe ging mit 158 Metern wieder an Rougier.
Abgesehen von den prämierten Flugleistungen, war die Eröffnungsflugwoche in Berlin finanziell ein Reinfall. Erwartete Besucherströme blieben aus und die Flugplatzgesellschaft stand kurz vor dem Bankrott.
Zuletzt soll die Internationale Luftschifffahrtsausstellung (ILA) in Frankfurt am Main noch angeführt werden. Die vom 10. Juli bis zum 17. Oktober 1909 durchgeführte Veranstaltung sollte für die Initiatoren eine Art „Wunderland“ der Luftfahrt werden, was sich dann auch bis heute bewahrheiten sollte. Vorwiegend stellten im Jahr 1909 nur deutsche Firmen aus. Das Gros der Ausstellung stellten verschiedene Luftschiffmodelle der Systeme Zeppelin, Parseval, Clouth und Ruthenberg dar. Nur zwei Wright-Flugmaschinen waren zu bestaunen.
Die Flugleistungen stiegen im Herbst sprunghaft an. Korvettenkapitän a.D. Engelhardt führte auf einer in Johannisthal gebauten Wright-Flugmaschine einen Flug von 1 Stunde und 53 Minuten durch. Louis Paulhan hob die Latte der größten Flughöhe auf 600 Meter und Farman legte 234 Kilometer in 4 Stunden und 17 Minuten zurück.
Quellen:
- Schmitt, Günter, Fliegende Kisten- von Kitty Hawk bis Kiew, Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1985
- Schmitt, Günter, Als die Oldtimer flogen, Die Geschichte des Flugplatzes Berlin- Johannisthal, Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1980
