Internationaler Fernradweg München - Regensburg - Pilsen - Prag

Der internationale Radfernweg führt durch Pilsen - Judith Weibrecht
Der internationale Radfernweg führt durch Pilsen - Judith Weibrecht
Entlang der alten Feuersteinstraße führt dieser Radweg von Deutschland nach Tschechien, von Bayern nach Böhmen. Etwa 450 km deutsch-tschechischer Radgenuss.

Die bayerischen Metropolen München und Regensburg sind durch bereits vorhandene Radrouten verknüpft: Isar-, Abens- und Donauradweg leiten die Radler in die hübsche ostbayerische Stadt. Regensburg darf sich zum Weltkulturerbe gehörig nennen und ist ein Radwegekreuzungspunkt. Zur Pause locken neben zahllosen Sehenswürdigkeiten wie dem Dom ein Radler und echte Regensburger Knacker in der traditionsreichen „Wurstkuchl“. Kneipen satt gibt es hier in historischen Gemäuern mit Gewölben, in Innenhöfen und mittelalterlichen engen Gassen. Nicht nur deshalb wirkt hier vieles ein wenig italienisch: Auch wegen der italienisch anmutenden Türme. An der Steinernen Brücke, der ältesten Brücke Deutschlands, geht es weiter.

Der Radweg von München nach Prag wurde aus bestehenden Radrouten zusammen gesetzt

Der durchgehend markierte Radweg, setzt sich nun aus dem Regental- und dem Chambtalradweg zusammen und führt zunächst durchs Regental auf einem Radweg de Luxe, glatt asphaltiert und gut ausgeschildert teils unter schattigen Büschen und Bäumen am Wasser entlang. Auch Badeplätze sind immer wieder zu entdecken. Über Walderbach mit seiner zum ehemaligen Zisterzienserkloster gehörigen romanischen Klosterkirche geht es über die Wallfahrtskirche Heilbrünnl, vor der die Leute bis hinaus auf den Vorplatz stehen und sich bekreuzigen, weiter nach Roding und in die alte Handelsstadt Cham. Dort wechselt man auf den Chambtalradweg über nach Furth im Wald. Bekannt ist Furth für den „Drachenstich“, der immer noch im Rahmen eines Festspiels ausgeführt wird. „Furth lebt, solange der Drache stirbt“, heißt es denn auch.

Grenzerfahrungen: Von Bayern nach Böhmen auf dem Fahrrad

Von Bayern nach Böhmen geht es nun, von Deutschland nach Tschechien. An der Grenze findet sich ein wahrer Schilderwald. Den darf man fotografieren, aber die Polizisten nicht. „Meine Person ned!“. Alles klar. Hinter der Grenze gibt es Gartenzwerge en masse, die auf Tapeziertischen geduldig ihre Käufer erwarten, Wechselstuben und Pilsener! Die Gegend ist ländlich, grün, hügelig. Auffallend viele Radfahrer flitzen hier durch die Dörfer. Das ist verständlich, denn zwar geht es nun auf der tschechischen Radroute Nr. 3 Richtung Hauptstadt meist auf Straßen weiter, doch Autos trifft man kaum an.

Nicht immer lässt sich leicht erkennen, wo sich in böhmischen Dörfern Getränke erstehen lassen. In einem „Konzum“ vielleicht oder sonst einem der Ladengeschäfte oder Kneipen, die wie verlassen an der Strecke liegen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Die nächste Chance liegt vielleicht kilometerweit entfernt, und einmal zaghaft angeklopft empfängt man Radfahrer mit offenen Armen. Zum Beispiel in der zur „Penzion Lenin“ gehörigen Gaststube. Einsam bellt draußen ein Hund, die Vögel zwitschern, die Mücken summen. High Noon in Hradiste.

Pilsen und Prag sind wunderschöne Etappenorte am Radweg

Die nächste Etappe nach Pilsen führt teilweise auch durch Industriegebiet, dann am Fluss Rabuza entlang und schon durch die Stadt. Die schmuck renovierten Barock- und Renaissance-Häuser am Platz der Republik können sich sehen lassen, Sehenswürdigkeiten gibt es derer viele. Doch was könnte einen durstigen Radfahrer mehr interessieren als eine Führung durch die Brauerei Pilsener mit anschließender Verkostung? Herrlich, wenn das berühmteste Bier der Welt im 6,5 Grad kalten Keller durch Radlers Kehle rinnt.

Hinaus aus Pilsen und weiter geht's nach Rokycany und Dobriv mit seinen schmucken hölzernen Gehöften, der alten Steinbrücke und der Hammerschmiede nach Horovice.

Auf der letzten Etappe wird es wieder ganz ländlich und es geht „über die Dörfer“ bis nach Revnice. Ab da nimmt man ein paar Kilometer längs der Berounka entlang unter die Räder, kleine Holzdatschen, blühende Gärten und liebevoll gestaltete Kneipen säumen den Weg, dann heißt es: Prag. Endlich Prag! Und ab geht's auf die fast 650 Jahre alte Karlsbrücke, deren gotische Fundamente von sanften Moldauwellen umspült werden.

Sie ist das Ziel oder der Anfang: Wer mag, biegt nun auf den Moldau-Radweg ein.

Informationen zum internationalen Radfernweg München - Regensburg - Pilsen - Prag:

  • Weitere Informationen gibt es bei der Touristinformation Furth im Wald Hohenbogen-Winkel. Dort ist ein Flyer erhältlich oder downloadbar. Ein Pauschalangebot wird ebenfalls aufgelegt.
  • Publicpress gibt die offizielle Landkarte zum internationalen Radfernweg München - Regensburg - Prag heraus.

Eine weitere empfehlenswerte Radtour von Bayern in den Böhmerwald oder umgekehrt ist die Grenzgängertour Deutschland - Tschechien.

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

rss