Um die Ursprünge des Internationalen Frauentags wird auch heute noch oft diskutiert. Dass er auf ein Datum im Jahr 1857 zurückgeht, an dem New Yorker Arbeiterinnen gestreikt haben, um gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen zu erhalten, wurde bereits Anfang der 80er Jahre von den Geschichtswissenschaftlerinnen Liliane Kandel und Françoise Picq widerlegt.
Mit dem Jahr 1857 hat es dennoch seine Bewandtnis: Vermutlich hatte man sich dieses Jahr ausgesucht, um Clara Zetkin zu ehren. Die deutsche Frauenrechtlerin wurde nämlich 1857 geboren, und es ist ihr zu verdanken, dass es heute einen Frauentag gibt. Auf der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen beantragte Zetkin nämlich, einen solchen Tag einzurichten.
Streik der Petrograder Textilarbeiterinnen
Alljährlich sollte dadurch auf die Ungleichbehandlung von Mann und Frau aufmerksam gemacht werden. Zentrale Forderungen damals waren: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das Wahlrecht, ein Achtstundentag, die Einführung eines Mindestlohns und ausreichender Mutterschutz. In den damaligen Industriestaaten verliehen die Frauen diesen Forderungen auch durch Streiks Nachdruck. So demonstrierten im Jahr 1908 Textilarbeiterinnen der New Yorker Firma Cotton für bessere Arbeitsbedingungen. Ihr Protest wurde von der Polizei beendet, indem sie die Frauen in der Fabrik einsperrte. Als dann ein Feuer ausbrach, kamen 129 Menschen in den Flammen um. Am 8. März 1917 streikten auch im russischen Petrograd, dem heutigen St. Petersburg, Textilarbeiterinnen. Sie lösten damit die bekannte Februarrevolution - nach gregorianischen Kalender entspricht der 8. März dem 23. Februar - aus. Drei Jahre später wurde deshalb der 8. März zum Internationalen Frauentag erklärt.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?
Gefeiert wird der Tag heute vor allem in ehemals kommunistischen und sozialistischen Staaten. In Russland beispielsweise gilt der 8. März als Feiertag, an dem die Frauen mit Mimosen und Pralinen beschenkt werden. In Deutschland hingegen hat sich der Muttertag, der während des Nationalsozialismus den Frauentag verdrängt hat, durchgesetzt. Seit sich die Gewerkschaften jedoch wieder mehr auf ihre Traditionen besinnen, finden am 8. März auch in Deutschland entsprechende Veranstaltungen statt. Verdi zum Beispiel stellt den Frauentag 2008 unter das Motto „Frauen verdienen mehr“. Damit soll auf die noch immer beträchtlichen Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen hingewiesen werden.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf dem Jahr 2006 haben im Jahr 2005 Arbeiterinnen 19 Prozent weniger verdient als ihre männlichen Kollegen, die die gleiche Arbeit verrichten. Bei Angestellten ist der Verdienstabstand von Frauen zu Männern mit 17 Prozent nur unwesentlich geringer.
Eine der ursprünglichen Forderungen der Frauenbewegung ist heutzutage hingegen in sehr vielen Ländern bereits umgesetzt: In Deutschland erhielten die Frauen im November 1918 das Recht, an Wahlen teilzunehmen. Andere Länder in Europa ließen sich jedoch auch damit reichlich Zeit: In der Schweiz dürfen Frauen erst seit 1971 wählen gehen.
