Der 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung von Tierversuchen. Die bundesweite Vereinigung der Ärzte gegen Tierversuche kritisiert, dass die Tierversuchszahlen weiter von Jahr zu Jahr steigen, obwohl die Heilung zahlreicher Krankheiten nicht in Sicht ist. Der Verein fordert ein Verbot von Tierversuchen zugunsten einer modernen tierversuchsfreien Forschung ohne Ausnahme. Jährlich werden in Deutschland rund 1,76 Millionen Mäuse, 480.000 Ratten, 111.000 Fische, 100.000 Kaninchen, 2.285 Affen, 803 Katzen, 4.450 Hunde und Tiere anderer Tierarten im Namen der Wissenschaft gequält und getötet. In diesen Statistiken sind weder die 90-99 Prozent der Tiere in der Gentechnik berücksichtigt, die nicht die gewünschten genetischen Änderungen aufweisen, noch die zahllos produzierten und getöteten Tiere, die schon bei Zucht, Haltung und Transport sterben oder als Überschuss getötet werden.

Ärzte, die sich für eine tierversuchsfreie Zukunft einsetzen

Seit 1979 besteht die Vereinigung aus Ärzten, Tierärzten, Naturwissenschaftlern und Psychologen. Ihr Ziel ist: Die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Wissenschaft, die durch moderne tierversuchsfreie Testmethoden überzeugt. Trotz aller Ankündigungen, Tierversuche auf ein Minimum zu reduzieren, wird weiter in die experimentelle Forschung am Tier mit horrenden Summen investiert. Laut des Vereins werden einzelne Tierversuchlabors mit öffentlichen Geldern in Millionenhöhe bezuschusst. Dagegen wird in die ethische und wissenschaftlich viel bessere tierversuchsfreie Forschung bundesweit mit nur knapp 4,5 Millionen investiert.

Ethisch und moralisch nicht vertretbar - die kurze faltenfreie Zeit im Gesicht

Die "Ärzte gegen Tierversuche“ kritisieren vor allem Tierversuche in der Schönheitsindustrie. Für das begehrte Schönheitsmittel "Botox" gegen Falten müssen tausende von Mäusen einen qualvollen Erstickungstod sterben, obwohl Tierversuche für Kosmetikprodukte laut deutschem Tierschutzgesetz verboten sind. Da die Botox-Produkte aber auch für medizinische Zwecke eingesetzt werden, wird dieses Verbot umgangen. Wegen der Gefährlichkeit von Botulinumtoxin, wird jede Produktionseinheit in grausamen Versuchen an Mäusen geprüft, bevor sie auf den Markt geht. Und je mehr Menschen faltenfrei sein wollen, umso mehr Tiere werden dafür gequält, da jede einzelne Produktionseinheit im sogenannten LD 50-Test geprüft wird. Hierbei wird die angemessene Botoxdosis ermittelt, bei der die Hälfte der Versuchstiere stirbt. Allein in Deutschland verenden für dieses Schönheitsgift jedes Jahr 34.000, weltweit sind es sogar 600.000 Mäuse. Das kurzfristige faltenfreie Gesicht basiert also auf der unvorstellbaren Qual und dem leidvollen Töten von Tieren und ist somit moralisch und ethisch verwerflich. In Wissenschaftskreisen wird der LD-50 Test als besonders qualvoll und dazu auch noch als nicht zuverlässig genug kritisiert. Aber obwohl das Europäische Arzneibuch für die Testung von Botox-Produkten drei Alternativversuche erlaubt, fehlt offensichtlich der politische Wille, die Hersteller zur verbindlichen Anwendung der verfügbaren tierversuchsfreien Methoden zu bewegen.

Im Hamburger Labor für Pharmakologie und Toxikologie (LPT) werden eigenen Angaben zufolge Mäuse, Ratten, Fische, Vögel, Katzen, Hunde und sogar Schweine und Affen vergiftet. Auch Botox ähnliche Nervengifte werden dort getestet. Das LPT ist eines der größten Auftragslabors in Deutschland für die Pharma- und Chemie-Industrie und verbraucht eine unvorstellbare Anzahl an tierischem Versuchsmaterial.

Stammzellforschung ohne Tierversuche

Wissenschaftler von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und vom Scripps Research Institute (San Diego, USA) haben eine Methode entwickelt, mit der sich Stammzellforschung ohne Tierversuche betreiben lässt. Anstatt die Eigenschaften der Stammzellen an Mäusen zu experimentieren, basiert der sogenannte PluriTest auf einer computergestützten Auswertung. "Dafür wurden Genexpressionsmuster aus bekannten menschlichen pluripotenten Zelllinien in eine Datenbank überführt. Anhand dieser Daten lassen sich pluripotente Zelllinien von nicht pluripotenten unterscheiden. Die Besonderheit von pluripotenten liegt in ihrer Eigenschaft Alleskönner zu sein, sie können sich zu jedem Zelltyp eines Organismus entwickeln. Unter anderem in der regenerativen Medizin, also dem Ansatz die Heilung verschiedener Erkrankungen durch die Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen herbeizuführen, spielen sie daher eine wichtige Rolle.“

Die "In-vitro-Forschung", die Forschung im Reagenzglas, hat sich mittlerweile zu einem eigenständigen Wissenschaftszweig entwickelt mit einer immensen Vielfalt von Möglichkeiten, Erkenntnisse an schmerzfreier Materie zu gewinnen. Ein großer Teil der Tierversuche kann jetzt schon durch diese Methode ersetzt werden. Viele Tierversuche sind laut Ärzte gegen Tierversuche überflüssig, da sie keine Wirksamkeits-, Verträglichkeits- oder Sicherheitsvoraussagen für den Menschen darstellen.

Spätestens seit dem "Contergan-Skandal“ ist bekannt, dass Medikamente für Tiere verträglich sein, aber trotzdem bei Menschen zu erheblichen Schäden führen können. Um die Anzahl solcher Fälle zu reduzieren, werden potentielle Medikamente an immer mehr Tieren und Tierarten getestet. Je höher die Anzahl der Tierarten ist, an denen getestet wird, desto höher ist auch die Gefahr, dass eine Tierart das Medikament nicht verträgt. Diese Medikamente werden damit im Tierversuch als schädlich eingestuft und kommen nicht auf den Markt, obwohl sie menschliche Krankheiten heilen könnten.

Weltweite Aktionen zum Internationalen Tag gegen Tierversuche

Anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April, wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals zum Geburtstag von Lord Hugh Dowding begangen, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte. Die Ärzte gegen Tierversuche veranstalten gemeinsam mit der "Bürgerinitiative gegen Tierversuche des LPT“ und dem Verein "Bürger gegen Tierversuche“ am 30. April in Hamburg eine Großdemonstration mit umfangreichem Rahmenprogramm, um die Tatsachen über die Botox-Versuche an die Öffentlichkeit zu bringen, den Druck auf die Politik und die Hersteller zu erhöhen und um aller im Labor gequälten und getöteten Tiere zu gedenken.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.