
- Sozial vernetzt im Internet - Silvia Baumann
Papa ist bei Xing, Mama twittert, der Sohnemann pflegt seinen Freundeskreis auf Facebook und die Tochter ist mit MySpace und StayFriends verlinkt: So sieht es in vielen Familien heute schon aus. Es gibt mittlerweile Netzwerke für jede Altersgruppe und jede Interessengemeinschaft. Weltweit steigen die Nutzerzahlen der im Internet vernetzten Menschen unaufhörlich an. Ein Phänomen, an dem selbst der skeptischste Internetverweigerer nicht vorbeikommt.
Was ist ein Social Network oder Soziales Netzwerk?
Ein soziales Netzwerk ist eine Internetplattform, bei der sich Interessengemeinschaften finden und treffen, private oder geschäftliche Kontakte knüpfen und pflegen. Diese auch „Mega-Communities“ genannten virtuellen Treffpunkte bieten den Surfern rund um den Globus die Möglichkeit, sich über alle möglichen Themen auszutauschen und den Kontaktkreis stetig zu erweitern.
Welche sozialen Netzwerke gibt es?
Facebook, MySpace, LinkedIn und Twitter sind die größten amerikanischen Netzwerke mit Nutzerzahlen im Millionenbereich. Im deutschsprachigen Raum sind Stay Friends als Schulfreunde-Treff, Xing für die geschäftliche Präsentation und Austausch oder studiVZ für Kontakte unter Studenten gängig. Allen ist gemeinsam, dass man sich als User zunächst registriert, ein Profil anlegt, anmeldet und eine Reihe privater Daten preisgibt. Bei den meisten kommen noch eigene Fotos dazu, die viele der Nutzer online stellen. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 700 Social Networks.
Warum tauschen wir uns im Netz aus?
Angesichts der Tatsache, dass die persönlichen Kontakte im „physischen“ Alltag immer mehr abnehmen, die Menschen also immer weniger miteinander reden, ist die Zunahme der virtuellen Gemeinschaften umso erstaunlicher. Warum fällt es uns leichter, mit einem Bildschirm als mit einem realen Gesprächspartner zu kommunizieren? Einerseits wird unsere Gesellschaft immer individualistischer, andererseits stellen wir teilweise unsere intimsten Daten ins Netz ohne mit der Wimper zu zucken. Paradox? Nicht unbedingt. Die vernetzte Onlinewelt öffnet ganz neue Türen und Wege, bietet Tipps und Informationen, es gibt immer etwas zu tun. Und das vermeintlich „anonym“, ohne sich von seinem Stuhl zu erheben (was freilich andere Probleme mit sich bringt). Diese Art der Kommunikation ist einerseits bequem, andererseits grenzenlos ausbaubar und gerade deshalb nicht nur für Jungendliche so spannend und attraktiv.
Altersgruppen und Nutzerzahlen der „Social Networks“
Circa ein Viertel der Deutschen nutzt ein Internet-Netzwerk. Bei der Altersklasse zwischen 11 und 16 Jahren geht man gar von dreimal mehr Usern aus. Kaum ein Jugendlicher kommt heute ohne eine Online-Community aus. Allein Facebook zählt in Deutschland 12 Millionen Mitglieder, gefolgt von wer-kennt-wen.de mit ca. 6,7 Millionen, SchülerVZ mit 5,6 Millionen und StayFriends, studiVZ, Xing etc. Nach einer Studie von Royal Pingdom ist die Altersgruppe der 35-44jährigen mit 25 Prozent die dominierende in der Gemeinschaft der amerikanischen Netzwerke. Bei der Betrachtung der einzelnen Dienste sehen die Zahlen wieder anders aus: bei MySpace und Facebook beispielsweise dominieren die 0-17jährigen die Userzahlen.
Datenschutz und Sicherheitsprobleme der sozialen Netzwerke
Datenschutz ist nicht unbedingt die Stärke der Netzwerke. Stiftung Warentest prüfte zehn der bekanntesten Netzwerke auf Sicherheitslücken und kam zu ernüchternden Ergebnissen. Kein einziges der Netzwerke konnte als absolut sicher bezeichnet werden. Passwörter und Daten konnten problemlos „gehackt“ werden. Zudem verpflichten sich in einigen Fällen die Nutzer mit dem Akzeptieren der AGBs zur uneingeschränkten Verwendung ihrer Daten. Was den meisten wohl kaum bewusst sein dürfte. Auch beim Jugendschutz gab es Mängel. In den USA spielen diese Dinge im Vergleich zu Europa allerdings eine eher unbedeutende Rolle.
Die Zukunft gehört Community & Communication
Wenn man sich vor Augen hält, dass Facebook laut eigenen Angaben mittlerweile mehr als 500.000 User zählt, dann kann man sich ausrechnen, wie die Zukunft im Internet aussehen wird. Auf Bevölkerungszahlen bezogen, wäre dies das derzeit drittgrösste Land der Welt. Und so wie es aussieht, ist dies erst der Anfang. Kommunikationswissenschaftler gehen davon aus, dass die klassischen Email-Kontakte bald der Vergangenheit angehören. Trotz Sicherheitsrisiken und Datenschutzproblemen lassen sich vor allem die Jugendlichen kaum davon abhalten, ihre Freundschaften im Internet zu schließen und zu pflegen. Sie geben ihre Daten bereitwillig heraus und machen sich in den seltensten Fällen Gedanken darüber, dass die ganze Welt ihre Partybilder oder persönlichen Daten einsehen kann. Dennoch hat diese weltweite Kommunikation auch Gutes. Zumindest im Internet rückt die Weltgemeinschaft zusammen, kommuniziert, lernt sich kennen und vielleicht auch besser verstehen. Die Welt wird angreifbarer aber gleichzeitig auch transparenter. Menschenrechtsverletzungen kommen heutzutage schnell ans Licht. Bleibt zu hoffen, dass die Vorteile der kommunizierenden Gemeinschaft die Oberhand behalten.
