Internetparty subversiv: Naohiro Ukawa "The Final Media Dommune"

Naohiro Ukawa im Clubraum von The Final Media Dommune, Dortmunder U, JMAF 2011 - Vera Kriebel, 8.9.2011
Naohiro Ukawa im Clubraum von The Final Media Dommune, Dortmunder U, JMAF 2011 - Vera Kriebel, 8.9.2011
Eröffnung Japan Media Arts Festival (JMAF), 9. und 10. September 2011, Dortmunder U: Livestreaming-Club und J-Pop-Disco mit VJ Naohiro Ukawa.

Einer der interessantesten Live-Acts der Eröffnungsparty und des Eröffnungswochenendes beim Japan Media Arts Festival 2011 (JMAF) im Dortmunder U ist "The Final Media Dommune" mit Naohiro Ukawa - eine Mischung aus Talk, Club, Disco und audiovisueller Performance.

The Final Media Dommune im Dortmunder U

In einem kleinen Raum am Rande der JMAF-Ausstellung im sechsten Stock hat sich am Samstag, 10.9.2011, das Dommune eingenistet. Ukawa ist dann über Internet-Streaming mit dem eigentlichen Dommune-Club in Tokio verbunden, so dass JMAF-Besucher in einem globalen sozialen Netzwerk mit Gästen in Japan und der gesamten Online-Gemeinde gemeinsam feiern können. Geplant ist ein Live-Musik-Programm und Studiogespräche sowohl in Dortmund als auch in Tokio.

Am Freitagabend (9.9.2011) streamt The Dommune live aus dem "View" im Dortmunder U elektronische Tanzmusik (DeepHouse, Techno, Drum & Bass); am Samstag (10.9.2011) gibt es - wieder live ins Internet übertragen - nach dem Talk mit Momoiro Clover Z ab 18 Uhr grooviges DeepHouse beim Live-DJ-Set mit Ingo Sänger (Farside Records, Juicy Beats).

The Final Media Dommune - Club und Disco weltweit

Der Name "The Final Media Dommune" bezieht sich auf "Commune" - "Dommune" ist laut Ukawa die Weiterentwicklung, der nächste Schritt (Ukawa: nämlich vom "C" zum "D"). "The Final Media Dommune" ist in Japan eine Institution der Subkultur: Wochentags sendet Ukawa eine Mischung aus Live-Talkshow, Performance und Clubnacht, teilweise mit Live-Musik und zu den verschiedensten Themen aus dem kleinen Tokioter Studio per Live-Stream in die ganze Welt.

Für Ukawa hat The Dommune eine im weitesten Sinne politische Stoßrichtung, denn es stellt ein weltweites, unzensiertes, freies Kommunikationsmedium für jedermann dar, das prinzipiell über alles berichtet, auch über Themen, die die etablierten Medien aus welchen Rücksichten auch immer meiden - in Japan beispielsweise Fukushima (Mehr zum Konzept von The Final Media Dommune in einem Gespräch mit dem Künstler).

Disco und Talk - Was sind VJs?

Die Dommune stellt also eine Verbindung von realem und virtuellem Club dar, ist (virtueller) Ort des Abfeierns ebenso wie der freien Meinungsäußerung und der unbeschränkten Dokumentation der Wirklichkeit - in allen ihren Facetten.

Die beiden Schwerpunkte und Kanäle der Dommune sind audiovisuelle Performances und Talk mit Gästen, offen oder zu bestimmten Themen. Ukawa ist dabei zugleich Talkmaster und Visual Jockey (VJ). VJs erweitern die Arbeit der klassischen DJs um visuelle Elemente - die Musikperformance wird um 2D-/3D-Animationen oder Videos ergänzt, und zwar in Echtzeit per Beamer, Monitor oder Leinwand. Ukawas Sets verbinden VJ-ing und DJ-ing zu einem audiovisuellen Gesamterlebnis, mit groovenden House- und Tech-Sounds über Breakbeatausflüge zu DJ Krush inspirierten Beats.

Man darf also gespannt sein auf die Performance der globalen Live-Disco in The Final Media Dommune am Freitag- und Samstagabend!

Infos zu Naohiro Ukawa - Künstler, VJ, Designer, …

Der Japaner Naohiro Ukawa (*1968) lebt und arbeitet nach einem längeren Aufenthalt in San Francisco seit 1998 in Tokio. Ukawa ist Künstler, oder? Ukawas Künstlerverständnis erscheint dem Europäer sehr japanisch oder zumindest nicht klassisch: Neutral ausgedrückt heißt es, dass Ukawa sich nicht beschränken lassen möchte. Er will sich nicht auf die E-Kultur, die ernste Kunst, festlegen lassen - wie im Übrigen viele seiner japanischen Kollegen, das bekannteste Beispiel ist der inmitten von Kitsch und Konsum arbeitende Takashi Murakami. Ukawa selbst nennt sich "Media Rapist".

Naohiro Ukawas Betätigungsfeld ist weitläufig: hat sein eigenes Label mom/n/dad productions. Er ist Dozent an der Universität für Kunst und Design in Kyoto. Seine Aktivitäten als DJ, VJ, Designer, Autor, Regisseur, Medienkünstler ... wandern zwischen Kunst und Pop-Kultur. Ukawa arbeitete zum Beispiel im Auftrag von den Boredoms und Bulgari, als VJ unter anderem mit Jeff Mills und Merzbow.

2007 stellte er in Tokio mit "A Series of Interpreted Catharsis #2" die kathartische (reinigende) Wirkung eines Stärke7-Erdbebens dar und hinterfragte das flüchtig, oberflächliche Konsumstreben der modernen Gesellschaft. Ukawa nutzte damals einen fotografischen "Magazin-Stil", der die junge (konsumorientierten) Fun- und Lifestyle-Generation anspricht - und ihr verständlich ist.

Infos zum JMAF 2011 in Dortmund und The Final Media Dommune

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