Internetrecherche

Als Auszubildender selbstständig im Internet recherchieren

Internetrecherche - Stefan Dassler
Internetrecherche - Stefan Dassler
Dieser Beitrag geht auf die benötigten Kompetenzen, das Vorgehen bei einer Internetrecherche sowie auf Gefahren und Probleme bei der Recherche ein.

Immer mehr Auszubildende recherchieren für Referate in der Berufsschule oder für Aufgaben im Betrieb (meist ungezielt) im Internet. Wie sucht man als Auszubildender systematisch und zielstrebig Informationen im Internet?

In Europa hat sich die Nutzung des Internet seit 1997 mehr als verdreifacht. Weltweit zeigt sich eine fast explosionsartige Entwicklung. Mit kürzeren Verfallszeiten des verfügbaren Wissens steigt die Nachfrage nach schnell verfügbaren, aktuellen und umfassenden Informationsangeboten. Hauptproblem ist dabei, die benötigten Informationen aus der Vielzahl der Angebote herauszufiltern.

Eine Internetrecherche fördert bei Auszubildenden die Selbstbestimmung und Kreativität im Lernprozess. Zudem verlangt sie vom Auszubildenden eine selbstverantwortliche Kontrolle der Arbeitsergebnisse. Medienkompetenz gilt als Voraussetzung für den erfolgreichen Umgang mit dem Internet.

Konkret benötigen Auszubildende vor allem folgende Kompetenzen für eine Internetrecherche:

• Zielstrebigkeit (Gefahr des „Wegsurfens“)

• Grundlegende EDV-Kenntnisse

• Ausreichende Lesekompetenz

• Umgang mit verknüpften Texten im Internet

• Beurteilung von Rechercheergebnissen

• Aufbereitung der Ergebnisse

Bei der Recherche gibt es auch Gefahren. Das Internet ist ein Tummelplatz für verschiedenste Informationen, die nicht nur seriöser Art sind – rechtsradikales Gedankengut, einseitige Werbung und getarnte Sektenseiten. Man sollte sich grundsätzlich fragen: Welche Ziele verfolgt der Autor? Ist die Information neutral, verlässlich, aktuell, ausgewogen? Bei verdächtigen Internetseiten sollten die jungen Erwachsenen die Meinung der Eltern, eines Lehrers oder Ausbilders einholen.

Konkrete Anlässe für eine Internetrecherche als Auszubildender sind beispielsweise Probleme bei Hausaufgaben oder Referate in der Berufsschule – aber auch betriebliche Recherchen nach Lieferanten, neuen Kunden und Konkurrenzunternehmen oder für eine Bewerbung nach dem Ausbildungsabschluss.

2. Wie suche ich systematisch im Internet?

Je älter und kompetenter die Auszubildenden werden, desto umfangreicher und freier kann die Recherche ablaufen. Soll ein Auszubildender frei und selbstständig im Internet suchen, so sollte ihm auch bewusst sein, dass nicht alle Informationen im Internet der Wahrheit entsprechen.

Häufig wird zwischen zwei Arten der Internetrecherche unterschieden:

  • Präzisionsorientierte Suche: Es wird nach einer speziellen Information mit eindeutigem Ergebnis gesucht (z.B. Wann wurde Amerika entdeckt?)
  • Ausbeutungsorientierte Suche: Zu einem Thema sollen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammengestellt werden (z.B. Wie ist der aktuelle Diskussionsstand zum Klimawandel?).

Als Auszubildender kann man eine Internetrecherche systematisch in folgenden Schritten durchführen:

1. Schritt: Thema/Ziel

Zunächst sollte das Thema bzw. Ziel genau festgelegt werden (am besten gemeinsam mit Lehrern/Ausbildern). Dazu sollte eine konkrete, zentrale Frage formuliert werden. Beispielsweise kann beim Thema „Umweltschutz/Nachhaltigkeit“ gefragt werden: Welche wichtigen Umwelt- und Sozialprobleme gibt es heute in Deutschland?

2. Schritt: Schlagworte

Für die Internetrecherche werden Schlagworte zum Thema benötigt. Am besten erstellt man handschriftlich ein Mind Map (Gedankenlandkarte), in der man alle wichtigen Über- und Unterbegriffe für die Suche notiert. Beispielsweise: Umwelt, Ökologie, Umweltschutz, Umweltprobleme, soziale Verantwortung, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit.

3. Schritt: Online-Lexika

Internetlexika wie Wikipedia und Meyers Lexikon online geben kostenlos einen allgemeinverständlichen Überblick zum Thema – ein guter Einstieg in die Recherche. Beispielsweise sind Definitionen zu „Nachhaltiger Entwicklung“, „globaler Erwärmung“ und „Abfallwirtschaft“ zu entnehmen.

4. Schritt: Zeitungsartikel

Um brandaktuelle Entwicklungen zum Thema zu verfolgen, kann man in Pressearchiven recherchieren. Beispielsweise sind in Google News, Paperball und Paperazzi tagesaktuell verfügbare Zeitungsartikel zu finden.

5. Schritt: Adresszeile des Browsers

Sehr oft ist es lohnend, den Suchbegriff in die Adresszeile des Browsers (Internet Explorer, Firefox) einzutragen. So erhält man häufig Informationen aus erster Hand. Beispielsweise www.nachhaltigkeit.de oder www.umweltschutz.de . Um zu weiteren interessanten Suchbegriffen zu gelangen, kann man die Quelltexte dieser Seiten anzapfen und sich die so genannten Meta-Tags dieser Internetseiten anschauen. Das funktioniert so:

• Mit der rechten Maustaste irgendwo in die geöffnete Internetseite klicken

• Auf Quelltext klicken

• Im oberen Bereich findet sich häufig ein Abschnitt, der etwa so beginnt: <meta name=“keywords“ content=“Suchbegriffe“> Es werden alle Suchbegriffe angezeigt, die der Seitenersteller festgelegt hat.

6. Schritt: Webkataloge

Der Vorteil von Webkatalogen wie Yahoo, Lycos oder Web.de ist, dass die verzeichneten Links von Redakteuren auf ihre Relevanz geprüft sind. Sie sind hierarchisch angeordnet, so dass man auch in benachbarten Gebieten recherchieren kann, die man mit einer klassischen Suchmaschine kaum ermitteln kann. Man sollte nicht vergessen, interessante Links zu archivieren. Dafür bieten sich die Favoriten-Funktion des Internet Explorers oder die Lesezeichen-Funktion von Firefox an. Es kann für jedes Recherchethema ein extra Ordner angelegt werden. Später kann man die Seiten in Ruhe auswerten.

7. Schritt: Suchmaschinen

Nun können die wichtigsten Suchbegriffe (z.B. Umweltprobleme, nachhaltiges Wirtschaften) in Kombination oder einzeln bei einer Suchmaschine eingegeben werden. Bei Suchmaschinen wie Altavista, Fireball oder Google sollte man sich bewusst sein, dass nicht das ganze Internet durchsucht wird. Vielmehr wird auf die mehr oder weniger aktuelle Datenbank des Suchdienstes zugegriffen. Die Suchmaschine Google ist dabei so ausgereift, dass die ersten Treffer auch tatsächlich meist die relevantesten sind. Verwendet man die „Erweiterte Suche“ bei Google, können bestimmte Begriffe von der Suche ausgeschlossen und der Zeitraum für die Suche festgelegt werden. Bei einer schwierigen Recherche können auch Meta-Suchmaschinen wie MetaGer zu Rate gezogen werden. Sie recherchieren gleichzeitig in mehreren Suchmaschinen. Und wieder sollte das Archivieren von interessanten Links nicht versäumt werden.

8. Schritt: Druck und Aufbereitung

Nun müssen die interessantesten und ergiebigsten Seiten – die unter Favoriten/Lesezeichen gespeichert wurden - durchgearbeitet werden. Das Wichtigste sollte dann ausgedruckt werden (z.B. Definitionen, Zusammenhänge, Schaubilder, anschauliche Erklärungen). Nachdem die wesentlichen Stellen des Materials am besten mit Textmarker bearbeitet wurden, geht es an die Aufbereitung beispielsweise für ein Referat. Auf keinen Fall sollten die Texte einfach abgeschrieben werden. Zitate müssen mit Quellenangaben versehen werden. Auch bei Bildern müssen die Quellen angegeben werden. Dann sollten die Gedankengänge in eigenen Worten formuliert werden und mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms erfasst werden. Eventuell kann auch eine Powerpoint-Präsentation zum Thema erstellt werden.

Je nach Thema sind natürlich nicht immer alle Schritte notwendig oder sinnvoll.

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Literaturhinweise:

  • Dassler, S.: Onlinenachhilfe. Nachhilfeunterricht via Internet. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2004.
  • Machill, M. u.a.: Journalistische Recherche im Internet. Vistas Verlag, Berlin 2008.
Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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