Interpretation der Fabel "Wir haben gegessen"

Untersuchung der Fabel „Wir haben gegessen" von Friedrich von Moser auf Form, Aufbau, Symbole, Lehre und den Bezug zur heutigen Zeit.

Die von Friedrich von Moser (1732 – 1798) geschriebene Fabel ,,Wir haben gegessen“ entstand 1786. Sie handelt von einem Adler, der ein Festmahl veranstaltet.

Ein Adler veranstaltet zur Feier des Geburtstages eines jungen Adlers ein großes Festmahl und lädt alle Vögle dazu ein. Allerdings dürfen diese nur zusehen wie der Adler frisst, da dieser nach seiner eigenen Auffassung für seinen ,,Staat“ mit isst.

Form und Aufbau

Die Fabel ist in Prosa geschrieben und lässt sich in zwei Teile gliedern. Im ersten Teil wird die Ausgangssituation geschildert, im zweiten folgen dann actio und reactio. Die actio geht vom Sperber aus, die reactio vom Adler. Der Autor verzichtet bei seiner Fabel auf ein Epimytheon oder Promytheon, weshalb der Leser sich diese selber bilden muss. Dies ist typisch für die Zeit der Aufklärung, da die Autoren den Leser zum selbstständigen denken erziehen wollten, wie es Kant formulierte. Der Leser muss die Fable also verstehen, interpretieren und auf die aktuelle Zeit anwenden, sowie es Lessen in seiner Fabeltheorie gefordert hat. Die Fabel ist in einfacher, verständlicher Sprache geschrieben, zudem beschränkt sich von Moser nur auf das Nötigste, weshalb sie auch sehr kurz ist

Symbole und ihre Bedeutung

Der Adler steht in diesem Fall für die absolutistischen Herrscher dieser Zeit. Zwar spricht der Autor explizit vom ,,König“ jedoch ist sein verhalten typisch für alle absolutistischen Adligen. Diese orientieren sich am Vorbild des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Dies macht von Moser vor allem mit der Zeile ,,Ihr seid, erwiderte der erhabene Monarch, mein Staat, ich esse für euch mit“, deutlich, da dieser Satz auf ein Zitat von Ludwig XIV. zurück zuführen ist, das lautet: „Der Staat bin ich“. Nach diesem Motto regierten alle absolutistischen Herrscher. Die anderen Vögle, insbesondere der Sperber, ist ein Symbol für das Volk der damaligen Zeit, das unter diesen Herrschern zu leiden hatte. Zwar spricht der Autor in dieser Fabel explizit vom „Heißhunger“, jedoch ist das nur ein Überbegriff für all das Leid, das die Bevölkerung durch ihre Herrscher erfahren musste. Die Adligen beuten das Volk aus und lebten auf Kosten der Armen in Saus und Braus. Zwar forderte Friedrich II. in seinem politischen Testament, das die Herrscher zum Wohle des Volkes handeln sollten, jedoch kam es erst durch die Industriealisierung zu einer Wende, da auch die Bevölkerung zu Geld kam und nun in der Position war Kritik an den herrschenden zu üben. Auch das verkörpert der Sperbern der geplagt durch sein Leid Kritik am Adler übt, zwar leise( ,,zwitscherte“), jedoch wird auch diese gehört. Der Sperber steht auch noch für weitere Grundsätze er Aufklärung, wie z.B. das Selbstdenken, das Kant in seinem Aufsatz „Was ist Aufklärung“ gefordert hat (sapere aude=Mensch habe den Mut dich deines eigenen Verstanden zu bedienen). Der Sperber merkt als einziger, dass der Satz des Adlers „Wir haben gegessen“ nicht stimmt. Allerdings übt der Autor hiermit nicht nur Kritik an den Herrschern sondern auch am Volk, das sie Ungerechtigkeit kommentarlos geschehen lässt. (,,bewunderten“, ,,zuschauenden Volk“). Dies verdeutlicht, dass nicht alle Menschen ihre Meinung frei äußerten wie es die Aufklärer forderten, sondern sich weiter von den „Herrschern von Gottes Gnaden“ ausbeuten ließen, wie es im Barock üblich war. („Ehrerbietig warteten“) Mit den heroische „Verdaungskräften“ spielt der Autor wiederum auf die unglaubliche Gier und Prunksucht der Adligen an, die die Steuern der Bürger mit beiden Händen zum Fenster hinaus warfen wie z.B. absolutistische Schlösser, die gar nicht Prunkvoll genug sein konnten. Dies verdeutlicht der Autor weiterhin noch mit „Reichtum der Speisen“. Auch hier wird wieder auf die Prunk- und Prahlsucht der Herrscher hingewiesen.

Möglich Lehren der Fabel

Die Lehre dieser Fabel könnte sein, das sich das Volk nicht ausbeuten lassen soll, sondern sich gegen die Herrscher zu Wehr setzen sollte, so wie es der Sperber mit seiner Kritik tut. Auch könnte die Lehre dieser Fabel lauten, das selbst wenn man eingeladen ist, das noch lange kein Garant dafür ist, dass man auch wirklich was abbekommt. Dies könnte sich auf die Aufklärung selbst beziehen. Zwar gab es Wandel in der Gesellschaft, was der Autor in dieser Fabel damit gleichsetzt dass das „gemeine“ Volk zur Geburtstagsfeier eines Adligen eingeladen wird, es jedoch im Endeffekt nichts davon hat. Die Aufklärung brachte Wandel und Besserung, jedoch konnte sie nicht mit einem Schlag alle Probleme der Bevölkerung lösen. Selbst Kant hatte erkannt, dass die Aufklärung ein langer Prozess ist.

Bezug zu Heute

Und dieser Prozess dauert bis heute an. Wir Menschen werden niemals in völlig aufgeklärten Zeiten leben, da es immer etwas zu entdecken und zu erforschen gibt z.B. noch unentdeckte Tierarten, Fortschritte in Medizin und Technik. Auch die Aspekte der Toleranz und des der Vernunft, die ebenfalls zu den Grundlagen der Aufklärung gehören, sind heutzutage noch wichtig, weil es Diktatoren gibt, die ihr Volk ausbeuten oder diskriminieren wie es der Adler mit den anderen Vögeln tut z.B. in Afrika oder im Nahen Osten.

(Quelle: Friedrich von Moser, „Wir haben gegessen“, 1786)