Interview – Kinderbuchautorin Nikola Huppertz

Die Schriftstellerin über das Schreiben und Literatur für Kinder

Nikola Huppertz - privat
Nikola Huppertz - privat
Der Gabriel Verlag veröffentlichte 2009 Nikola Huppertz' Erstling "Karla, Sengül und das Fenster zur Welt". Im Gespräch erzählt die Autorin über ihre Arbeit.

"Karla, Sengül und das Fenster zur Welt" schildert die Freundschaft zweier Mädchen aus unterschiedlichen Kulturen. Das Buch besticht durch Eindringlichkeit, Humor und eine klare Sprache. Wie Nikola Huppertz zum Schreiben kam und was sie anderen Autoren empfiehlt, verrät sie hier.

Suite101: Liebe Frau Huppertz, warum schreiben Sie für Kinder?

Ich kann mir kein großartigeres Lesepublikum vorstellen als Kinder. Sie sind begeisterungsfähig, unvoreingenommen und absolut aufrichtig. Entweder sie tauchen in eine Geschichte ein, oder sie werfen sie ohne Heuchelei in die Ecke. Wenn es mir gelingt, Kinder mit meinen Geschichten zu erreichen und zu bewegen, macht mich das richtig glücklich.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Als Kind und Jugendliche waren mir Geschichten und Musik am allerliebsten und ich wollte entweder Schriftstellerin oder Geigerin (oder am besten beides) werden. Später ist es dann nach einigem Hin und Her und einer schmerzhaften Entscheidung gegen mein begonnenes Musikstudium erst mal anders gekommen und ich habe mich mit "vernünftigen" Dingen beschäftigt, obwohl ich auf Dauer gar nicht so richtig große Lust dazu hatte. Aber einmal, noch als Studentin, unterhielt ich mich zwischen Tür und Angel mit einem bekannten Musikpädagogen, und der sagte zu mir: Nikola, ein Leben ist zu schade für die Wissenschaft. Das war nur beiläufig dahingeworfen und wahrscheinlich wird jeder wahre Forschergeist nun aufschreien. Aber mich hat der Satz nachhaltig beschäftigt, und als der Zeitpunkt gerade günstig war, habe ich beschlossen, es ernsthaft mit dem Schreiben auszuprobieren. Und es macht mir sogar noch mehr Spaß als das Musizieren.

Welche Schreibrituale sind Ihnen wichtig?

Oh, ich versuche mir das gerade so vorzustellen: Einen Caffè latte neben der Tastatur, Notizzettel und Wörterbücher in Reichweite, und dann absolute Stille. In Wirklichkeit muss ich jede sich bietende Gelegenheit blitzschnell am Schopf packen und zwischendurch immer mal wieder das Schreiben unterbrechen, weil ich ja auch ganz echte Kinder zu Hause habe und nicht nur die auf dem Papier. Aber ein Kaffee ist trotzdem ganz schön beim Schreiben, und abends, wenn alle schlafen und es ruhig ist, kommen mir auch die meisten Ideen. Nur mit den Notizzetteln klappt es nie. Die verlege ich ständig und muss nach ihnen suchen. Oder einfach mein Gedächtnis anstrengen.

Wie überwinden Sie Schreibblockaden?

Indem ich mich hinsetze und schreibe. Bei mir ist es so, dass all die kleinen Details, die eine Geschichte ausmachen, nicht planbar sind, sondern im Schreibprozess selbst entstehen. Manchmal laufe ich in eine Sackgasse und denke, meine Güte, was für einen Murks fabriziere ich denn da? Aber irgendwas Brauchbares ist doch meistens dabei, sodass die Geschichte über Umwege wieder in die Gänge kommt.

Welche Themen interessieren Sie am meisten?

Zum Glück kann ich mich für verschiedenste Themen begeistern, solange ich das Gefühl habe, hier werden Kinder ernst genommen und ich muss ihnen nichts aufzwingen, was ihrer Erfahrungs- oder Vorstellungswelt gar nicht entspricht.

Was würden Sie anderen Autoren raten, die noch immer auf Verlagssuche sind?

Immer dranbleiben und nicht die Flinte ins Korn werfen. Austausch und gegenseitige Kritik können hilfreich sein, um den eigenen Text "von außen" betrachten und überdenken zu können. Aber am wichtigsten finde ich es, an seinem eigenen Weg festzuhalten und Rückschläge auszuhalten.

Frau Huppertz, was macht einen Text zu einem guten Text?

Ich denke, es muss einfach ein Funke überspringen, sodass der Leser in der Geschichte etwas findet, was für ihn persönlich bedeutsam ist. Das ist ganz unabhängig davon, ob es sich um ein lustiges oder ernstes Thema handelt. Was den Kinderbuchbereich betrifft finde ich gute Texte dort, wo weder verniedlicht noch die pädagogische Keule geschwungen wird, sondern wo das Kind und sein vielfältiges Erleben im Mittelpunkt stehen.

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