Interview mit Alf Leue

Der Autor hat mit "Schattenfehde" seinen ersten Roman vorgelegt

Cover - Sutton Verlag
Cover - Sutton Verlag
Interview mit dem Autor Alf Leue (Jahrgang 1968) zu seinem Debutroman "Schattenfehde", der im Sutton Verlag erscheint, über das Schreiben und Veröffentlichen.

Um was geht es in Ihrem Roman ?

Mein Roman "Schattenfehde" spielt im Deutschland (größtenteils im heutigen Hessen und den angrenzenden Gebieten) des Spätmittelalters. Die historische Rahmenhandlung bietet die sogenannte "Mainzer Stiftsfehde", in deren Verlauf sich Graf Diether von Ysenburg und Graf Adolph von Nassau um den Mainzer Erzbischofsstuhl gestritten haben. Das alles mündete in einen regelrechten Krieg und dauert mehrere Jahre an. Das fiktive Element ist eine verdeckte Intrige um einen fast vergessenen Orden, deren Oberhaupt ein Legat des Papstes ist und der sich auf Seiten Nassaus stellt (der Papst war tatsächlich auf dessen Seite). Dieser Legat sammelt Männer um sich, die eine besondere Gabe haben und von Visionen geplagt werden. Diese Fähigkeit sucht er in seinem Orden zu bündeln und politisch für seine Zwecke einzusetzen. Das alles natürlich im Verborgenen. Da der Protagonist meiner Geschichte, der siebzehnjährige Berthold aus einem kleinen Städtchen des Bistums Mainz, auch über diese Gabe verfügt, gerät er ungewollt in die politischen, kriegerischen und intriganten Mühlen dieser Geschehnisse. Er muss Hals über Kopf fliehen und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit und sich selbst. Ein schönes Verwirrspielspiel um Kirche, Politik, Krieg und Liebe. Mehr wird nicht verraten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Zum einen weil mich das Mittelalter sehr fasziniert, dann weil ich eine kleine Ode an die Heimat verfassen wollte (ich lebe seit 2005 in Schweden) und weil mich Diether von Ysenburg und seine Geschichte begeistert haben. Wie ich konkret auf diesen Plot gekommen bin, kann ich nicht mehr sagen. Wahrscheinlich aber bei einem oder mehreren Gläsern Rotwein ...

War die Recherche sehr umfangreich? Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Da das mein Erstling ist, habe ich keinen Vergleich, aber gemessen an der reinen Arbeitszeit (Schreiben) hat die Recherche, das Abstimmen der historischen Eckpunkte mit der Handlung und das Lesen von Sekundärquellen einen enormen Teil ausgemacht. Ein Punkt übrigens, den ich am Anfang völlig unterschätzt hatte. Es gab für mich zum einen Wikipedia als erste Anlaufstelle, allerdings sind nicht alle Fakten dort immer so genau, wie man sie gerne hätte und manche soger sehr dünn oder gar fragwürdig, aber zumindest die Eckdaten sind zum größten Teil völlig in Ordnung. Zum anderen ließen sich Details nur über weitere Quellen erarbeiten. Da haben mir einige Fachbücher und wissenschaftliche Webseiten, der Stadtarchivar meiner früheren Heimatstadt und vor allem im späteren Verlauf auch mein Lektor beim Verlag und seine Quellen sehr geholfen. Da die Geschichte in meiner alten Heimat spielt, die ich sehr gut kenne, konnte ich auf eine Recherchereise verzichten.

Verraten Sie uns einen Fehler im Buch?

Mir fällt keiner ein. Im Original-Manuskript gab es schon einige Schnitzer, aber ich denke, das ist normal. Nach der x-ten Überarbeitung und einem sehr genauen Lektorat weiß ich allerdings jetzt wirklich keinen mehr. Es gibt eine Stelle, an der jemand mit einer wichtigen Handlung grundlos zu lange wartet. Das würde ich heute anders lösen, weil es tatsächlich nicht nachvollziehbar ist. Aber das würde ich eher als Ungereimtheit im Ablauf denn als Fehler klassifizieren. Falls es noch Fehler geben sollte, werden mich einige Leser mit Sicherheit darauf hinweisen.

Wie kam der Kontakt mit dem Verlag zustande?

Anschreiben. Absage. Anschreiben. Absage. Tief durchatmen. Anschreiben. Absage. Anschreiben. Zusage.

Haben Sie Schreibblockaden, und was machen Sie dagegen?

Habe ich selten. Allerdings merke ich, dass in gewissen Situationen und an manchen Tagen meine Kreativität und Wortwahl sehr zu wünschen übrig lassen. Dann stehe ich auf und mache etwas völlig anderes, bis es vorüber ist.

Wie geht es weiter?

Aktuell sitze ich an meinem zweiten Manuskript. Wieder ein Historischer Roman, wieder Spätmittelalter. Es geht um einen enteigneten Adeligen, der sich als Söldner durchschlagen muss und zwingend Geld braucht, um seine Rache zu finanzieren und um die ihm geraubten Besitztümer wiederzuerlangen. Ich will das Ganze als Trilogie anlegen. Der erste Teil handelt von einer ganz besonderen Maschine, die über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten ist und die ein jüdischer Metallhändler zufällig wiederentdeckt. Doch der wird ermordet, und das Geheimnis ist verschwunden. Mein Protagonist wird mit dem Fall betraut. Seit Ende 2008 bin ich bei der Agentur scriptzz in Berlin unter Vertrag und guter Dinge, dass wir diese Geschichte unterbekommen.

Wollen Sie auch in anderen Genres schreiben?

Ausschließen will ich das nicht, auch wenn ich mich aktuell nicht zu sehr vom Historischen Roman entfernen will. Mich reizt seit langem die subtile Vermengung von Fantastik, Historischem Roman und Gesellschaftskritik. Allerdings bin ich kein Fan von Feenwelten, Zauberstäben und tobenden Trollen, daher würde ich ein solches Setting wieder mit einem sehr realistischen Hintergrund aufbauen, aber dennoch die Grenzen von (Aber)glauben und Wirklichkeit verwischen. So eine Art grenzgängerische Mittelalteresoteriksatire, die manche Menschen in der heutigen Zeit auch gerne auf sich beziehen könnten.

Haben Sie Schreibanleitungsbücher oder sogar besondere Software verwendet?

Software nein, Bücher ja. Zuerst gänzlich unbedarft "Schreibkunst" von Otto Schuhmann und später dann ganz bewusst "Vier Seiten für ein Halleluja" von Hans Peter Röntgen.

Wie überarbeiten Sie einen Text?

Ich habe bei meinem neuen Manuskript von Anfang an viel mehr Zeit für's Plotten und für die Figurenentwicklung verwendet. Das habe ich bei meinem ersten Buch nicht gemacht. Investiert man vorher mehr Zeit in diese beiden Punkte, hat man später weniger Revisionen am Bein. Was das rein Handwerkliche angeht, so ist der 10-Punkte-TÜV von Andreas Eschbach eine schöne Rahmeneanleitung, wie man so etwas machen kann. Im Großen und Ganzen mache ich es sehr ähnlich. Letztlich heißt das Lesen, Korrigieren, Vergleichen und zwar so lange, bis es einem gefällt. Zwischenzeitlich eine Zeit lang liegen lassen und dann nochmal lesen. Für meine Testleser habe ich zudem eigens einen Fragebogen entwickelt, um deckungsgleiche Kritikpunkte aufzufinden (getreu dem Motto: "Sagt es einer: egal, sagen es mehrere: überprüfen, sagen es alle: unbedingt ändern!"). Daraus entwickle ich dann Textrevisionen.

Alexander Benra, Alexander Benra - privat

Alexander Benra - Alexander Benra, Jahrgang 1966, ist Jurist mit langjähriger Erfahrung in dem Fachgebiet Arbeitsrecht. Wichtiger Hinweis: Die ...

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