Interview mit Andreas Gruber

Im Gespräch mit dem Gewinner des Deutschen Phantastik-Preises

Andreas Gruber - http://www.agruber.com/
Andreas Gruber - http://www.agruber.com/
Science-Fiction und Horror made in Austria - der Österreicher Andreas Gruber gilt als einer der renommiertesten Phantastik-Autoren im deutschsprachigen Raum.

Neben zahlreichen Kurzgeschichten schreibt Andreas Gruber höchst erfolgreiche Romane. So gewann etwa sein Okkult-Thriller „Der Judas-Schrein" 2006 den begehrten Deutschen Phantastik-Preis. Im Herbst 2008 wird sein neuester Roman „Die Engelsmühle" im Verlag Festa erscheinen.

Würden Sie sich bitte allen Lesern, die Sie noch nicht kennen, kurz vorstellen?

Ich bin 39 Jahre alt, lebe südlich von Wien in einem winzigen Ort, bin verheiratet, habe einen Sohn, drei Katzen, einen Teilzeit-Job, schreibe in meiner Freizeit wann und wo es nur geht, höre in meinem Auto - einem CD-Player auf vier Rädern - hauptsächlich Hard Rock, liebe Thriller, Horror- und SF-Filme, bin ein Fan der Serien Monk und Lost, besuche mit meiner Frau gern Kleinkabarettbühnen, trainiere Karate, ernähre mich großteils von Pizza, Fast-Food und Süßigkeiten und habe auf meinem Nachttisch meist vier bis fünf Bücher liegen.

Bei den Stichworten Science-Fiction sowie Horror fallen den meisten Deutschen oder Österreichern wohl vorrangig amerikanische Autoren ein. Obwohl diese Genres populär sind, gibt es kaum deutschsprachige Autoren in den großen Publikumsverlagen. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Die Szene wird von Wolfgang Hohlbein, Andreas Eschbach, Michael Marrak, Thomas Thiemeyer, Markus Heitz und Kai Meyer beherrscht ... dann wird die Luft schon dünn. Dass nicht mehr deutschsprachige Autoren in die Riege der Großverlage vorstoßen liegt einerseits daran, dass reine SF-Romane kaum genommen werden und Kurzgeschichtenbände schon gar nicht. Was bleibt sind Phantastikromane, die womöglich historische Szenen, aber keinen Splatter beinhalten sollten und bestsellertauglich geschrieben sein müssen. Da gibt es wenige Autoren im Fandom, die das können und wollen.

Wie kann man sich Ihren Weg von der ersten vagen Idee zum fertigen Manuskript in etwa vorstellen?

Naja ... im Prinzip zwei Jahre harte Arbeit! Nach der ersten Storyidee folgen das Exposé, die Charakter-Dossiers, ein ausgefeilter Roman-Entwurf und reichlich Recherchen. Nachdem alles abgestimmt und nochmal überarbeitet wurde, bis es plausibel ist, folgen die ersten Probekapitel als Leseprobe. Nach der Verlagssuche und dem Autorenvertrag wird der Roman getippt, überarbeitet und lektoriert. Testleser geben ihren Senf dazu, danach wird das Manuskript an den Verlag abgegeben, die Änderungen des Verlags-Lektorats eingearbeitet, die Druckfahnen korrigiert, und dann geht das Buch in den Druck.

Sie schreiben hauptsächlich Phantastik. Würde es Sie reizen, sich in einem anderen Genre zu versuchen?

Mein Roman „Schwarze Dame" ist ein lupenreiner Thriller, ebenso die Fortsetzung „Die Engelsmühle", die im Herbst 2008 bei Festa erscheint. Beide Romane sind düster und geheimnisvoll und liebäugeln ein wenig mit dem Genre der Phantastik. Weiter als wie mit diesen Thrillern möchte ich mich jedoch nicht von der Phantastik entfernen. Selbst wenn ich mal eine Satire oder einen Action-Reißer schreiben würde, hätte das immer etwas mit Phantastik zu tun.

Viele Autoren scheuen vor gewissen Themen zurück. Existieren für Sie auch Tabus, die Sie unmöglich überschreiten können und wollen?

Bisher habe ich einige heikle Themen für Romane und Stories aufgegriffen, wie Inzest, Kindesmissbrauch, Selbstverstümmelung, Schizophrenie, Homosexualität, Kannibalismus, religiöser Wahn, Fremdenhass oder Medien-Voyeurismus. Diese Texte sind aber nicht in erster Linie entstanden, um ein Tabu zu brechen oder einen Effekt zu erzielen, sondern um mir bestimmte Themen von der Seele zu schreiben. Falls mich wieder einmal ein so genanntes Tabu-Thema beschäftigen sollte, werde ich es in eine Story verpacken und darüber schreiben.

Welche Tipps aus Ihrem reichen Erfahrungsschatz können Sie Schreibanfängern vermitteln?

Schreib-Workshops besuchen, sich mit Autorenkollegen austauschen, die Texte Testlesern zur Verfügung stellen und die beiden Bücher „Deutsch fürs Leben" von Wolf Schneider und „Stilkunst" von Ludwig Reiners lesen. Vor allem sollte man sich die Latte nicht zu hoch legen, d.h. mit Stories beginnen und nicht gleich den 700 Seiten dicken Wälzer schreiben. Und dabei sollte man sich selbst immer treu bleiben und stets das schreiben, wovon man überzeugt ist.

Manche junge Autoren sind der Ansicht, deutschsprachige Verlage würden ihre Manuskripte prinzipiell ablehnen und lediglich amerikanische oder englische Autoren publizieren. Teilen Sie diese Einschätzung?

Deutschsprachige Verlage sind (!) auf der Suche nach guten Manuskripten und guten Autoren, die sie aufbauen möchten. Nur ist die Konkurrenz aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum unheimlich groß, und ein Manuskript muss eben verdammt gut sein, damit es ins Verlagsprogramm aufgenommen wird.

Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?

„Die Therapie" von Sebastian Fitzek, SF-Kurzgeschichten von Frank Hebben, sowie Essays von George Orwell und ein Sachbuch über die Filme von David Lynch.

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

rss