Interview mit Bea Vincent "Alsterperlen küssen nicht"

Alsterperlen küssen nicht  - Schwartzkopf & Schwartzkopf
Alsterperlen küssen nicht - Schwartzkopf & Schwartzkopf
"In Alsterperlen küssen nicht" geht es turbulent zu. Zwei Hochschulabsolventinnen wollen sich Geld als Excort-Damen dazuverdienen.

Mit viel Witz entführt Bea Vincent ihre Leser in die Welt des Escort-Services. Das Buch erschien im September 2011 in der neuen Reihe „Amelie“ im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Edelgard Kleefisch: Für Ihren Roman Alsterperlen küssen nicht, mussten Sie sich eingehend mit der Arbeit von Damen in Escort-Agenturen beschäftigen. Woher stammen Ihre Informationen? Oder haben Sie etwa selbst...?

Bea Vincent: Stein des Anstoßes war ursprünglich ein Artikel aus dem Stern. Und das Bedürfnis, eine Geschichte für eine sehr gute Freundin zu schreiben, die sie zum Lachen bringen würde, da es leider zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben nicht sehr viel zum Lachen gab. Zusammen mit meiner überbordernden Fantasie sind dann die „Alsterperlen“ entstanden.

Edelgard Kleefisch: Ein Satz aus Ihrem Buch: »Der durchschnittliche Escort-Kunde weiß wahrscheinlich noch nicht einmal, wie man einen Flug bucht, Kaffee kocht oder die Waschmaschine bedient. Es handelt sich um die Art Mann, die entweder sehr früh Karriere gemacht oder reich geerbt hat, oder beides.« Wie muss man sich im Gegenzug Milla und Natascha vorstellen. Entsprechen sie den durchschnittlichen Escort-Damen?

Bea Vincent: Da kann ich selbst nur raten. Ich gehe aber davon aus, dass das typische Escort-Girl vermutlich nicht auf den Kopf gefallen ist- und das sind die beiden auch nicht! Sie verkaufen knallhart eine Dienstleistung- und haben dennoch einen eigenen Anspruch an ihre Leistung. Wichtiger finde ich allerdings, dass sie gerade durch ihre Escort-Tätigkeit und den damit verbundenen Schwierigkeiten ihr Leben hinterfragen müssen. Wie so oft entwickeln Ereignisse eine Eigendynamik, die Milla und Natascha auch zu spüren bekommen.

Edelgard Kleefisch: Ihre Figuren sind frei erfunden und doch haben Sie reale Erlebnisse mit einfließen lassen. Welche wären das zum Beispiel?

Bea Vincent: Spontan denke ich an das Kapitel mit Weihnachten: Diese Geschichte hat sich fast 1:1 so zugetragen und bedeutet einen Wendepunkt in meinem Leben als Gastgeberin: Seit dem kann ich vollkommen selbstsicher behaupten, dass ich eine Ente nicht nur perfekt füllen und servieren, sondern auch beim Auftragen des Vogels noch einen lässigen Salsa-Schritt hinlegen kann!

Edelgard Kleefisch: Welche Bücher haben Sie zum Schreiben inspiriert?

Bea Vincent: Ich mag die Klassiker, aber inspiriert haben mich auf jeden Fall Autoren wie Matt Ruff oder Tama Janowitz. Mich hat zuerst deren Humor beeindruckt und dann die Art, wie sie ein auf den ersten Blick vollkommen abstruses Gedankenkonstrukt beim Leser entstehen lassen, Handlungsstränge und Gefühle, die sich beim weiteren Lesen dann auf einmal wie selbstverständlich anfühlen.

Edelgard Kleefisch: Was sagen Ihre Freundinnen zu dem Buch?

Bea Vincent: Sie lieben es! Oft rufen sie mich spontan an und sagen Dinge wie „Weißt Du, diese Szene- mir ist da gerade etwas ganz Ähnliches passiert und ich musste an Dein Buch denken! Da musste ich dann einfach Lachen.“ Das ist genau, was ich möchte- ein Gefühl vermitteln, dass auch anderen seltsame Dinge im Leben passieren und fast jede Situation auch ihre komischen Seiten hat.

Edelgard Kleefisch: Was brachte Sie während Ihrer Schreibarbeit besonders zum Schmunzeln?

Bea Vincent: Seifenblasen. Die mache ich immer und überall, auch auf die Gefahr hin, dass man mich möglicherweise für eine gestörte Irre hält. Und natürlich meine Freunde…

Edelgard Kleefisch: Sind weitere Projekte in Arbeit?

Bea Vincent: Ja. Ich verrate schon einmal so viel, dass es in meinem nächsten Buch eine rothaarige Protagonistin mit einer seltsamen Diät geben wird und eine andere mit einem dicken Po. Außerdem eine Oma mit Pistole, Apfelkuchen in rauen Mengen und die Ziege Sofia in einer Nebenrolle.

Recht herzlichen Dank für das Interview, Frau Vincent. Weiterhin alles Gute!

Das Buch: Alsterperlen küssen nicht

Die beiden Hochschulabsolventinnen Milla und Natscha haben beruflich noch keinen festen Fuß gefasst, als ihnen eine Idee viel versprechend erscheint. Beide Frauen lernen sich so bei einem Fotoshooting in einer Escort-Agentur kennen und schließen sofort Freundschaft. Das Begleitservice-Abenteuer wird für sie zur Herausforderung. Ein skurriles Erlebnis jagt das nächste, welche die beiden ziemlich naiv meistern.

Als Milla und Natascha von einem Kunden als Duo gebucht werden, und dieser sehr aufdringliche Kunde abends auch noch zu guter Letzt tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird, ergreifen die beiden die Flucht nach Belgien. Der Wunsch wieder ein »normales Leben« zu führen wird von einer herrenlosen Ziege und einem muskulären Zimmermann durchkreuzt.

Über die Autorin:

Bea Vincent, Jahrgang 1971 lebt in Hamburg und ist dort seit 2005 in einer Marktetingabteilung eines Traditionsunternehmens tätig. Davor war sie für verschiedene Verlage als Texterin und Redakteurin tätig.

Alsterperlen küssen nicht, Bea Vincent, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 224 Seiten, ISBN: 978-3862650903, 9,95 EUR (D)

Edelgard Kleefisch, Edelgard Kleefisch privat

Edelgard Kleefisch - Mein Name ist Edelgard Kleefisch, geb. in Düsseldorf. Ich lebe mit meiner Familie im Düsseldorfer-Süden. Beruflich habe ...

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