
- Das Stadtmagazin im weiblichen Blick - www.berlin-woman.de
Suite101-Autorin Caroline Stern traf die Unternehmerin Dr. Carola Muysers auf einer Hollywoodschaukel mitten in Berlin, um über ihren Stadtkultur-Blog für Frauen zu sprechen.
Dein Blog Berlin-Woman versteht sich als weiblicher Leitfaden durch den Großstadtdschungel und hat bereits mehr als 40.000 Leserinnen. Wie finden Dich die Berliner Frauen im Internet? Wie hast Du den Blog innerhalb so kurzer Zeit bekannt gemacht?
Mittlerweile sind es sogar schon über 60.000 Leserinnen mit aufsteigender Tendenz. Aber es sind auch Leser dabei. Sie finden mich über Facebook und durch Schlagworte wie beispielsweise Namen von Berliner Frauen, über die ich schreibe. Über Schlagworte wie Mode, Fashion Week und auch über komplexe Sätze, intellektuellere Sentenzen, weil wir recht anspruchsvoll schreiben, kommen User auch auf die Seite.
Worüber berichtest Du auf Deinem Blog?
Ich habe ein ganz breites Spektrum. Ich berichte über professionelle kreative Frauen in Berlin aus Theater, Literatur, Bildender Kunst, Film, Foto und so weiter. Ich berichte über kreative Unternehmerinnen, also Unternehmerinnen mit einer besonderen Geschäftsidee – egal ob etabliert oder Startup – die ich vorstelle im Portrait, im Interview. Oder über Frauen, die sich in einem Männerberuf behaupten. Ich mache Suchanfragen, ich mache Spendenaufrufe, es gibt einen laufenden Veranstaltungskalender. Am Samstag gibt es meistens einen Ausgehtipp und am Sonntag etwas Beschauliches wie zum Beispiel ein Gedicht.
Gibt es eine Unternehmens-/Blogphilosophie? Und die Idee dahinter?
Auf den Blog bin ich gekommen, als ich meine Firma Bees & Butterflies, eine Agentur für kreative Unternehmen gegründet habe. Damals hatte ich kein Geld für Werbung. Ich hatte nur einen Flyer, den ich an kreativen Orten auslegen wollte. Allerdings schämte ich mich sehr, das zu machen. Dann kam mir die Idee, über diese Orte zu berichten. Und die Kommunikation mit den Leuten, die die kreativen Orte leiten, war dann plötzlich ganz anders. Die fanden das ganz toll mit der Berichterstattung und so konnte ich im Gegenzug meine Agentur promoten. Über diesen Blog habe ich meine Agentur fast komplett aufgestellt, meine Kundschaft, meine Klienten und meine Aufträge. Parallel hat sich der Blog so weiterentwickelt, dass er fast wie ein zweites Kind ist. Es sollte gar nicht so groß werden, wie es jetzt geworden ist. Es ist jetzt ein Magazin, das ich auch vermarkte. Und die Blogphilosophie ist: Wir tun etwas für alle Frauen in Berlin, die etwas auf dem Kasten haben.
Das Durchschnittsalter Deiner Leserinnen? Lässt sich das ermitteln?
Mittlerweile lässt sich das über meine Facebook-Fanseite ermitteln. Ich freue mich übrigens über Likes. Ich like auch gerne zurück. Berlin-Woman verteilt gerne ihre Sympathien an andere Kolleginnen. Das Durchschnittsalter der Leserinnen setzt bei Ende 20 ein und reicht bis 50 bzw. 60 Jahre. Das ist auch mein Anliegen, dass ich alle Generationen erreichen kann.
Wie finanziert sich Berlin-Woman?
Durch seriöse und anspruchsvolle PR-Artikel speziell für die kreativen Unternehmerinnen mit einer originellen Geschäftsidee, die dort ein Portrait mit Interview buchen können – alles natürlich in Handarbeit gemacht.
Welche Arbeitszeiten hast Du?
Von 9 Uhr morgens, denn dann stelle ich in der Regel den Tagesbeitrag online, bis 9 Uhr morgens.
Wie sieht Deine bisherige Laufbahn aus?
Ich bin studierte und promovierte Kunsthistorikerin, habe als Kunstkritikerin gearbeitet, als Kuratorin, freie und wissenschaftliche Autorin sowie als Gastdozentin an verschiedenen Universitäten. Dann war ich kurz davor zu habilitieren und dachte: Nein, das ist es nicht. Der akademische Betrieb ist mir zu langsam. Er hat mir Lebenszeit geraubt, die ich hier am Puls der Zeit mit dem Blog, mit der Agentur besser einsetzen kann. Und ich kann Menschen direkt helfen, sie aufbauen, mit ihnen Projekte machen. Diese Lebendigkeit hat mir gefehlt, aber jetzt habe ich sie. Mit Beratung und Coaching und allem Support, den es so gibt, erarbeitete ich mir das alles in den letzten 5-6 Jahren.
Was war Dein schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit Berlin-Woman?
Dass der Blog mein Leben und meine Arbeit total verändert hat. Ich arbeite noch sehr viel mehr als früher, aber es macht unheimlichen Spaß, weil das so eine Vielfältigkeit ist, wegen des Feedbacks, der Bekanntschaften. Gerade Berlin ist ja so vielfältig in der Kreativszene, und davon Teil zu sein, ist unglaublich schön.
Engagement des Blogs (politisch, sozial...)?
Der Blog möchte darauf aufmerksam machen, dass die Frauen ein Wirtschaftsfaktor sind, der noch gar nicht richtig entschlüsselt ist. Ja, dieser Faktor ist noch gar nicht komplett genutzt. Frauen gründen anders, Frauen haushalten anders und sie wirtschaften auch anders. Deshalb arbeite ich daran und kämpfe dafür, dass wir uns wirtschaftlich stärker vernetzen und wirtschaftlich stärker aufstellen. Wir haben Qualitäten, die das XY-Chromosom nicht bietet. Zum Beispiel führen Frauen Unternehmen strategischer. Es gibt auch Männer, die das tun, aber diese haben meist eine starke Frau an ihrer Seite – Ehefrau, Schwester, Mitarbeiterin, Kollegin. Also Männer, die auf diese Frauen hören. Die sind klug, weil sie beide Seiten haben und einsetzen. Der Blog möchte die Frauen zu ihrer eigenen Stärke bringen und ihren wirtschaftlichen Wert betonen. Wir leisten Arbeit und die ist etwas wert und die muss auch entsprechend bezahlt werden. Wir sind wichtig für die Wirtschaft. Sie ist ein Veränderungsprozess und wir können die Wirtschaft aktiv mitverändern.
Gibt es schon Preise, Auszeichnungen für Berlin-Woman? Wenn nicht, welchen strebst Du an?
Da bin ich ja etwas unverschämt: Ich möchte Unternehmerin des Jahres 2013 werden hier in Berlin.
Welche Vorbilder hast Du?
Zweimal in der Woche stelle ich eine große Berliner Frau auf meinem Blog vor, die wirklich etwas Großartiges in Berlin bewegt hat. Die Biografien sind ganz vielfältig. Die Frauen haben gekämpft oder kämpfen. Sie lassen sich nicht unterkriegen und sind krisenbeständig. Das sind meine Vorbilder.
Noch einen Tipp für den Erfolg als Blogger?
Bloggen, bloggen, bloggen.
